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Drohanrufe: Unbekannter hackt Telefonanlage in SPD-Parteizentrale

War es ein schlechter Scherz oder ein ernster Versuch, das Mitgliedervotum der SPD zu beeinflussen? Ein Unbekannter hat die Telefonanlage im Willy-Brandt-Haus gehackt, um parteiinterne Gegner der Großen Koalition einzuschüchtern. Die Partei überlegt nun, den Anrufer anzuzeigen.

SPD-Generalsekretärin Nahles: "   K   ein Platz für Drohanrufe" Zur Großansicht
DPA

SPD-Generalsekretärin Nahles: " K ein Platz für Drohanrufe"

Berlin - Ein Unbekannter hat sich nach Angaben der SPD in das Telefonsystem des Willy-Brandt-Hauses eingehackt und versucht, die Entscheidung einzelner SPD-Mitglieder bei dem Mitgliedervotum der Partei zu beeinflussen. Das berichten zeit.de und stern.de übereinstimmend.

Der Mann gab sich als Mitarbeiter aus dem Büro der Generalsekretärin Andrea Nahles aus. Er habe den Mitgliedern für den Fall, dass diese bei der Mitgliederbefragung über die Große Koalition mit Nein stimmten, mit empfindlichen Konsequenzen für ihre Karrieren in der Partei gedroht.

Der Hacker habe es technisch so aussehen lassen, als rufe er aus der Parteizentrale an, sagte SPD-Sprecher Tobias Dünow der Online-Ausgabe der "Zeit". Auf diese Weise habe der Anruf für die SPD-Mitglieder echt erscheinen müssen. Mehrere Juso-Mitglieder seien am Dienstag von dieser Nummer aus angerufen worden. Sie alle hatten sich den Berichten zufolge öffentlich gegen die Große Koalition ausgesprochen. Die SPD erwägt nun Strafanzeige, sagte Dünow stern.de.

Nahles äußerte sich zu dem Vorfall in einer zeit.de vorliegenden E-Mail an einen der Geschädigten, der sich zuvor empört an ihr Büro gewandt hatte. "In der SPD gibt es keinen Platz für Drohanrufe", heißt es demnach darin.

Die SPD-Führung stellte am Donnerstag Strafanzeige gegen Unbekannt. "Die Behörden haben die Ermittlungen bereits aufgenommen", sagte eine Parteisprecherin.

Die SPD-Basis soll per Mitgliederentscheid über den Koalitionsvertrag mit der Union abstimmen. Das Ergebnis soll am 14. Dezember verkündet werden, erst danach kann die neue Regierung ihr Amt antreten. Die SPD-Spitze, die eine Große Koalition befürwortet, hat ihre politische Zukunft mit dem Erfolg des Votums verknüpft.

ade/AFP

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1. Ha Ha...
eswirdbesser 04.12.2013
...Datenschutz, Datensicherheit. Das Kanzlerhandy wird abgehört, der Telefoncomputer der SPD Parteizentrale manipuliert. Anscheinend kann man auf diesen Gebiet alles machen. Und hat jemand eine Absicht, wird sie so umgesetzt. Sehr beruhigend...
2. Was ist denn?
moomendema 04.12.2013
Das ist bestimmt die einzige Möglichkeit, die SPD-Parteimitglieder zu überzeugen, sich doch für den Selbstdemontagekurs der Parteiführung zu "entscheiden". Könnte ja auch gar kein Hacker am Werke gewesen sein... Wie war das vor der Wahl? "Wir müssen mehr in die Bildung unserer Jugend investieren!" Jetzt hört man aus Hessen, Das die Schwarz-Grüne Koalition 3000 Lehrerstellen streichen will! Das kann wohl als Omen dienen, für das was diese CDU bald alles alternativ- und wiederspruchslos durchregieren wird. Also mir graust es.
3. Stimmt das ...
pionpair 04.12.2013
... denn wirklich? Die Entwicklungen der letzten Tage bzw. Wochen zeigen auf eindrucksvolle Weise wohl ganz deutlich, dass die SPD-Führung die GroKo auf jeden Fall will. Kritik aus den parteiinternen Reihen ist doch da unerwünscht, zumal die SPD-Führung wohl auch schon mit Rücktritt gedroht hat, wenn dir GroKo nicht zustande käme. Wer ist hier der Erpresser?
4. so sicher wie die Cloud
paula_f 04.12.2013
möglicherweise handelt es sich um eine PC basierte Telefonanlagen welche in der Cloud also im Internet liegt. Praktisch heißt Cluod die Daten liegen im Internet auf irgendwelchen Servern die keiner der Anwender je gesehen hat. Alle Mittelständler die sich der Cloud und den angeblich sicheren Daten anvertrauen kann man zu ihrer Inkompetenz beglückwünschen.
5. Ich glaube nicht an
rosaberg 04.12.2013
einen Hacker. Nachdem die Rücktrittsandrohung und als Überzeugungsarbeit getarnte Gehirnwäsche nicht fruchten, greift man nun zu diesem Mittel und nennt es Hackerangriff. Im umgekehrten Falle, d.h. mit NEIN zu stimmen, würde ich an einen solchen Angriff zum Wohle des Landes glauben.
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