Großrazzia in NRW Mutmaßliche Dschihad-Unterstützer festgenommen

Sie wollten offenbar mit Einbrüchen und Diebstählen Dschihadisten in Syrien unterstützen: Im Auftrag der Kölner Staatsanwaltschaft und des Generalbundesanwalts wurden am Morgen zehn mutmaßliche Islamisten festgenommen.


Köln - An dem Einsatz waren 240 Polizisten beteiligt: Im Auftrag der Kölner Staatsanwaltschaft und der Bundesanwaltschaft wurden am Mittwochmorgen zehn Verdächtige im Alter zwischen 22 und 58 Jahren festgenommen, wie das NRW-Innenministerium mitteilte. Sie wurden nach Angaben der Justiz in ihren Wohnorten in Köln, Siegen, Bergisch-Gladbach, Kreuztal und Netphen verhaftet. Außerdem durchsuchten die Beamten ihre Wohnungen nach Beweismitteln.

Die Beschuldigten werden verdächtigt, durch Einbruchdiebstähle vor allem in Kirchen und Schulen Geld zur Unterstützung von Dschihadisten in Syrien besorgt zu haben. Das ergaben demnach verdeckte Recherchen der Ermittlungsgruppe "Reise" der Kölner Polizei, die seit Mai 2013 gegen 44 Verdächtige ermittelt hatte. Mit der Beute des Netzwerks sollte auch die Ausreise von Kämpfern nach Syrien finanziert werden.

Bei 20 weiteren - dem radikalen salafistischen Spektrum zugerechneten Beschuldigten - habe es ebenfalls Razzien gegeben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der Vorwurf: Sie stünden im Verdacht, sich an den Straftaten beteiligt zu haben, aber auch gefälschte Pässe für ausreisewillige Kämpfer beschafft zu haben. Insgesamt wurden laut NRW-Innenministerium fast 40 Wohnungen durchsucht.

Einige sollen den IS direkt unterstützt haben

Zwei der Beschuldigten wird vorgeworfen, die Terrorvereinigungen "Islamischer Staat" (IS), "Ahrar al-Sham" und "Junud al-Sham" unterstützt und in Deutschland um Mitglieder für den IS geworben zu haben. Der größte Teil der Beschuldigten stammt aus Nordrhein-Westfalen, weitere Beschuldigte kommen aus Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Bayern.

"Polizei und Verfassungsschutz gehen entschlossen gegen diese gefährliche Szene vor. Die Sicherheitsbehörden der Länder und des Bundes arbeiten bei der Bekämpfung des gewaltbereiten Salafismus Hand in Hand", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger einer Mitteilung zufolge. "Die Festnahmen und Durchsuchungen beweisen, dass die Sicherheitsbehörden wachsam sind und sämtliche rechtliche Möglichkeiten zur Bekämpfung extremistischer Salafisten nutzen", sagte Jäger.

Gegen einige der Verdächtigen aus Köln sowie einen 58 Jahre alten Mann geht auch die Bundesanwaltschaft nach eigenen Angaben vor. Zwei von ihnen würden verdächtigt, die Terrormiliz Islamischer Staat unterstützt und in Deutschland um Kämpfer für sie geworben zu haben. Beide sollen im Laufe des Mittwochs einem Haftrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt werden. Die anderen Festgenommenen kommen in Köln vor den Haftrichter.

Die Überwachung der rund 230 bekannten gefährlichen Islamisten in Deutschland stellt laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) eine enorme Belastung dar. Der Aufwand, diese 230 sogenannten Gefährder immer im Blick zu halten, "geht an die Grenzen dessen, was die Sicherheitsbehörden imstande sind zu leisten", sagte de Maizière am Mittwoch in Berlin.

als/mxw/dpa/Reuters



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