Dubiose Zeitungs-Deals Ministerium feuert umstrittene PR-Agentur

Gib mir einen Zeitungsartikel, dann bekommst du eine bezahlte Anzeige: Solch anrüchige PR-Arbeit brachte das Wirtschaftsministerium von Michael Glos unter Druck. Jetzt wurde die zuständige Agentur gefeuert - die Regierung versichert aufgeschreckt, sie habe damit nichts zu tun.


Berlin - Man werde die Zusammenarbeit mit der Berliner PR-Agentur Flaskamp AG bei der Anzeigenkampagne beenden, sagte heute ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. Die gesamte Veranstaltungsreihe werde zunächst ausgesetzt und das Konzept noch einmal überprüft, hieß es im Haus von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU).

Wirtschaftsminister Glos: Der CSU-Politiker steht in der Kritik
DPA

Wirtschaftsminister Glos: Der CSU-Politiker steht in der Kritik

Der Sprecher hob dabei erneut hervor, dass die kritisierten Koppelungsgeschäfte "absolut unzulässig" seien. Regierungssprecher Thomas Steg sagte, das Wirtschaftsministerium habe auf den Fall "sehr schnell reagiert". Das Vorgehen der Agentur Flaskamp sei "wohl übereifrig gewesen". Steg machte deutlich, dass das Bundespresseamt mit der Firma nicht zusammenarbeite.

Die Agentur Flaskamp nahm die Schuld auf sich und betonte, das Ministerium habe von den Vorgängen tatsächlich nichts gewusst. Ein Mitinhaber der Agentur, Jan Flaskamp, entschuldigte sich für das Vorgehen der Firma. "Eine Kopplung von redaktioneller Berichterstattung und Anzeigen ist nicht beabsichtigt", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Die Agentur hatte im Auftrag des Wirtschaftsministeriums die Schaltung von Anzeigen in Zeitungen angeboten, wenn diese im Gegenzug politische Veranstaltungen mitorganisieren und darüber berichten. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtete, der Wert der Anzeigen liege zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Der Sprecher von Glos hob mit Blick auf diese Koppelung hervor: "In dem Konzept, das der Ausschreibung zugrunde lag, war keine Rede von diesen Umständen." Zwar seien Anzeigenschaltungen und Redaktionsbesuche geplant gewesen, aber nie in Verbindung mit inhaltlicher Berichterstattung.

Wirtschaftsminister Glos sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, sein Ministerium habe positive Berichte über die eigene Arbeit "kaufen" wollen. Die Agentur Flaskamp hatte den Zuschlag für die Kampagne nach Ministeriumsangaben nach einer europaweiten Ausschreibung erhalten. In dem Konzept sei von den "genannten Umständen" wie Koppelungsgeschäften keine Rede gewesen, sagte Glos' Sprecher.

Kritik selbst von der IHK

Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) hatte der Agentur des Bundeswirtschaftsministeriums vorgeworfen, in der Hauptstadt ähnlich wie in Köln zweifelhafte PR-Arbeit betrieben zu haben. "In Berlin sollte nach der gleichen Methode eine Veranstaltung durchgeführt werden", sagte IHK-Sprecher Holger Lunau gestern.

Die Kammern des jeweiligen Veranstaltungsortes sind bei der "Dialogtour" zur Mittelstandspolitik des Ministeriums als Kooperationspartner vorgesehen. Auch in Berlin habe die Agentur Flaskamp bei der geplanten Veranstaltung mit nur einer Zeitung zusammenarbeiten wollen, sagte Lunau der Nachrichtenagentur dpa. Die ursprünglich für September geplante Veranstaltung sei daraufhin abgesagt worden.

Politiker von SPD, FDP und Grünen sowie der Deutsche Journalisten-Verband hatten scharfe Kritik geübt. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend, sprach von einem "unglaublichen Vorgang" und forderte, den Vorgang im Wirtschaftsausschuss des Bundestags zu erörtern. Der Vorsitzende des Bundestags-Haushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP), nannte dies "einen Missbrauch von Steuergeldern und einen Verstoß gegen die Bundeshaushaltsordnung". Grünen-Chef Reinhard Bütikofer sprach von "politischer Korruption".

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Michael Konken, hatte dem Ministerium vorgeworfen, "Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen" und dies einen "unzulässigen Eingriff" genannt.

flo/stx/AFP/AP/ddp/dpa/Reuters

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