Kauder über Bauern-Hilfe "Wir sollten nicht kleinlich sein"

Unionsfraktionschef Volker Kauder hat Landwirten in Deutschland Unterstützung zugesagt. Er befürwortet aber, die Erntebilanz abzuwarten. Grüne und SPD fordern auch bei den Bauern ein Umdenken.

Vertrocknete Halme auf Feld bei Köln
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Vertrocknete Halme auf Feld bei Köln


Nach einem extrem trockenen Juli startet auch der August in Deutschland mit hohen Temperaturen. Schon am ersten Tag soll es laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) bis zu 37 Grad heiß werden. Betroffen sind davon vor allem weiter die Bauern. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hat ihnen nun Unterstützung zugesagt. "Wir sollten nicht kleinlich sein", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es handle sich um eine Ausnahmesituation.

Eine Entscheidung müsse aber nicht sofort fallen. Er unterstütze den Kurs von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), die vor einer Hilfszusage den Erntebericht abwarten will. Am Mittwoch berät das Bundeskabinett über die Folgen der Dürre.

Dann will auch der Bauernverband neue Einschätzungen zur laufenden Ernte vorlegen. Viele Landwirte leiden aktuell wegen der Hitze unter erheblichen Ernteausfällen. Vor allem im Osten und im Norden drohen Einbußen bei Getreide, aber auch bei Gras als Tierfutter. Der Verband fordert rasche Nothilfen von möglichst einer Milliarde Euro.

Volker Kauder (CDU)
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Volker Kauder (CDU)

Bauernpräsident Joachim Rukwied hatte bereits in einer ersten Zwischenbilanz Mitte Juli vor einem "existenzbedrohenden Ausmaß" der Ernteausfälle in einigen Regionen gewarnt. Futterreserven drohten knapp zu werden, sodass Tierhalter Futter zukaufen müssten.

Zuständig für Finanzhilfen sind zunächst die Länder. Der Bund will erst nach einer amtlichen Erntebilanz Ende August über mögliche eigene Zahlungen entscheiden. Dies ist möglich, wenn Schäden von "nationalem Ausmaß" festgestellt werden. Zuletzt war dies 2003 wegen einer Dürre der Fall.

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Bei einem Expertentreffen von Bund und Ländern am Dienstag sei "klar geworden, dass die Betroffenheit der Landwirte in Deutschland sehr unterschiedlich ist, aber insbesondere die Hitzewelle der letzten drei Wochen die Situation überall extrem verschärft hat", teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium mit. "Wir waren uns einig, dass die Länder jetzt die notwendigen Daten so schnell wie möglich liefern, denn nur dann kann der Bund auch schnell handeln", wurde der Parlamentarische Staatssekretär Michael Stübgen (CDU) zitiert.

Zuletzt hat sich die Grünen offen für eine Bauern-Nothilfe gezeigt. Die aktuelle Situation müsse "ein Weckruf" sein. Grünen-Chefin Annalena Baerbock forderte angesichts der Dürre allerdings auch einen Wandel hin zu einer naturschonenderen Bewirtschaftung. Landwirte seien in weiten Teilen des Landes hart betroffen, "gleichzeitig aber auch Teil des Problems", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Das Prinzip, Lebensmittel zu Dumpingpreisen in Massen zu produzieren, hat ausgedient."

Auch Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) forderte ein konsequentes Umdenken der Bauern. Die Landwirtschaft müsse die natürlichen Standortbedingungen wieder stärker beachten, sagte sie dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Dabei gehe es um vielfältige Fruchtfolgen, ein breites Anbauspektrum, ökologische Ausgleichsflächen und eine artgerechte Tierhaltung.

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aev/dpa/Reuters



insgesamt 336 Beiträge
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Seite 1
0Kugelfang0 01.08.2018
1. Seht es wie die Deutschen Rentner!
Falls die Ernte ausfällt, wir haben doch die Tafeln, bei uns muss keiner Hungern! Frieren vielleicht und Wohnen auch nicht unbedingt aber Essen gibt es für alle! Nennt sie Neue Deutsche Marktwirtschaft, eine Errungenschaft von SPD/ Grünen : Fischer und Schröder, freut euch jetzt!
ein Deutscher im Ausland 01.08.2018
2. Ich als Kleingärtner auch,
Ich habe auch Ernteausfälle geschätzt 2000 Euro. Dann zahle ich für mein Brot bestimmmt auch bald mehr, da möchte ich auch einen Zuschuss... und nächstes Jahr soll es auch eine Dürre geben, da möchte ich gleich noch was als Vorschuss..... Wir sollten die Kirch im Dorf lassen, entweder alle oder keiner!
Chris CNX 01.08.2018
3.
Und wenn es nächstes Jahr einen verregneten Sommer gibt stehen die Eiscafés und Eishersteller Schlange um staatliche Hilfe zu empfangen. Wenn die Bauern dann übernächstes Jahr eine Rekordernte einfahren und sehr gut verdienen werden sie freiwillig höhere Steuern zahlen als nötig. Ganz bestimmt.
soisses1 01.08.2018
4. Es
ist ja schon tragisch genug, wenn kein Regen fällt, aber die inhaltliche Aussage, dass die Bauern ein Teil des Problems sind, die kann nur in einem klimatisierten Büro ausgebrütet worden sein. Ökologischere Landwirtschaft wegen mir, aber wenn es nicht regnet, wächst auch die nicht. Sollen die Landwirte dann unter Anleitung der Experten aus Berlin Regentänze aufführen oder Tieropfer bringen?
Don_Draper 01.08.2018
5. Und die Gewinner des Wetters?
Es gibt doch nie eine Wetterlage, die allen Bauern gerecht wird. Die Obstbauern und Weinbauern werden z.B. bessere Ernten als die Jahre vorher einfahren. Es ist vollkommen richtig, was der Bundesrechnungshof sagt, erstmal den Erntebericht abwarten und wenn 30% Ernteausfälle entstanden sind, dann gibt es Unterstützung. Bei aller Schwere der Arbeit, ich habe noch nie einen Bauern kennengelernt, der nicht was zu jammern hätte.
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