Düsseldorf Paul Spiegel ist tot

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland ist tot. Paul Spiegel starb nach langer, schwerer Krankheit am frühen Morgen in Düsseldorf. Er wurde 68 Jahre alt.


Düsseldorf - Spiegel hatte am 9. Januar 2000 die Nachfolge von Ignatz Bubis als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland angetreten. Seit 1993 hatte er bereits das Amt des Vizepräsidenten innegehabt. Die Beerdigung soll nach Angaben eines Zentralratssprechers in den kommenden Tagen stattfinden. Gegen Ende der Woche sei außerdem eine Trauerfeier in Düsseldorf geplant. Die Aufgaben Spiegels werden von seinen Stellvertretern Charlotte Knobloch und Salomon Korn übernommen, die dies bereits während seiner Krankheit getan hatten.

Paul Spiegel
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Paul Spiegel

Anfang Februar hatte er einen Herzinfarkt erlitten und sich zudem eine Lungenentzündung zugezogen. Die Ärzte hatten ihn darauf in ein künstliches Koma versetzt. Mitte April hatte es zunächst geheißen, Spiegel sei wieder auf dem Weg der Besserung.

Bereits kurz nach seiner Amtseinführung warnte Spiegel vor Gleichgültigkeit und stummer Zustimmung, um rechtsextreme Gewalttaten in Deutschland einzudämmen. Im September 2000 sagte er, er wolle sich nicht nur für Juden, sondern auch für Flüchtlinge, Aussiedler und andere benachteiligte Minderheiten einsetzen.

Spiegel wurde im münsterländischen Warendorf geboren und wuchs in einem traditionell religiösen und bürgerlichen Elternhaus auf. Er ging in Warendorf zur Schule und wechselte nach dem Abitur zur "Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung", wo er das journalistische Handwerk erlernte.

Den Holocaust überlebte der spätere Unternehmer bei katholischen Bauern in Belgien; seine Schwester Rosa wurde als Elfjährige in das Konzentrationslager Auschwitz verschleppt und 1942 ermordet.

Seit 1964 war Spiegel mit seiner Frau Giselle verheiratet. Das Ehepaar hat zwei gemeinsame Töchter.

ffr/AFP/dpa



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