"Dummer, frecher, alter Mann" Betrunkener pöbelt Beck an - SPD-Chef giftet zurück

Irgendwann reichte es Kurt Beck - und er giftete zurück: Ein Betrunkener hat den SPD-Chef beim Starkbieranstich am Münchner Nockherberg beschimpft. Beck reagierte mit scharfen Worten: "Sie sind ein ungehöriger, dummer, frecher alter Mann", sagte der Sozialdemokrat und ging weg.


München - Vielleicht war es wie ein Déjà-vu-Erlebnis für Kurt Beck: Ein provokativer verbaler Angriff bei einem öffentlichen Auftritt. So war es schon einmal, im Dezember 2006 auf einem Weihnachtsmarkt in Wiesbaden - und so war es auch heute. Beim Starkbieranstich am Münchner Nockherberg ist Beck mit einem Betrunkenen aneinander geraten.

Der ältere Mann beschimpfte den Politiker im Anschluss an das traditionelle Politiker-Derblecken und sagte, so einen wie Beck wolle man nicht in Bayern. Außerdem solle sich jemand, der in der Öffentlichkeit stehe, wenigstens rasieren. Nach mehreren "Pfui"-Rufen des Mannes hatte Beck dann genug und giftete zurück: "Sie sind ein ungehöriger, dummer, frecher alter Mann", sagte er und wandte sich ab.

Auf dem Weihnachtsmarkt im Dezember 2006 hatte der damals arbeitslose Baufacharbeiter Henrico Frank Beck wegen der Hartz-IV-Gesetze beschimpft. Daraufhin entgegnete Beck, Frank sehe nicht so aus, als ob er in seinem Leben schon viel gearbeitet habe - und gab dem Mann selbst noch einen guten Rat zur Haarpflege: "Wenn Sie sich waschen und rasieren, haben Sie in drei Wochen einen Job".

Frank lehnte mehrere ihm angebotene Jobs ab und arbeitet inzwischen als Hilfsredakteur bei einem Frankfurter Musiksender.

Auch sonst ging es auf dem Nockherberg deftig zu: Beim traditionellen Starkbieranstich haben Spitzenpolitiker heute wieder reichlich Spott ertragen müssen. Dabei trat erstmals der Schauspieler Michael Lerchenberg in der Rolle des Fastenpredigers "Bruder Barnabas" auf. Er ging in seiner Rede auf die Kritik am bayerischen Finanzminister Erwin Huber im Zusammenhang mit den Belastungen der Bayerischen Landesbank (BayernLB) ein und rief ihm zu: "Sie können mindestens so gut Rechnen wie Hochdeutsch." Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) könne aber schlecht seinen eigenen Parteivorsitzenden rausschmeißen.

Lerchenberg attackierte auch die SPD. So warf er Kurt Beck vor, in Berlin ein bisschen "patschert" seine Pirouetten zu drehen. Dabei hoffe Beck, dass es Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als der "Berliner Primaballerina" beim Spagat von links nach rechts in der Mitte zerreiße. Neben der Tanzfläche sitze FDP-Chef Guido Westerwelle, der "auf die Damenwahl" warte.

Der Auftritt Lerchenbergs wurde von vielen Politikern kritisiert: "Ich habe noch nie etwas so Niveauloses auf dem Nockherberg erlebt wie dieses Jahr, das waren persönliche Beleidigungen unter Niveau. Man sehnt sich nach Django Asül, der dagegen ein feinsinniger Philosoph war. Heute ist der menschliche Anstand hier in unwürdiger Weise verletzt worden", sagte der Münchner CSU-Stadtrat Helmut Pfundstein. Manche Passagen seien "schon arg hart" gewesen, sagte Ludwig Stiegler, stellvertretender Chef der SPD-Bundestagsfraktion.

Empört äußerte sich auch Bayerns Landtagspräsident Alois Glück: "Da waren Passagen dabei, die ich nicht akzeptieren kann. Das waren Holzhammer-Methoden. Das hat mit Stil nichts zu tun."

Bei der "Salvatorprobe" wird alljährlich die Politprominenz aus Bayern und dem Bund veralbert. Dieses sogenannte Derblecken der "Großkopferten" auf dem Nockherberg gibt es bereits seit 1891. Zur Tradition gehört, dass die Verspotteten mit demonstrativem Humor auf die Attacken reagieren.

Unter den Gästen waren neben Beckstein, Huber, Beck und Westerwelle auch die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sowie Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU). Anwesend waren zudem der bayerische CSU-Fraktionsvorsitzende Georg Schmid, Bayerns SPD-Fraktionschef Franz Maget und Landtagspräsident Alois Glück (CSU). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war dagegen erneut nicht dabei. Die Münchner Salvatorprobe gilt auch als offizieller Start in Bayerns "Fünfte Jahreszeit" - die Starkbierzeit.

hen/sef/AP/ddp



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