Durchsuchung bei Ex-Pressesprecher: Wulffs Gefährten im Visier

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Gerade schien die Kreditaffäre des Bundespräsidenten aus den Schlagzeilen zu verschwinden - doch die Razzia bei zwei alten Weggefährten birgt neue Brisanz. Was wusste Christian Wulff von den Beziehungen zwischen einem Eventmanager und seinem Ex-Sprecher Glaeseker?

Berlin - In der Nacht nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten stieg Christian Wulff hoch über dem Pariser Platz auf einen Tisch und hielt eine launige Rede. Die exklusive Feier an einem der schönsten Orte der Hauptstadt hatte der Eventmanager Manfred Schmidt organisiert, bis 2 Uhr morgens war eine gesellige Runde von 40 Freunden zusammen. Es wurden Fotos gemacht, eines davon zeigte am nächsten Tag die "Bild"-Zeitung: Das strahlende Präsidentenehepaar, hinter ihm das Brandenburger Tor.

Eineinhalb Jahre später, nach der Kreditaffäre um sein Privathaus, ist nicht nur das einstige Vertrauensverhältnis Wulffs zur "Bild"-Zeitung zerstört. Manfred Schmidt, der im Sommer 2010 in Berlin das Fest mit dem Blick auf das deutsche Wahrzeichen ausrichtete, ist ins Visier staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen geraten. Und mit ihm ein enger Weggefährte des Präsidenten - sein ehemaliger Sprecher Olaf Glaeseker.

Am Donnerstag durchsuchten Polizeibeamte das private Wohnhaus Glaesekers in Wunstorf, zudem Privat- und Geschäftsräume des Eventmanagers Schmidt in der Schweiz und in Berlin. Dabei seien unter anderem Schriftstücke und Computerdateien gesichert worden, die jetzt ausgewertet würden, so die Staatsanwaltschaft Hannover. Gesucht worden sei nach Aufzeichnungen über den "Nord-Süd-Dialog", über Urlaubsaufenthalte sowie die "beruflichen und privaten Verbindungen der Beschuldigten miteinander".

Es ist ein schwerer Rückschlag für Wulff. Dabei schien sich seine Kreditaffäre etwas beruhigt zu haben. Erst am Vortag hatte Wulffs Anwalt nach vielem Hin- und Her die schriftlichen Fragen der Journalisten ins Internet gestellt. Die neuen Erkenntnisse daraus waren eher mager. Nun aber gerät Wulffs nahes Umfeld in die Schlagzeilen. Und damit auch wieder indirekt der Amtsinhaber. Denn bis heute kursieren Mutmaßungen über das Beziehungsgeflecht zwischen Schmidt und Glaeseker - und es stellt sich die Frage, was Wulff davon wusste. Es geht um Flugreisen, um Aufenthalte im Süden Europas. Einer der Vorwürfe: Glaeseker soll als Regierungssprecher Niedersachsens dreimal mit seiner Ehefrau kostenlos in Schmidts Immobilien in Spanien und Frankreich Urlaub gemacht haben.

Der Eventmanager

Manfred Schmidt ist eine schillernde Figur. Mit exklusiven Partys verdient der Mann, der heute schwer erkrankt ist, seit Jahrzehnten sein Geld. Das Konzept: Die Sponsoren zahlen, Schmidt liefert die Gäste. Der glatzköpfige Mann mit der markanten Brille bringt die Mächtigen des Landes oder jene, die es gerne wären, zusammen - Politiker, Wirtschaftsgrößen, Promis. Rund 20.000 Premium-Kontakte sollen in seiner Datenbank gespeichert sein. Das gibt schöne Bilder und vielleicht auch gute Geschäfte. "Hochkarätige VIP Networkingevents" verspricht er auf seiner Homepage, der SPIEGEL nannte ihn den "After-Work-Impresario der Berliner Republik", einen "Menschenversammler" die Zeitschrift "Capital", der "Stern" schrieb vom "Strippenzieher der Elite".

Glaeseker wiederum kannte Schmidt. Doch wie nah stand er ihm? Schon der Abgang von Wulffs engstem Vertrauten hatte viele Fragen dieser Beziehung aufgeworfen. Völlig überraschend hatte Glaeseker zwei Tage vor Weihnachten um seinen Rücktritt gebeten. Es gibt bis heute keine offizielle Begründung vom Bundespräsidialamt. Doch schon damals hieß es in gut informierten Kreisen in Berlin, Glaeseker habe nicht mehr weitermachen wollen, weil sich die medialen Nachforschungen der Kreditaffäre mittlerweile auch auf sein Privatleben erstreckt hätten. Vor allem auf sein Verhältnis zu Schmidt. Neben dem "Stern" hatte der SPIEGEL konkrete Fragen an Glaeseker zu Flügen und Urlauben übermittelt - die dieser unbeantwortet ließ. Die letzte E-Mail des SPIEGEL erfolgte am 21. Dezember - einen Tag darauf räumte Glaeseker seinen Posten. Auch an Manfred Schmidt gingen Fragen - ergebnislos.

Was tat Glaeseker für Schmidt?

Schon kurz nach Glaesekers Abgang wurde von einem "Bauernopfer" - so die "Berliner Zeitung" - gemunkelt. Sollte Glaesekers Ausscheiden den Druck von Wulff nehmen? Der Bundespräsident und der frühere Journalist kennen sich seit über einem Jahrzehnt, sie hatten ein enges Vertrauensverhältnis, schienen ein unzertrennliches Gespann, tauschten sich eng aus. Glaeseker wechselte in die Staatskanzlei in Hannover, als Wulff Ministerpräsident wurde. Und von dort aus soll er bei Veranstaltungen von Manfred Schmidt mitgeholfen haben, vor allem bei dem zwischen 2007 und 2009 laufenden "Nord-Süd-Dialog" der beiden Bundesländer Niedersachsen und Baden-Württemberg.

Die Veranstaltungsreihe legte Schmidt erstmals in Hannover auf. Wulff und sein damaliger Amtskollege Günther Oettinger aus Baden-Württemberg wurden die Schirmherren. 2008 feierte die beiden Christdemokraten schließlich in Stuttgart, ein Jahr später wieder in der niedersächsischen Landeshauptstadt.

Eine der Fragen, die seitdem im Raume stehen: Half Glaeseker, als Regierungssprecher, aus der Staatskanzlei heraus dem Eventmanager Schmidt beim Einwerben privater Sponsoren? Und durfte er mit seiner Frau - als Gegenleistung - in dieser Zeit in Immobilien Schmidts in Spanien und Frankreich kostenlos Urlaub machen? Allein mit dem letzten "Nord-Süd-Dialog" im Dezember 2009 soll Schmidt nach Recherchen des SPIEGEL mehrere hunderttausend Euro verdient haben, die Sponsoren für die Veranstaltung bereitgestellt hatten. Am Einwerben dieser Sponsorengelder soll die Staatskanzlei in Hannover beteiligt gewesen sein - was Wulff allerdings bestreitet.

Allerdings: Die "Zeit" berichtet diese Woche, einige der ehemaligen Sponsoren würden eine andere Geschichte erzählen. Beim TUI-Konzern hieß es, man sei von der Staatskanzlei Hannover auf die Veranstaltungsreihe hingewiesen worden. Auch der Versicherer Talanx bestätigt demnach, von Christian Wulff auf den Nord-Süd-Dialog aufmerksam gemacht worden zu sein. Der "Zeit" bestätigte Talanx, Informationen per E-Mail erhalten zu haben. Und zwar von Wulffs Sprecher Glaeseker.

Nun erklärte die Staatsanwaltschaft, aufgrund von Medienberichten und Ermittlungen bestehe der Verdacht, dass Glaeseker in den Jahren 2007 bis 2009 die Durchführung und Finanzierung des von Schmidt organisierten Nord-Süd-Dialogs "gefällig gefördert" habe. Als Gegenleistung habe Glaeseker mehrfach unentgeltlich Urlaube in Ferienhäusern von Schmidt gemacht.

Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel spricht davon, dass seine Behörde inzwischen von einem "qualifizierten Anfangsverdacht" gegen Glaeseker ausgehe. "Das ist ein bisschen mehr als nur ein Anfangsverdacht", erklärte er.

Mit dapd

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1. Die Bobby-Car-Affaire
Palmstroem 19.01.2012
Zitat von sysopGerade schien die Kreditaffäre*des Bundespräsidenten aus den Schlagzeilen zu verschwinden - doch die Razzia bei zwei alten Weggefährten birgt neue Brisanz. Was wusste Christian Wulff von den Beziehungen zwischen*einem Eventmanager und seinem Ex-Sprecher Glaeseker? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,810201,00.html
Ich würde sagen - den Bundespräsidenten fragen! Ob nun eine Frage mehr oder weniger spielt bei 500 Fragen auch keine Rolle mehr! Vermutlich wurde die Frage aber ohnehin schon gestellt! Was den Wutbürger aber wirklich interessiert ist die Frage, ob auf "gefällig gefördert" nicht die Todesstrafe steht!
2. Wulffusconi
flaschengaist 19.01.2012
wow, scheinbar schafft man es nur noch so an die politikspitze...
3. Denk ich an Deutschland in der Nacht,...............
HeinzMaulraff 19.01.2012
Zitat von sysopGerade schien die Kreditaffäre*des Bundespräsidenten aus den Schlagzeilen zu verschwinden - doch die Razzia bei zwei alten Weggefährten birgt neue Brisanz. Was wusste Christian Wulff von den Beziehungen zwischen*einem Eventmanager und seinem Ex-Sprecher Glaeseker? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,810201,00.html
Wirklich keine echte Überraschung, nachdem er so fristlos abserviert wurde und quasi untergetaucht war. Hoffentlich hat er noch genügend Beweismittel zusammen mit seinen Kumpanen vernichten können. Einer, der so dem Großen Wulff vorausgeeilt ist, wieso sollte der eigentlich keinen Dreck am Stecken haben. Es wird Zeit, dass die Story mal ins Kino kommt. Wulfsgehege - Freakileaks (http://freakileaks.jimdo.com/wulfsgehege/)
4. Staatsanwaltschaft stellt
...und gut ist`s 19.01.2012
Zitat von sysopGerade schien die Kreditaffäre*des Bundespräsidenten aus den Schlagzeilen zu verschwinden - doch die Razzia bei zwei alten Weggefährten birgt neue Brisanz. Was wusste Christian Wulff von den Beziehungen zwischen*einem Eventmanager und seinem Ex-Sprecher Glaeseker? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,810201,00.html
ihre eigene Nowendigkeit zur Schau! Wenn man als weisunggebundene Behörde und aus Angst vor Karrierenachteilen keine Anklagen gegen Spitzenpolitiker durchsetzen will, dann kann man ja mal in der zweiten Reihe den dicken Max machen und dort seine Fähigkeiten öffentlichwirksam unter Beweis stellen. Gut gemacht Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel - solche Männer braucht das Land.
5. ...dann was?
panzerknacker51, 19.01.2012
Zitat von HeinzMaulraffWirklich keine echte Überraschung, nachdem er so fristlos abserviert wurde und quasi untergetaucht war. Hoffentlich hat er noch genügend Beweismittel zusammen mit seinen Kumpanen vernichten können. Einer, der so dem Großen Wulff vorausgeeilt ist, wieso sollte der eigentlich keinen Dreck am Stecken haben. Es wird Zeit, dass die Story mal ins Kino kommt. Wulfsgehege - Freakileaks (http://freakileaks.jimdo.com/wulfsgehege/)
Was passiert denn, wenn Sie an Deutschland denken? Wenn Sie Heinrich Heines "Nachtgedanken" gelesen haben, wüßten Sie, daß seine Gedanken positiv-schwärmerisch waren, und das kann wohl in diesem Zusammenhang nicht Ihr Ernst sein...
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