E-Mail-Panne im Bundestag Wie ein Abgeordneter Freunde finden wollte

Die Facebook-Seite des SPD-Abgeordneten Mützenich könnte mehr Fans vertragen, dachten sich seine Mitarbeiter. Per Rundmail baten sie im Bundestag um "Likes" - allerdings ging der Aufruf auch an die politische Konkurrenz. Die reagierte mit bissigen Kommentaren.

Screenshot von Facebook-Seite: "Bitte das Versehen entschuldigen"

Screenshot von Facebook-Seite: "Bitte das Versehen entschuldigen"


Berlin - Es ist Sommerpause, die Abgeordneten sind im Urlaub oder stromern durch ihre Wahlkreise, die Büros im Bundestag sind verwaist. Einige Mitarbeiter im Parlament halten die Stellung und bereiten die Wahlkampfphase vor. Dazu gehört, die Social-Media-Auftritte von Abgeordneten zu pflegen.

Das kann allerdings auch schiefgehen - wie eine E-Mail-Panne des SPD-Abgeordneten Rolf Mützenich zeigt. Der Experte für Außenpolitik in seiner Fraktion landete am Donnerstag unfreiwillig in der Verteiler-Falle - was im Bundestag kurzzeitig für kollektive Erheiterung sorgte. Um 12.28 Uhr wurde aus Mützenichs Büro eine Mail mit folgendem Wortlaut verschickt:

Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch wir würden uns über ein "Gefällt mir" auf unserer Facebook-Seite freuen.

https://www.facebook.com/Rolf.Muetzenich

Vielen Dank! Mit besten Grüßen Rolf Mützenich

Mützenichs offizielle Facebook-Seite hat 500 Fans, in der Vergangenheit war der Politiker dort wenig aktiv. Nun wollte man seinen Empfängerkreis etwas erweitern. Das ist nicht ungewöhnlich. Man kennt das von Facebook-Nutzern, die eine neue Band oder ein Projekt bewerben.

Allerdings ging der Aufruf nicht nur an die SPD-Mitarbeiter im Bundestag - sondern an sämtliche Mitarbeiter von allen Parlamentariern. Insgesamt 4000 Adressen sind dort gelistet, quer durch alle Fraktionen.

"Von mir leider kein like"

Die politische Konkurrenz hat freilich kein Interesse daran, einen SPD-Mann im Internet zu unterstützen. Und so wurde genüsslich über den unbedachten Klick gelästert. Ein FDP-Mitarbeiter mailte umgehend, für alle sichtbar, zurück: "Dislike. BOOOOOM".

Ein anderer merkte an: "Lustig ist, dass sich die SPD momentan für einen verstärkten Datenschutz einsetzt, aber dann für die Werbung eines Facebook-Accounts eines einzelnen MDBs den E-Mail-Verteiler "an alle MDB-Mitarbeiter" gebraucht. Sehr glaubwürdig ;)" (MdB steht für Mitglied des Deutschen Bundestages, Anm. d. Red.)

Weiteres Gespött folgte: "Hahaha, da wollen se sich es aber leicht machen. Von mir leider kein like :-)", schrieb ein anderer, weitere Mitarbeiter gaben Mützenich einen Korb. Die Antworten wurden immer wieder über den Großverteiler geschickt, so dass jeder die Konversation verfolgen konnte. "Verzweiflungsakt?", kommentierte ein FDP-Angestellter trocken.

Schnell wurden genervte Stimmen laut: "Das muss ja jetzt nicht immer an alle gehen...", schrieb eine Mitarbeiterin. Wohlgemerkt wieder an alle.

Nach gut einer Stunde wurde die Spottrunde beendet. Die Kollegen erreichte eine zweite Mail aus dem Hause Mützenich:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich bitte das Versehen zu entschuldigen. Die Mail sollte selbstverständlich nur an alle SPD-Mitarbeiter gehen!

Übrigens: Die Facebook-Aktion fruchtete nicht, bislang ist keine nennenswerte Anzahl von Likes für Mützenich hinzugekommen. Immerhin wurde nicht der zentrale Mailserver beeinträchtigt - wie es im vergangenen Jahr passierte, als eine Spamwelle die Arbeit im Bundestag lahmlegte.

amz



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insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
fred_krug 01.08.2013
1. Und das ...
... alles mit Steuergeldern. Ich kriege das große Kotzen!
danyffm 01.08.2013
2. Kostenloser Tipp:
Anstatt Rundmail durch ganze Haus es mal mit einer "like-Briefmarke" die kostenlos an das Wahlvieh verteilt wird probieren oder als Klopapier-Druck für alle öffentlichen Toiletten. Der Mann muss es nötig haben... :-D
Mach999 01.08.2013
3.
Zitat von fred_krug... alles mit Steuergeldern. Ich kriege das große Kotzen!
Nennen Sie mir Ihre Kontonummer. Ich überweise Ihnen die 0,0003€, die Sie das persönlich gekostet hat.
proratio 01.08.2013
4. Kotzen einstellen
@fred_krug - Klären Sie uns auf: welche Kosten sind da entstanden? Statt Kotzen wäre manchmal Lachen angebracht, einfach mal aus dem Keller hoch kommen!
Barbara52 01.08.2013
5.
Zitat von sysopDie Facebook-Seite des SPD-Abgeordneten Mützenich könnte mehr Fans vertragen, dachten sich seine Mitarbeiter. Per Rundmail baten sie im Bundestag um "Likes" - allerdings ging der Aufruf auch an die politische Konkurrenz. Die reagierte mit bissigen Kommentaren. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/e-mail-panne-ein-abgeordneter-will-mehr-facebook-freunde-a-914351.html
Bei FB sind es "nur" Likes, bei einer Wahl sind wir die Dummen ...
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