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E10-Chaos: Trittin beschimpft Röttgen als Totalausfall

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Vom Hoffnungsträger zum Problemminister: Das E10-Chaos bringt Umweltminister Röttgen in Erklärungsnot. Für die Opposition ist der Unionsmann schon jetzt schwer angeschlagen. Im Interview nennt Grünen-Fraktionschef Trittin ihn ungeeignet für das Amt - und warnt vor weiteren Zugeständnissen an die Industrie.

DPA

Berlin - Es sind scharfe Angriffe vom Vor-Vorgänger: Jürgen Trittin, Fraktionschef der Grünen im Bundestag und ehemals Umweltminister unter Rot-Grün, geht wegen der Probleme beim Biosprit E10 hart mit Norbert Röttgen ins Gericht. Trittin sagte im Interview mit SPIEGEL ONLINE: "Obwohl Klimaschutz zu Norbert Röttgens Kernaufgaben gehört, ist er im Konflikt um E10 ein Totalausfall." Das Problem in der aktuellen Situation aus Sicht Trittins ist folgendes: "Wir haben keinen Umweltminister."

CDU-Mann Röttgen sei "komplett abgetaucht und spielt keine Rolle", sagt der Grünen-Fraktionschef. Dass der Benzin-Gipfel auf Initiative von Wirtschaftsminister Brüderle stattfinde, sei ein klares Zeichen. "Ein Minister, der sich so etwas wegnehmen lässt, hat innerlich schon abgedankt", sagt Trittin. "Offensichtlich ist Herrn Röttgen der Landesvorsitz der CDU in Nordrhein-Westfalen wichtiger als seine Amtspflichten."

Trittins zentraler Vorwurf an Röttgen: "Wenn ich als Umweltminister weiß, dass so ein technischer Wandel bevorsteht, dann muss ich doch der Industrie am Hosenboden hängen und sie treiben - damit sie ihren Teil des Deals einhält, also beispielsweise für eine Information der Verbraucher zu sorgen. Das Gegenteil war der Fall."

Der Grünen-Fraktionschef warnte die Bundesregierung vor dem E10-Gipfel vor weiteren Zugeständnissen an die Industrie. Trittin weiter: "Stattdessen müsste man als Bundesregierung sagen: Wenn Ihr die CO2-Einsparungen nicht mit E10 erreicht, dann tut es anders, also runter mit den Verbrauchsobergrenzen."

Lesen Sie Trittins Aussagen zur E10-Misere im kompletten Interview mit SPIEGEL ONLINE, seine Meinung zur Libyen-Krise - und warum er die Grünen nicht im Sinkflug sieht.

SPIEGEL ONLINE: Herr Trittin, Deutschland befindet sich im Biosprit-Chaos - was ist da schiefgelaufen?

Jürgen Trittin: Dafür gibt es mehrere Gründe. Der wichtigste: Wir haben keinen Umweltminister.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

Trittin: Obwohl Klimaschutz zu Norbert Röttgens Kernaufgaben gehört, ist er im Konflikt um E10 ein Totalausfall. Er ist komplett abgetaucht und spielt keine Rolle. Außerdem hat sich die Bundeskanzlerin auf einen faulen Deal mit der Industrie eingelassen: Um den Autobauern gesetzliche Vorgaben für sparsamere Motoren zu ersparen, hat sie in Brüssel durchgesetzt, dass der Einsatz von Biosprit auf die CO2-Grenzwerte angerechnet werden kann. Mit diesem Rabatt verschaffte sie den Herstellern Luft, sie konnten sich für die Entwicklung sparsamer Fahrzeuge mehr Zeit lassen. Den Deal hat die Industrie natürlich gerne gemacht. Aber jetzt, wo der Sprit eingeführt wird, will sie nichts mehr davon wissen.

SPIEGEL ONLINE: Wo hakt es?

Trittin: Schauen Sie sich doch die die katastrophale Informationspolitik an: Bundesregierung, Autoindustrie und Verbände sind gemeinsam schuld daran, dass die Verbraucher verunsichert sind. Der deutsche Autofahrer steht plötzlich mit Schaudern vor der Zapfsäule mit E10 - und weiß nicht einmal, dass die Autofahrer in Brasilien seit Jahren mit 25 Prozent Ethanol fahren. Und klare und einfache Informationen, welche Autos in Deutschland Biosprit nicht vertragen - auch wenn das nur ein sehr kleiner Anteil ist -, gibt es auch nicht.

SPIEGEL ONLINE: Was hätte der Umweltminister Ihrer Ansicht nach tun sollen?

Trittin: Wenn ich als Umweltminister weiß, dass so ein technischer Wandel bevorsteht, dann muss ich doch der Industrie am Hosenboden hängen und sie treiben - damit sie ihren Teil des Deals einhält, also beispielsweise für eine Information der Verbraucher zu sorgen. Das Gegenteil war der Fall. Damit ist auch Röttgens klimapolitischer Ansatz desavouiert, aber an dem hat er offensichtlich ohnehin kein Interesse. Stattdessen kommt nun der fixe Wirtschaftsminister Brüderle und zieht eine große Show ab - und will die Industrie von den Strafzahlungen für ihr Versagen beim Klimaschutz entlasten.

SPIEGEL ONLINE: Was ist falsch an dem E10-Gipfel?

Trittin: Normalerweise macht so etwas das zuständige Ministerium. Ansonsten wird es danach bestenfalls heißen: Gut, dass wir mal drüber gesprochen haben.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie wissen doch aus eigener Erfahrung, dass die Zuständigkeiten zwischen diesen beiden Häusern mitunter schwer abzugrenzen sind.

Trittin: In diesem Fall ist sie allerdings eindeutig. Und ein Minister, der sich so etwas wegnehmen lässt, hat innerlich schon abgedankt. Offensichtlich ist Herrn Röttgen der Landesvorsitz der CDU in Nordrhein-Westfalen wichtiger als seine Amtspflichten. Aber dass sich Röttgen gegenüber dem Wirtschaftsminister nicht durchsetzen kann, hat man ja schon bei der Verlängerung der AKW-Laufzeiten erlebt.

SPIEGEL ONLINE: Was kann der Brüderle-Gipfel erreichen?

Trittin: Ich bin da pessimistisch. Aber was jetzt nicht auch noch passieren darf, obschon es die Industrie ja schon angekündigt hat: Dass die sich da rauskaufen. Stattdessen müsste man als Bundesregierung sagen: Wenn Ihr die CO2-Einsparungen nicht mit E10 erreicht, dann tut es anders, also runter mit den Verbrauchsobergrenzen. Aber das wird diese Koalition nicht tun - leider.

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insgesamt 216 Beiträge
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1. Ich gebe keinen Titel mehr an
GyrosPita 08.03.2011
Ah, der nächste auf den Trittin sich einschießt. Guttenberg ist weg, jetzt muß Röttgen herhalten. Wer befreit uns endlich von ekelerregenden Gestalten wie Trittin?
2. Trittin ...
mexi42 08.03.2011
war mindestens genau so ungeeignet für das Amt. Er sollte diesbezüglich keinen Kommentar abgeben.
3. Hier könnte ein Titel stehen
shokaku 08.03.2011
Zitat von sysopVom Hoffnungsträger zum Problemminister: Das E10-Chaos*bringt Umweltminister Röttgen in Erklärungsnot. Für die Opposition ist der Unionsmann schon jetzt schwer angeschlagen. Im Interview*nennt Grünen-Fraktionschef Trittin*ihn ungeeignet für das Amt*- und warnt vor weiteren Zugeständnissen an die Industrie. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,749551,00.html
Eine Entwicklung, die bald als Guttenbergisierung in der Umgangssprache bezeichnet werden könnte. Selten hat Trittin recht, hier allerdings schon. Röttgen verkörpert sehr schön, was momentan wirklich falsch läuft. In seinem Ministerposten im Grunde genommen nicht relevant, hat er sich doch über die Parteischiene schon seine Zukunft gesichert.
4. Ein Witz!
Nick Klinkau 08.03.2011
Meckern kann der Mann ja, selbst etwas produktives beitragen aber leider nicht. Aber was will man von den Grünen auch erwarten? Sie sind eine Dagegen-Partei geworden und da passt das alles ins Bild!
5. "E10-Ära"
Michael Giertz, 08.03.2011
Zitat von sysopVom Hoffnungsträger zum Problemminister: Das E10-Chaos*bringt Umweltminister Röttgen in Erklärungsnot. Für die Opposition ist der Unionsmann schon jetzt schwer angeschlagen. Im Interview*nennt Grünen-Fraktionschef Trittin*ihn ungeeignet für das Amt*- und warnt vor weiteren Zugeständnissen an die Industrie. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,749551,00.html
Die ganze E10-Kampagne ist doch ein einziges Zugeständnis an die Industrie: ich möchte nicht wissen, wieviele Autobauer sich die Hände reiben, weil sie nun Motoren bauen können, die den E10-Sprit WIRKLICH schadlos vertragen - und sich richtig teuer verkaufen lassen. Die Öl-Industrie wiederum reibt sich die Hände, weil die Deutschen den gepanschten Sprit nicht tanken wollen (aus Angst um ihr Auto) und lieber zum (auf den ersten Blick) teureren Super-Plus-Sprit greifen. Und last but not least machen Bauern ihren Schnitt, weil sie mit einem Hektar Raps vermutlich mehr Einkommen erzielen als mit einem Hektar Weizen ... Besser wär's "ohne" E10 - und ein Einsehen, dass es nunmal keinen Umweltschutz mit Verbrennungsmotoren gibt. Ziel sollte vielmehr sein, den Individualverkehr zu reduzieren, in dem vor allen Dingen der Pendler- und Transportverkehr reduziert wird. Letztendlich landet also der "schwarze Peter" bei der Industrie.
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Alle Informationen zum neuen E10-Benzin
Was ist E10 und warum wird es eingeführt?
Das "E" steht für Ethanol, die "10" für den künftig zehnprozentigen Anteil von Bioethanol im Benzin. Mit Erhöhung der Beimischung von fünf auf zehn Prozent setzt die Bundesregierung EU-Vorgaben um. Hintergrund ist das Ziel, den CO2-Ausstoß von Autos zu senken.
Das neue, E10 genannte Benzin vertragen allerdings nicht alle Autos.
Fahrer sollten sich also informieren, ob ihr Wagen betroffen ist.
Warum kann E10 für ein Auto gefährlich sein?
Laut ADAC kann E10 aggressiv mit Metall- und Kunststoffteilen reagieren. Im schlimmsten Fall sind auch Motorschäden denkbar. Der Alkohol kann Aluminium zersetzen, das auch in Motoren oder in Benzinpumpen verwendet wird. Daneben kann E10 den Kunststoff von Kraftstoffschläuchen oder Dichtungen angreifen. Werden Leitungen löchrig, kann sich Benzin an heißen Motorbauteilen entzünden.
Welche Autos vertragen E10 - und welche nicht?
Laut Bundesumweltministerium (BMU) können 90 Prozent der Autos mit Benzinmotor "ohne Einschränkungen" E10 tanken. Über vier Millionen der in Deutschland zugelassenen Autos vertragen den Sprit demnach nicht. Informationen zur Verträglichkeit geben Händler und Hersteller. Aus dem Alter eines Autos lässt sich dies nicht ableiten, teils ist E10 auch für neuere Modelle ungeeignet. Eine Liste mit Autos, die den neuen Sprit nicht tanken sollten, hat die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Informationen gibt es auch beim ADAC.
Was tanken künftig Autos, die kein E10 vertragen?
Für die gibt es an allen Tankstellen auch weiter E5 mit fünf Prozent Bioethanol - laut BMU "zeitlich unbefristet". E10 selbst wird künftig als "Super E10" an den Zapfsäulen gekennzeichnet sein, E5 wie bisher als "Super".
Wie viel kostet E10?
Das BMU schließt nicht aus, dass Benzin durch die Einführung von E10 teurer wird. Auf die Ölkonzerne kämen zusätzliche Kosten etwa für die Herstellung von Ethanol zu. Zudem steigt demnach auch der Benzinverbrauch durch E10 um knapp zwei Prozent wegen des geringeren Energiegehalts von Alkohol im Vergleich zu Benzin.
Weitere Informationen im Internet

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Grünen-Parteitag: Hauptsache glaubwürdig
Die Geschichte der Grünen
7. Oktober 1979 - Einzug in die Bremer Bürgerschaft
Ende der siebziger Jahre schließen sich Bürgerinitiativen wie die Anti-Atomkraft-Bewegung und Splitterparteien wie "Grüne Liste Umweltschutz", "Grüne Aktion Zukunft" und die "Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher" zusammen. Bei der Europawahl 1979 tritt das Sammelsurium als "Sonstige politische Vereinigung Die Grünen" erstmals zur Wahl an - und holt mit ihren Spitzenkandidaten Petra Kelly und Herbert Gruhl immerhin 3,2 Prozent der Stimmen. Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen gelingt der Formation am 7. Oktober 1979 mit 5,1 Prozent der Einzug in das erste Länderparlament.
13. Januar 1980 - Gründung der Bundespartei
In Karlsruhe wird am 13. Januar 1980 die neue Bundespartei unter dem Namen "Die Grünen" gegründet. Die erste Bundesversammlung der Partei in Saarbrücken bestimmt das Führungstrio August Haußleiter, Petra Kelly und Norbert Mann als "Parteisprecher". In der Präambel zum ersten Programm heißt es: "Wir sind die Alternative zu den herkömmlichen Parteien. … Wir verstehen uns als Teil der grünen Bewegung in aller Welt." Zentrales Thema der Grünen wird die Umwelt - ein Feld, das die deutsche Politik bislang kaum beachtet hat: "Die in Bonn etablierten Parteien verhalten sich, als sei auf dem endlichen Planeten Erde eine unendliche industrielle Produktionssteigerung möglich. Dadurch führen sie uns nach eigener Aussage vor die ausweglose Entscheidung zwischen Atomstaat oder Atomkrieg, zwischen Harrisburg oder Hiroshima. Die ökologische Weltkrise verschärft sich von Tag zu Tag: Die Rohstoffe verknappen sich, Giftskandal reiht sich an Giftskandal, Tiergattungen werden ausgerottet, Pflanzenarten sterben aus, Flüsse und Weltmeere verwandeln sich in Kloaken, der Mensch droht inmitten einer späten Industrie und Konsumgesellschaft geistig und seelisch zu verkümmern, wir bürden den nachfolgenden Generationen eine unheimliche Erbschaft auf. Die Zerstörung der Lebens- und Arbeitsgrundlagen und der Abbau demokratischer Rechte haben ein so bedrohliches Ausmaß erreicht, dass es einer grundlegenden Alternative für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bedarf."

Unmittelbar nach der Gründung brechen heftige Kämpfe um die grundsätzliche Richtung aus; die Wertkonservativen - wie die Gruppe um den ehemaligen CDU-Abgeordneten und Schriftsteller Herbert Gruhl - ziehen sich zurück.
6. März 1983 - Erfolg bei der Bundestagswahl
Mit 5,6 Prozent der Zweitstimmen und 27 Abgeordneten ziehen die Grünen in den zehnten Bundestag ein; es ist seit Jahrzehnten die erste neue politische Kraft, der das gelingt. Aber der Erfolg führt nicht zu einer Einigung in der Partei, sondern verstärkt die Flügelkämpfe zwischen Fundamentalisten - "Fundis" - und Pragmatikern - "Realos". Permanente Streitpunkte: das Rotationsprinzip für wichtige Funktionen in der Parteiführung, die Trennung von Amt und Mandat - und die Frage, wie weit man mit den etablierten Parteien zusammenarbeiten konnte und wollte. Nach der Hälfte der Legislaturperiode "rotieren" alle Angeordneten - bis auf Petra Kelly und Gert Bastian, die sich weigern, ihren Platz frei zu machen.
16. Oktober 1985 - Rot-grüne Premiere in Hessen
Der Sozialdemokrat Holger Börner gewinnt 1983 die vorgezogenen Landtagswahlen in Hessen, er ist bei der Bildung seiner Regierung aber auf die Tolerierung durch die Grünen angewiesen. Im Oktober 1985 wird diese Zusammenarbeit formalisiert - und die hessischen Grünen unter dem Realo Joschka Fischer werden offizieller Regierungspartner in der ersten rot-grünen Koalition. Bei seiner Vereidigung zum Umweltminister am 12. Dezember erschien Fischer in Jeans und Sportschuhen. Die rot-grüne Koalition zerbrach nur zwei Jahr später am Streit über Genehmigungen für das Hanauer Atomunternehmen Alkem.
25. Januar 1987 - Zwischenhoch der "Fundis"
Bei den Wahlen zum elften Bundestag können die Grünen ihr Ergebnis noch einmal deutlich verbessern: Unter einem von "Fundis" dominierten Vorstand - Jutta Dittfurth, Rainer Trampert und Lukas Beckmann - holen sie 8,3 Prozent der Stimmen und ziehen mit 44 Abgeordneten ins Parlament ein. Das Rotationsprinzip wird reformiert: Die Parlamentarier bleiben jetzt volle vier Jahre - dann wird gewechselt.
2. Dezember 1990 - Rückschlag für die West-Grünen
Auf den Fall der Mauer reagieren die Grünen mit einem Aufruf an die Bundesregierung, die DDR völkerrechtlich anzuerkennen - und sie argumentieren auch in den folgenden Monaten gegen eine "Einverleibung" der DDR und einen "Vollzug der Unterwerfung" oder "Anschluss". In den Bundestagswahlkampf zieht die Partei mit einer trotzigen Verfremdung eines Werbeslogans der Bahn gegen die Einheitseuphorie: "Alle Reden von Deutschland. Wir reden vom Klima". Die Wahl wird zum Debakel für die West-Grünen, sie verpassen die Fünfprozenthürde und damit den Wiedereinzug in den Bundestag. Die "Grüne Partei in der DDR" hingegen verbündet sich mit der Bürgerbewegung "Bündnis 90" und bekommt vom Verfassungsgericht einmalig eine separate Fünfprozentklausel im Osten zugestanden - zusammen schafft man 6,1 Prozent und zieht mit acht Parlamentariern in den Bundestag ein. Im Richtungsstreit, der auf die Auseinandersetzung mit dem Wahldebakel folgt, treten prominente "Fundis" aus der Partei aus - die Parteilinken Jutta Dittfurth, Thomas Ebermann und Rainer Trampert.
14. Mai 1993 - Fusion von Grünen und Bündnis 90
Es ist eine Fusion in drei Etappen: Unmittelbar nach der Bundestagswahl 1990 tun sich Grüne in Ost und West zusammen; dann vereinigen sich Teile der vormaligen DDR-Bürgerbewegungen "Neues Forum", "Initiative Frieden und Menschenrechte" sowie "Demokratie Jetzt" zur Partei "Bündnis 90"; im Mai 1993 schließlich gehen Grüne und Bürgerbewegte in der Formation "Bündnis 90/Die Grünen" zusammen.
27. September 1998 - Rot-Grün regiert Deutschland
So deutlich war die Wechselstimmung noch nie: Erstmals wird bei einer Bundestagwahl eine Regierung komplett abgewählt - CDU und FDP. Die SPD holt mit ihrem Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder 40,9 Prozent der Stimmen, Bündnis 90/Die Grünen erreichen 6,6 Prozent. Das reicht für die erste rot-grüne Koalition im Bund. Im Kabinett sitzen drei grüne Minister: Joschka Fischer wird Außenminister, Andrea Fischer übernimmt das Gesundheitsressort, und Jürgen Trittin tritt als Umweltminister an. Gemeinsam mit der SPD wird der mittelfristige Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen und eine Ökosteuer eingeführt.

Der Nato-Einsatz in Serbien stellt das Bündnis auf eine harte Probe. Beim Sonderparteitag der Grünen im Mai 1999 wird das Spitzenpersonal wüst beschimpft, Joschka Fischer wird von einem Farbbeutel getroffen und am Ohr verletzt. Aber er kämpft für eine Fortsetzung der Luftangriffe gegen Milosevic: "Ich halte zum jetzigen Zeitpunkt eine einseitige Einstellung der Angriffe für das grundfalsche Signal. (...) Ich werde das nicht umsetzen, wenn ihr das beschließt, damit das klar ist!"
22. September 2002 - Wiederwahl mit neuem Programm
Im März 2002 erteilt die Bundesdelegiertenkonferenz in Berlin dem neuen Grundsatzprogramm den Segen. Titel: "Die Zukunft ist grün." Die wesentlichen Unterschiede zum "Saarbrücker Programm" beschreiben die Grünen so: "Inzwischen sind wir nicht mehr Anti-Parteien-Partei, sondern die Alternative im Parteiensystem. Die entscheidende Veränderung war, dass wir uns zu einer Reformpartei entwickeln wollten und mussten, um erfolgreich zu bleiben. Unsere politischen Visionen und Ziele wollen wir heute durch eine langfristig angelegte Reformstrategie erreichen." Die neue Richtung kommt beim Wähler an; bei der Bundestagswahl am 22. September erreichen die Grünen 8,6 Prozent - und gleichen so die starken Verluste der SPD aus. Rot-Grün geht wichtige Reformprojekte an, büßt aber im Bundesrat die Mehrheit ein und hat danach nur noch geringen Gestaltungsspielraum.
18. September 2005 - Ende des rot-grünen Projekts
Mit der vorgezogenen Bundestagswahl verlor die bisherige Regierung ihre Mehrheit - und während sich die SPD in die Große Koalition retten konnte, stürzten die Grünen in die Opposition ab. Der bisherige Vizekanzler und Außenminister Joschka Fischer - heimlicher Herrscher der Partei - kündigte rasch seinen kompletten Rückzug aus der Politik an, während andere rot-grüne Ex-Minister weiter machten. Renate Künast, zuvor zuständig für das Verbraucherschutzministerium, wurde gemeinsam mit Fritz Kuhn neue Fraktionschefin im Bundestag, der bisherige Umweltminister Jürgen Trittin zu einem ihrer Stellvertreter gewählt.
15. September 2007 - Ende des grünen Pragmatismus
Auf dem Bundesparteitag in Göttingen verabschieden sich die Grünen endgültig vom außenpolitischen Pragmatismus der Regierungsjahre. Das klare Nein der Delegierten gegen den kombinierten Antrag des Vorstands, der Verlängerung des Isaf- und des "Tornado"-Mandats in Afghanistan zuzustimmen, ist eine Ohrfeige für Künast, Kuhn und Co. Gleichzeitig genießt die Basis mit dieser Entscheidung, dass sie nach den vielen außenpolitischen Kompromissen der rot-grünen Ära fürs Erste keine Rücksicht mehr nehmen muss.
17. April 2008 - In Hamburg regiert Schwarz-Grün
Es war ein langer Weg der Hamburger Grünen, von den fundamentaloppositionellen Anfangstagen bis ins Frühjahr 2008 - der an einem sonnigen Apriltag mit der Unterzeichnung des bundesweit ersten schwarz-grünen Koalitionsvertrags endete. Dass es selbst mit der verhältnismäßig liberalen Hamburger CDU unter Bürgermeister Ole von Beust nicht leicht für die Grünen wird, zeigt sich bald: Der Bau des von den Grünen bekämpften Kohlekraftwerks in Moorburg lässt sich nicht mehr aufhalten. Inzwischen droht ein weiteres Grünen-Projekt zu scheitern - und damit möglicherweise auch die Koalition: Die Schulpolitik von Bildungssenatorin Christa Goetsch stößt in der Stadt auf heftigen Widerstand. Das längere gemeinsame Lernen aller Kinder wird für Schwarz-Grün in Hamburg zur Bewährungsprobe. Im August 2010 tritt CDU-Bürgermeister Ole von Beust zurück, im November zerbricht die Koalition.
5. November 2009 - Grüne legen ersten Koalitionsvertrag als Jamaika-Partner im Saarland vor
Wochenlang war es hin- und hergegangen, SPD und CDU warben im Saarland um die Gunst der Grünen - am Ende entschied sich die Partei mit ihrem Vorsitzenden Hubert Ulrich für ein Jamaika-Bündnis. Die Koalition mit CDU und FDP ist die erste dieser Art in Deutschland, von Parteilinken im Saarland wie im Rest der Republik wird sie argwöhnisch beobachtet. Rein strategisch ist es aus Grünen-Sicht ein kluger Schachzug, weil die Partei so ihre Machtoptionen verbreitert. Allerdings wäre auch ein rot-rot-grünes Bündnis eine Premiere gewesen.
28. November 2010 - Grüne verlassen Koalition in Hamburg
Nach dem Abgang des Ersten Bürgermeisters Ole von Beust schmeißt auch der Koalitionspartner hin: Am 28. November kündigen die Grünen dem neuen CDU-Bürgermeister Christoph Ahlhaus die Gefolgschaft. Damit ist die erste schwarz-grüne Koalition auf Länderebene vorzeitig gescheitert.
12. Mai 2011 - Kretschmann erster grüner Ministerpräsident
Die baden-württembergische Landtagswahl am 27. März 2011 führt zu einer kleinen politischen Revolution im Ländle - und stellt einen weiteren Meilenstein für die Grünen dar: Spitzenkandidat Winfried Kretschmann holt 24,2 Prozent der Stimmen und kann gemeinsam mit der SPD eine Koalition bilden. Am 12. Mai wird Kretschmann als erster grüner Ministerpräsident im Stuttgarter Landtag vereidigt.
25. Juni 2011 - Grüne stimmen schwarz-gelber Atomwende zu
Dem Bundesparteiag am 25. Juni 2011 gehen wochenlange parteiinterne Debatten voran - doch am Ende ist das Votum klar: Die Delegierten stimmen in Berlin mit großer Mehrheit der schwarz-gelben Atomwende in ihren Grundzügen zu.


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