Gescheiterte Fusion: Seehofer attackiert Berlin wegen geplatzten EADS-Deals
Sorge um die Zukunft von EADS: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat die Regierung scharf dafür kritisiert, dass sie die Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE scheitern ließ. Die Politik habe sich aus dem Geschäft von Unternehmen herauszuhalten, sagte er dem SPIEGEL.
München - Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer greift die Bundesregierung wegen der geplatzten Fusion von EADS und BAE scharf an. "Ich halte das für sehr problematisch. Die Ursachen für das Scheitern liegen in Berlin und gewiss nicht in München", sagte der CSU-Parteivorsitzende dem SPIEGEL. "Ich bin der Meinung, dass sich die Politik aus dem strategischen und operativen Geschäft von Unternehmen herauszuhalten hat."
Er habe darauf vertraut, dass EADS-Chef Thomas Enders im Falle einer Fusion auf die deutschen Standorte achte. In Bayern liegen große Produktionsstätten von EADS, besonders im Rüstungsbereich. "Natürlich habe ich ein großes Interesse am Standort München", sagte Seehofer, "aber dessen Zukunft ist dann am größten, wenn EADS eine gute Zukunft hat. Mich hat Enders' Argument überzeugt, dass der Konzern eine gewisse Größe braucht, um auf dem Weltmarkt zu bestehen."
Seehofer stellt sich damit gegen die Position der Bundesregierung. Deren Kurs war zuvor in der europäischen Presse kritisiert worden, allerdings gab es auch Zustimmung von Kommentatoren aus England und Frankreich. Die Regierung will auch künftig nicht darauf verzichten, politisch Einfluss zu nehmen. Zwar werde man keinen Politiker oder Beamten in den Verwaltungsrat schicken, aber einen Experten, "der Klartext redet", heißt es in der Koalition.
Keine Vorteile für Deutschland?
Die Regierung sah deutsche Fabriken und Arbeitsplätze bei einer Fusion als gefährdet an und ließ die Verhandlungen deshalb platzen. "Unter den von den Unternehmen vorgeschlagenen Konditionen hätte eine Fusion weder den Technologiestandort Deutschland noch das Unternehmen insgesamt nach vorn gebracht", sagte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).
In der "Financial Times" hatte der Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg geschrieben, Deutschland habe mit der Fusion eine "historische Chance" verpasst. Zugleich warf er der Bundesregierung kleinliche Politik vor: Sollte die Fusion tatsächlich wie berichtet etwa von der Forderung nach dem Standort eines künftigen Megakonzerns in München abhängig gemacht worden sein, sei das weder "gutes Geschäftemachen noch kluge Politik".
Diesen Aspekt allerdings wies Seehofer zurück. "Da hat er sich wahrscheinlich nicht richtig informiert", sagte Seehofer dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Die Gründe für das Scheitern lägen nicht in einer etwaigen Auseinandersetzung über den Standort München als möglicher Zentrale.
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sto/dapd
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