Epidemie in Afrika Bundeswehr hilft im Kampf gegen Ebola

Die USA schicken Soldaten nach Westafrika, um die Ebola-Seuche einzudämmen. Nun lässt auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Hilfe der Bundeswehr prüfen. Ein mobiles Krankenhaus soll nach Liberia geschickt werden - allerdings ohne Bundeswehr-Ärzte.

    Ein Ebola-Toter wird in Guinea abtransportiert: Die Seuche ist außer Kontrolle
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Ein Ebola-Toter wird in Guinea abtransportiert: Die Seuche ist außer Kontrolle

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Berlin - Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf hat einen dramatischen Appell direkt an die "liebe Kanzlerin Merkel" gerichtet. Darin bittet sie die Bundesregierung dringend um schnelle Hilfe gegen die sich immer schneller ausbreitende Ebola-Seuche in ihrem Land.

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Heft 38/2014
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Die Bundesregierung reagiert jetzt: Im Verteidigungsministerium von Ursula von der Leyen (CDU) erfuhr SPIEGEL ONLINE am Mittwoch, nach dem Eingang des Briefs der Staatschefin des westafrikanischen Landes an Merkel sei "umgehend" ein sogenannter Prüfvorgang angeordnet worden. Es seien alle Truppenteile aufgefordert worden, mögliche Unterstützungsleistungen anzuzeigen. "Wir sind uns der Dramatik der Situation sehr bewusst und sehen, wie wir rasch helfen könnten", heiß es aus dem Verteidigungsministerium.

Die Bundeswehr verfügt grundsätzlich über mehrere Fähigkeiten, die in der Ebola-Region dringend gebraucht werden. Bereits in den nächsten Tagen soll nach Informationen von SPIEGEL ONLINE eine mobile Feldklinik mit 50 Betten nach Liberia geschickt werden. Diese soll von örtlichen Kräften betrieben werden. Bundeswehr-Personal soll vor Ort nicht zum Einsatz kommen.

Keine Bundeswehr-Ärzte nach Westafrika

Zudem werden auch Transportflüge mit Medikamenten und Nahrungsmitteln aus anderen Ländern geprüft. Die Luftwaffe wurde bereits am Mittwoch angewiesen, möglichst schnell eine Luftbrücke für Hilfsmaterial und Medikamente zu organisieren. Vermutlich, so die ersten Planungen, werden deswegen zwei oder drei Transall-Transportflieger nach Dakar im Senegal verlegt - dort hat die Bundeswehr bereits einen sogenannten Umschlagpunkt wegen des Mali-Einsatzes. In Dakar könnten dann Lieferungen gesammelt und mit den Transalls in die Ebola-Region geflogen werden.

Dass die Bundeswehr Ärzte oder Sanitäter in die Ebola-Region schickt, erscheint hingegen nach jetzigem Stand eher unwahrscheinlich. Die US-Regierung hingegen will rund 3000 Soldaten nach Westafrika entsenden. US-Präsident Barack Obama erklärte kürzlich, Ebola sei inzwischen eine Epidemie, "wie wir sie noch nicht gesehen haben". Sie gerate außer Kontrolle. "Diese Zahl kann rasch auf Zehntausende anwachsen. Wir müssen schnell handeln, wir dürfen nicht trödeln", so Obama.

Der Präsident der Organisation Ärzte ohne Grenzen in Deutschland, Tankred Stöbe, hatte die Hilfe der Militärs ebenfalls gefordert. Man komme bei der Bekämpfung von Ebola nicht mehr mit zivilen Hilfsmitteln klar, brauche die Hilfslogistik des Militärs, etwa Zelte, Wasseraufbereitung, Isolierstationen.

Berlin will finanzielle Hilfe aufstocken

Während die Bundeswehr bereits eine mobile Feldklinik liefert und weitere Maßnahmen prüft, zeichnet sich ab, dass die finanzielle Hilfe der Bundesregierung gegen die Ausbreitung der Seuche aufgestockt werden soll. Das Entwicklungsministerium hatte vor Kurzem erklärt, die Mittel im Kampf gegen Ebola um neun Millionen auf insgesamt zehn Millionen Euro zu erhöhen. Mit der Summe, die der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Deutschland zur Verfügung gestellt würde, sollten etwa eine bessere Versorgung der Ebola-Kranken mit Medikamenten ermöglicht und "weiteres qualifiziertes medizinisches Personal" finanziert werden, so Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU).

Das Thema Ebola wurde am Mittwoch auch im Kabinett besprochen gebracht. Neben den regelmäßigen Sitzungen des Krisenstabs im Auswärtigen Amt, der seit Juli besteht, trafen sich am selben Tag wieder Fachleute aller beteiligten Ressorts wie auch der maßgeblichen medizinischen Institute im Auswärtigen Amt, um die weiteren Maßnahmen zu beraten.

Steinmeier macht Ebola zum Thema der G-7

An diesem Freitag kommen die Staatssekretäre der mit dem Thema betrauten Ministerien auf Einladung des Auswärtigen Amtes zusammen, um weitere Schritte zu besprechen. Der Afrika-Beauftragte des Auswärtigen Amts, Georg Schmidt, ist bereits auf dem Weg in die Region, um Gespräche mit den Regierungen der betroffenen Staaten und auch Hilfsorganisationen zu führen.

Zudem will in New York Steinmeier das Thema Ebola auf die Tagesordnung der G-7 setzen. Deutschland führt in der Gruppe der sieben größten Industrienationen derzeit den Vorsitz. Die Außenminister der G-7 wollen sich kommende Woche am Rande der Uno-Vollversammlung treffen. Steinmeier wolle dabei neben der gesundheitlichen Herausforderung durch Ebola auch die Gefahren für die internationale Sicherheit, die sich aus der Destabilisierung ganzer Gesellschaften in Westafrika ergebe, zum Thema machen, hieß es in Regierungskreisen.

Die Präsidentin von Liberia hatte in ihrem Brief an Merkel sehr konkrete Vorschläge unterbreitet. So bittet sie darum, "dass die deutsche Regierung in Monrovia mindestens eine Ebola-Behandlungseinrichtung aufbaut und betreibt." Auch solle die deutsche Regierung in mindestens zehn Nicht-Ebola-Krankenhäusern helfen, die Grundversorgung und sekundäre Dienstleistungen wiederherzustellen.

Zudem will Präsidentin Johnson Sirleaf, dass Luftbrücken während der Seuchenbekämpfung eingerichtet werden. "Dass nur noch zwei Fluglinien das Land anfliegen statt wie vor Ebola elf, erschwert zunehmend die Einreise von erfahrenem Personal und Ausrüstung ins Land. Bis private Flugdienste zurückkehren, werden wir Hilfe durch Luftbrücken benötigen, um auf die Krise zu reagieren", heißt es in ihrem Schreiben, das in ähnlicher Form auch an andere Staats- und Regierungschefs in der Welt ging.

Merkel erklärte am Mittwoch in Berlin: "Die Situation in Liberia ist in der Tat dramatisch." Zu dem persönlichen Appell der liberianischen Präsidentin sagte die Kanzlerin: "Wir werden sehr schnell agieren und mit allem dem, was wir zur Verfügung haben, bereitstehen."

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
European 17.09.2014
1. World War Z
würde mir auch dazu einfallen. Wartens wir es ab.
vox veritas 17.09.2014
2.
U VdL irrt. Es geht weder um Geld noch um Material. Was in erster Linie fehlt, ist Manpower und da kneift sie.
udolein 17.09.2014
3. Ebola
Durch bessere Hygiene und durch Änderung des Essverhaltens (Bushmeat) könnte man leicht Ebola verhindern. Wenn die Seuche wieder abgeflaut ist geht es weiter wie zuvor. Das Lernen aus den Ereignissen ist nicht sehr ausgeprägt.
agua 17.09.2014
4.
Zitat von udoleinDurch bessere Hygiene und durch Änderung des Essverhaltens (Bushmeat) könnte man leicht Ebola verhindern. Wenn die Seuche wieder abgeflaut ist geht es weiter wie zuvor. Das Lernen aus den Ereignissen ist nicht sehr ausgeprägt.
Ich las gestern einen ähnlichen Beitrag und denke, dass solche Foristen die Lage unterschätzen. Es handelt sich nicht um einen Herd mit Infektionen, der wieder abebben wird. Es handelt sich um eine Epidemie. In Portugal,wo insbesondere im Gesundheitswesen gespart wird, wurde vor zwei Monaten veröffentlicht, dass zwei Krankenhäuser für den Fall aller Fälle vorbereitet wurden.
Shany 17.09.2014
5. Einfache Lösung
Klar, ist alles sooo einfach: öfter die Hände waschen und kein Bushmeat essen. Also warum da noch niemand drauf gekommen ist? Haben Sie auch nur den Hauch einer Ahnung, wie es um den Wassersektor in Liberia oder Sierra Leone bestellt ist? Kennen Sie die vielen Alternativmöglichkeiten des Essverhaltens der ländlichen Bevölkerung? Ich gehe mal davon aus, dass Sie ehrlicherweise mit "nein" antworten müssen. Aber immer schön von oben herab und alles "besser" wissen...
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