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Ebola-Katastrophe in Afrika: Deutschland versagt

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Liberia, ein Wohnviertel in der Hauptstadt Monrovia am 31. August 2014: Ein Mädchen liegt auf der Straße, angeblich mit Ebola infiziert Zur Großansicht
The New York Times/ Redux/ laif

Liberia, ein Wohnviertel in der Hauptstadt Monrovia am 31. August 2014: Ein Mädchen liegt auf der Straße, angeblich mit Ebola infiziert

Die USA schicken im Kampf gegen Ebola Soldaten nach Westafrika. Und Deutschland? Die Bundesregierung zaudert, wenn es darum geht, Hilfspersonal zu schicken. Ein Fehler.

Ein kleines, vielleicht vier, fünf Jahre altes Mädchen liegt auf einer Straße in Liberias Hauptstadt Monrovia. Neben sich eine Plastikflasche. Ein Mann im weißen Schutzanzug steht in der Nähe, im Hintergrund Passanten, Anwohner, darunter auch Kinder. Sie stehen, beobachten. Eine Tante hat das Kind abgelegt, weil es sich mit Ebola infiziert haben soll, weil niemand auf die Hilferufe der Frau reagiert hatte. So steht es in der Information, die die Bildagentur zu dem Foto liefert.

Das Mädchen in seinem pinkfarbenen Shirt, die ängstlich in der Ferne verharrenden Menschen - so bedrückend fasst kaum ein Bild die Katastrophe zusammen, die über Länder Westafrikas gekommen ist.

Jeden Tag sterben Menschen, infizieren sich Tausende mit Ebola. US-Präsident Barack Obama schickt nun 3000 Soldaten, sie sollen Kliniken mit aufbauen. Ein Schritt, der längst überfällig war.

Und Deutschland? Tja, es gibt die AfD, die Mautdebatte, die Lage in der Ukraine. Aber Ebola? Deutschland, eines der reichsten Länder der Welt, tut beschämend wenig. Jetzt will Berlin eine mobile Feldklinik der Bundeswehr entsenden, möglicherweise noch mehr. Örtliche Kräfte sollen sie bedienen.

Aber Bundeswehrärzte, Soldaten vor Ort, Menschen also, die täglich üben, wie man mit Großlagen umgeht, die etwa Isolierstationen mit aufbauen helfen? Daran ist bislang nicht gedacht.

Stattdessen das Übliche. Das Entwicklungshilfeministerium unter Gerd Müller (CSU) stockt seinen Ebola-Etat um eine Million auf zehn Millionen auf, auch das Auswärtige Amt legt noch einmal fünf Millionen drauf. Sicherlich, auch das muss sein. Aber was Staaten wie Liberia, die jahrelang in einem Bürgerkrieg versanken, wirklich brauchen, sind fähige Organisationen, die rasch und schnell auf die sich immer schneller ausbreitende Seuche reagieren können. Daran mangelt es in Westafrika.

In Berlin braucht es den Vorstoß der USA und den persönlichen Brandbrief der Präsidentin Liberias an Kanzlerin Angela Merkel (CDU), um die Politik zumindest in Bewegung zu setzen. Dabei haben Hilfsorganisationen seit Wochen angemahnt, dass der Westen mehr leisten muss als nur Finanzhilfen und Ausbildung von Helfern vor Ort. Deshalb begrüßt etwa "Ärzte ohne Grenzen" den US-Armeeeinsatz - und wirft Deutschland vor, trotz der jüngsten Ankündigungen nach wie vor zu wenig zu tun. Zu Recht.

Wer sich umhört in Berlin, der hört Geschichten von wochenlangem Stillstand. Von Frust, weil sich nichts tat. Seit Juli gibt es im Auswärtigen Amt einen Krisenstab zu Ebola. Die sich täglich zuspitzende Lage ist durch die Berichte der deutschen Botschaften hinlänglich bekannt, auch den anderen Ministerien. Doch von dort kam wenig bis nichts. Das Verteidigungsministerium unter Ursula von der Leyen (CDU), das jetzt erst reagiert, hätte auch schon früher Hilfen anbieten können.

Und was ist mit dem Bundesgesundheitsministerium? Sicherlich, dessen Möglichkeiten sind begrenzt, Hermann Gröhe (CDU) kündigte jüngst die Entsendung von deutschen Spezialisten an, die vor Ort Helfer ausbilden sollen. Das aber ist zu wenig, dauert auch viel zu lange. Von Gröhe hätte man sich gewünscht, dass er Druck macht, öffentlich und im Kabinett, sein Amt nutzt.

Und Außenminister Frank-Walter Steinmeier? Er hat den eigenen Ebola-Etat erhöht, auch das Thema jetzt auf die Tagesordnung der G7 gesetzt, der Runde der sieben größten Industrienationen, in der Deutschland gerade den Vorsitz inne hat. Nächste Woche ist Uno-Woche, dort werden sich auch die G7 treffen. Schön, gut, alles richtig.

Nur, Erklärungen hat es schon viele gegeben. Was es jetzt braucht, ist ein koordiniertes Vorgehen der reichsten Länder, mit Helfern vor Ort. Rasch und schnell. Deutschland sollte da nicht länger abseitsstehen.

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insgesamt 114 Beiträge
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1. Was leisten denn andere
outwiper 18.09.2014
Kanada, Australien, GB, Frankreich, Skandinavien, Russland, Japan, China, Katar, Saudi Arabien... Liest man nix von. Nur was WIR angebl. nicht Leisten. Die Zeit ist längst gekommen wo wir uns nicht mehr überall den Löwenanteil leisten können.
2. Eine Schande für Deutschland
elkemeis 18.09.2014
Mit Waffenlieferungen in Kriegsgebiete (Israel, Irak, Ukraine) ist Merkel ganz schnell bei der Hand. Wenn es aber um zivile Hilfsmaßnahmen bei humanitären Katastrophen geht, zaudert und zögert sie und windet sich wie ein Wurm. Wieder einmal (wie so oft in den letzten 9 Jahren) schäme ich mich zutiefst für Deutschland.
3. So sind unsere Politiker halt ...
quark@mailinator.com 18.09.2014
Ich entsinne mich der Aufrufe unserer Toppolitiker, daß DE mehr Verantwortung in der Welt übernehmen müsse. Entsprechend brauche die Bundeswehr Milliarden, um dafür zu rüsten. Auch in die Ukraine haben wir schon 500 Mio. geschickt, an die ich mich gerade entsinne. Aber wenn mal eben eine Krankheit dabei ist, die ganze Menschheit zu bedrohen, da kommt fast nix. So sieht es aus. So sind die Prioritäten - Krieg, ja, Afrikanern bei so einer Seuche helfen ... wozu ... Würg.
4. Ja, der Artikel hat Recht.
shooop 18.09.2014
Aber Menschen in diese Gebiete zu entsenden ist auch eine schwere Entscheidung. Ich verstehe, dass unsere Politik sich da schwer tut. Freiwilligkeit ist glaub ich wichtig.
5. Tja, so einfach ist das nicht!
stefanmargraf 18.09.2014
Ausbildung? In was? Eine Therapie gibt es nicht. Man muss alle Leute unter Verdacht festsetzen (Quarantaene). Aber wie das durchsetzen? Mit scharfer Munition? D schickt keine Helfer? Das waere aber auch ein lebensgefaehrlicher Aufenthalt! Journalisten sind da auch nur sehr wenige....
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