Ebola-Mission der Bundeswehr Von der Leyen verteidigt ihr Rettungsversprechen

Die Bundeswehr schafft es im Notfall nicht, deutsche Helfer aus afrikanischen Ebola-Gebieten auszufliegen: Auf diesen Bericht von SPIEGEL ONLINE reagiert das Verteidigungsministerium gereizt. Doch Fragen bleiben.

Ursula von der Leyen: Die Fürsorge der Ministerin ist ein hohes Gut
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Ursula von der Leyen: Die Fürsorge der Ministerin ist ein hohes Gut

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Berlin - Alarmstimmung im Bundesverteidigungsministerium: Per SMS und mit einer Pressemitteilung reagierte das Ressort von Ursula von der Leyen auf einen Bericht von SPIEGEL ONLINE, die Bundeswehr könne doch nicht wie von der Ministerin versprochen deutsche Ebola-Helfer bei einer Infektion im Krisengebiet zurückholen.

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Heft 41/2014
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Der Bericht wurde vom Ministerium schroff als "Nonsens" abgetan. Die sogenannte Rettungskette für Infektionsfälle werde "vollständig" stehen, bis die ersten Freiwilligen Mitte November ihren Einsatz im Ebola-Gebiet aufnehmen, heißt es in einer Pressemitteilung. Man arbeite derzeit intensiv an technischen Lösungen für die mögliche Evakuierung von Infizierten mit speziellen Flugzeugen, die mit einer sogenannten Isolationszelle ausgerüstet sind.

Die Aufregung um den Artikel verdeutlicht den Druck, unter dem von der Leyen am Mittwoch - ihrem 56. Geburtstag - stand. Am 22. September, gerade hatte sie um freiwillige Ebola-Helfer aus den eigenen Reihen geworben, gab sie in einem von ihr unterschriebenen Tagesbefehl ein weitreichendes Versprechen ab: "Im Notfall können Sie sich darauf verlassen, dass Sie nach Deutschland zurückgeholt und Sie in Deutschland medizinisch behandelt werden."

Ein solches Versprechen, gerade wenn es von der Inhaberin der Kommandogewalt kommt, wird in der Truppe sehr ernst genommen. Die Fürsorge der Ministerin ist ein hohes Gut bei gefährlichen Auslandseinsätzen, auch wenn für den Ebola-Einsatz nur Freiwillige aus der Bundeswehr nach Afrika ziehen werden.

Die sogenannte Rettungskette nach Deutschland aber galt bei Experten aus dem Wehrressort von Anfang an als Problem der ambitionierten Mission: Derzeit verfügt weltweit nur ein US-Anbieter über einen kleinen Jet, der mit einer sogenannten Isolierzelle ausgerüstet ist, um die Ansteckung von weiteren Personen zu verhindern. Mit diesem Flugzeug wurden bereits internationale Helfer, die sich angesteckt hatten, aus dem Krisengebiet ausgeflogen.

In Deutschland wird derzeit mit Hochdruck an Alternativen gearbeitet. Die Bundeswehr erprobt nach eigenen Angaben bereits den Einbau von Isolierzellen in einen "MedEvac"-Airbus, die Beschaffung von 20 Isolierzellen sei "auf dem Weg". Möglicherweise könne der Medizin-Airbus der Luftwaffe schon in der kommenden Woche für mögliche Rettungs-Flüge bereit stehen, so eine Pressemitteilung aus dem Ministerium.

"Im Falle einer Infektion sanitätsdienstliche Behandlung vor Ort"

Der SPIEGEL-ONLINE-Bericht hingegen bezog sich auf ein Schreiben vom Staatssekretär im Wehrressort. In dem Papier heißt es, die Bundeswehr verfüge nicht "über eigene Lufttransportmittel, mit denen die Ebola-Patienten transportiert werden könnten". Stattdessen würden Infektionsfälle zunächst nach dem Rettungskonzept "stay and play" behandelt. So soll "im Falle einer Infektion die sanitätsdienstliche Behandlung im Schwerpunkt direkt vor Ort sichergestellt werden", dies entspreche dem Procedere der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Von den Planungen für einen eigenen Ebola-Jet, der Einrüstung von Isolierzellen in den "MedEvac"-Airbus oder der Leihvariante hingegen findet sich in dem Schreiben nichts. Eine telefonische Anfrage nach weiteren Informationen ließ das Ministerium vor der Veröffentlichung des SPIEGEL-ONLINE-Beitrags am Dienstagnachmittag unbeantwortet, am Morgen dann reagierte das Wehrressort gereizt.

Wie die Rettung genau ablaufen soll, steht immer noch nicht richtig fest. Zum einen ist bis heute offen, wo die deutschen Helfer überhaupt eingesetzt werden sollen - deswegen kann man eine Rettungskette nur schwer planen. Andererseits schränkte von der Leyens Sprecher auf die Frage nach den Szenarien einer Rettung ein, bei möglichen Infizierten solle zunächst vor Ort beobachtet werden, ob diese sich wirklich angesteckt hätten. Erst dann sei eine Evakuierung die "erste Option".

In der Truppe hatte es schon vorher geheißen, dass die Reputation der Ministerin gefährdet sei, sollte sie die umfangreiche Rettungszusage nicht einlösen können. Jetzt wollen die möglichen Helfer für das Krisengebiet genau wissen, ob sie sich auf die Aussagen von der Leyens verlassen können.

Aus dem Wehrressort hieß es dazu, man werde "keinen Freiwilligen nach Afrika schicken, wenn die Rettungskette nicht verlässlich steht".

insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
glen13 08.10.2014
1.
Die Ernsthaftigkeit der Aktivitäten von Frau von der Leyen erscheint mir nicht immer. Oftmals denke ich, dass sie alles nur tut, um persönlich Karrierevorteile zu erzielen. Gut, dass ist was ich denke. Was bedeutet das schon für eine Ministerin? Aber ich habe auch das Gefühl, dass immer mehr Menschen das denken, was ich empfinde.
Veterano48 08.10.2014
2.
vor dieser Schaufenster"Politikerin" von der Leine. Merkel kann es nicht, aber die FlintenUschi, auch vom "Stern" mal als Kriegsministerin tituliert, schon gar nicht. Quo vadis Deutschland? Es ist an der Zeit, dass die SPD ihren erneuten historischen Fehler korrigiert. Gabriel ist dazu nicht erforderlich.
HuFu 08.10.2014
3.
So kann eine Quarantäne nie funktionieren und die Seuche / Epidemie breitet sich weiter aus. Vielleicht sollte Frau von der L. mal sich den Begriff genauer anschauen und sich fragen, warum man so etwas macht in einem Notfall und nicht die Menschen woanders hinlässt! Jeder Freiwillige sollte sich dessen bewusst sein, dass der Einsatz mit dem Tod geweiht ist und möglicherweise tödlich enden kann.
wernerwenzel 08.10.2014
4. Eben so wie
keine Deutschen ausreisen sollten, um den IS zu unterstützen, dürfte KEINER nach Afrika fliegen, um Ebola zu "bekämpfen". Beide Gruppen wissen nicht, was sie tun, und die Behörden müssen sie daran hindern.
watttaucher 08.10.2014
5. warum immer diese Zweifel?
jetzt lasst doch unserem Verteidigungsministerium bitte die Möglichkeit in den Kitas der Bundeswehr die entsprechende Technik mit den zur Verfügung stehenden Logobausteinen herzustellen........wo ist das Problem? Es ist einfach nur traurig.
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