Staatsminister Klaeden Merkel-Vertrauter wird Cheflobbyist bei Daimler

Eckart von Klaeden gehört zum engen Führungszirkel von Angela Merkel. Doch jetzt kündigt der CDU-Mann seinen Wechsel in die Wirtschaft an: Der Staatsminister im Kanzleramt wird zum Jahresende Cheflobbyist bei Daimler.

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Eckart von Klaeden: Lobbyist bei Deutschlands wichtigstem Autokonzern
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Eckart von Klaeden: Lobbyist bei Deutschlands wichtigstem Autokonzern


Berlin - Seinen Job als Staatsminister im Kanzleramt verrichtet Eckart von Klaeden so, wie es seine Chefin Angela Merkel gewöhnlich schätzt - fleißig, diskret und erfolgreich. Ebenso leise bereitete Klaeden nun einen Wechsel vor, der für Aufmerksamkeit sorgen dürfte: Zum Jahresende wird Merkels Staatsminister Cheflobbyist des Daimler-Konzerns. Als Leiter des Bereichs "Global External Affairs und Public Policy" ist Klaeden dann so etwas wie der Außenminister der Daimler-AG.

"Bei der nächsten Bundestagswahl am 22. September werde ich nicht erneut für den Deutschen Bundestag kandidieren. Ich werde nach der Wahl eine Aufgabe bei der Daimler AG übernehmen", heißt es in einem Brief Klaedens an die Mitglieder seines CDU-Kreisverbands Hildesheim vom 27. Mai. "Die Entscheidung ist mir schwergefallen. Sie hat ausschließlich berufliche und familiäre Gründe", schreibt der 47-Jährige.

Mit Klaeden verliert Merkel einen treuen Gefolgsmann. Der Abgeordnete aus Hildesheim hatte sich einen guten Ruf als Außenpolitiker erarbeitet, während der Großen Koalition war er außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Nach dem schwarz-gelben Wahlsieg 2009 holte Merkel ihn ins Kanzleramt. Dort kümmerte er sich neben den Beziehungen zu den Bundesländern um so sperrige Themen wie den Bürokratieabbau. In seinem neuen Job bei Daimler ist er für die weltweiten Beziehungen des Unternehmens zu Regierungen und zu politischen und zivilgesellschaftlichen Organisationen verantwortlich.

Fliegender Wechsel vom Kanzleramt zu Daimler

Klaedens Vorgänger bei Daimler ist der Diplomat Martin Jäger. Er kam aus dem Auswärtigen Amt. Jäger war Sprecher von Frank-Walter Steinmeier (SPD) im Kanzleramt sowie im Außenministerium, bevor der 2008 zu dem Autokonzern wechselte. Jetzt kehrt er in den Auswärtigen Dienst zurück und wird Botschafter in Afghanistan.

Klaedens fliegender Wechsel vom Kanzleramt in den Daimler-Konzern dürfte die Debatte über Rochaden zwischen Politik und Wirtschaft neu beleben. Ein enger Mitarbeiter aus Merkels Machtapparat wird Lobbyist bei Deutschlands wichtigstem Autokonzern.

Im Jahre 2008 war bereits eine der Vorgängerinnen Klaedens auf dem Posten des Staatsministers im Kanzleramt in die Wirtschaft gewechselt - Hildegard Müller wurde damals Chefin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

In Erinnerung ist auch der Fall des ehemaligen Bundesverkehrsministers Matthias Wissmann. Der CDU-Politiker hatte sein Amt als Bundestagsabgeordneter erst kurz vor seinem Wechsel an die Spitze des Verbands der Automobilindustrie (VDA) niedergelegt. Und auch den hessischen Regierungschef Roland Koch zog es in die Wirtschaft, nachdem er von Kanzlerin Merkel keinen Ruf ins Bundeskabinett bekam und 2010 als Ministerpräsident zurückgetreten war. Allerdings ließ er eine Schamfrist von einigen Monaten verstreichen, bevor er seinen neuen Job als Chef des Baukonzerns Bilfinger antrat.

Klaedens Wechsel in die Wirtschaft kommt auch deshalb überraschend, weil er durchaus ein Vollblutpolitiker ist. Früher, zur Zeit Helmut Kohls, gehörte er mit Norbert Röttgen und Peter Altmaier zur Gruppe der sogenannten Jungen Wilden in der CDU. Gemeinsam mit seinen Parteifreunden setzte er sich für eine liberalere CDU ein, der auch Umweltthemen nicht fremd sein sollten. Zudem hatte er eben erst begonnen, sich in der niedersächsischen CDU eine eigene Machtbasis zu erarbeiten.

Familiäre Gründe

Zwar gehörte Klaeden nicht zum engen Zirkel um Landesparteichef und Ex-Ministerpräsident David McAllister. Im vergangenen November hatte er sich jedoch in einer Kampfabstimmung um den Vorsitz im Bezirksverband Hildesheim gegen den damaligen niedersächsischen CDU-Innenminister Uwe Schünemann durchgesetzt und so seinen eigenen Machtanspruch untermauert. Bei den Landtagswahlen im Januar musste die CDU in Hildesheim jedoch deutliche Verluste hinnehmen, einige lasteten dies auch von Klaeden an.

In seinem Brief an die Parteibasis nennt Klaeden familiäre Gründe für seinen Schritt. "In den letzten Jahren habe ich im Durchschnitt lediglich zwei Nächte pro Woche in Hildesheim verbringen können. Die wenigen Tage zu Hause waren mit zahlreichen Wahlkreisterminen gefüllt", schreibt Klaeden. "Auch wenn ich in meiner neuen Aufgabe viel arbeiten und unterwegs sein werde, besteht doch die Möglichkeit, Arbeits- und Wohnort zusammenzuführen und so mehr Zeit mit meiner Familie verbringen zu können." Er werde zunächst aber in Hildesheim wohnen bleiben, so Klaeden.

Er habe sich zu dem Schritt jetzt entschlossen, damit die Bürger in seinem Wahlkreis vor der Bundestagswahl Klarheit hätten. "Ich halte es den Wählerinnen und Wählern gegenüber für unredlich, anzutreten, und dann relativ kurz nach der Wahl das Mandat aufzugeben", schreibt er.

Über weitere Motive kann nur spekuliert werden. Fest steht, dass Klaeden im Falle eines erneuten Wahlsiegs der Union jedenfalls nicht für einen Posten im Kabinett gesetzt gewesen wäre. Denn für die Niedersachsen sitzt traditionsgemäß eine Frau im Bundeskabinett - Ursula von der Leyen.



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insgesamt 124 Beiträge
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Seite 1
Ethi 28.05.2013
1.
Der Mann hat unbestreitbare Fähigkeiten und Kontakte, die ihn für ein solches Unternehmen interessant machen. Wenn Politiker nicht an ihren Stühlen kleben sollen, müssen sie einen guten Übergang in die Wirtschaft haben können. Pünktlich zur neuen Wahlperiode ist ein guter Zeitpunkt für einen Wechsel.
brotfresser 28.05.2013
2. Wie war das noch?
"Merkel übernimmt Position der Autolobby". Mercedes kauft sich offensichtlich das Ohr der Frau Merkel. Ein Schelm, wer böses denkt.
kimba_2014 28.05.2013
3.
Zitat von sysopGetty ImagesEckard von Klaeden gehört zum engen Führungszirkel von Angela Merkel. Doch jetzt kündigt der CDU-Mann seinen Wechsel in die Wirtschaft an: Der Staatsminister im Kanzleramt wird zum Jahresende Cheflobbyist bei Daimler. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/eckart-von-klaeden-merkel-vertrauter-wird-daimler-lobbyist-a-902399.html
Immer wieder faszinierend, wie mühelos vielen Politikern nach mehr oder weniger erfolglosen Karrieren der Sprung in die Wirtschaft gelingt.
ullibulli09 28.05.2013
4. Es gibt da einen Spruch aus der Seefahrt ...
"Die Ratten verlassen das sinkende Schiff!" Ich denke, das ist schon bezeichnend welches Vertrauen die CDU-Vertrauten in den eigenen Wahlsieg haben. Und bei Daimler gewinnt doch auch immer die Geldbörse der Ex-Politiker, das wohl die größte treibende Kraft.
Methusalixchen 28.05.2013
5. Von einer
... käme einer Beleidigung sämtlicher ehrbarer Bananenrepubliken gleich.
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