Ermittlungen wegen Kinderporno-Verdacht Edathy bestreitet Kontakt mit Tippgebern

Sebastian Edathy gibt sich unschuldig: Im SPIEGEL-Interview bestreitet der Ex-SPD-Abgeordnete, von Tippgebern einen Hinweis auf die Ermittlungen gegen ihn bekommen zu haben. Auch Beweismaterial habe er nicht vernichtet. Gegenüber der Staatsanwaltschaft verschärft Edathy den Ton.

SPD-Mann Edathy: "Kein strafbares Verhalten"
DPA

SPD-Mann Edathy: "Kein strafbares Verhalten"


Berlin - Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy hat Kontakte zu Tippgebern bestritten, die ihn vorab über die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in Kenntnis gesetzt haben könnten. In einem Interview mit dem SPIEGEL verwies er darauf, lediglich auf Presseberichte reagiert zu haben. "Mitte November 2013 gab es in der deutschen Medienlandschaft Berichte, wonach eine Firma in Kanada von dortigen Behörden der Verbreitung illegalen Materials bezichtigt werde", sagte Edathy. "Da mir erinnerlich war, bei einer kanadischen Firma, um die es mutmaßlich ging, vor etlichen Jahren Material bezogen zu haben, das ich für eindeutig legal halte, habe ich einen Anwalt um Beratung gebeten."

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Heft 8/2014
Der Fall Friedrich, der Fall Edathy

Der Anwalt habe "daraufhin präventiv mit verschiedenen Behörden im Bundesgebiet Kontakt aufgenommen, um für den Eventualfall vollständige Kooperationsbereitschaft anzubieten". Sein Mandat habe er niedergelegt, weil er seit längerer Zeit "Erschöpfungssymptome" festgestellt habe. Gegen Edathy wird wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie ermittelt.

Der Ex-Bundestagsabgeordnete bestritt zudem Berichte über eine Vernichtung von Beweismaterial vor der Durchsuchung seiner Privatwohnung. "Diese Behauptung weise ich zurück", sagte Edathy. "Ich halte es für irritierend, aus der Tatsache, dass die Maßnahmen der Staatsanwaltschaft offenkundig nicht dazu geführt haben, mich rechtlich zu belasten, die Schlussfolgerung zu ziehen, ich hätte belastendes Material vernichtet. So wird die Unschuldsvermutung ad absurdum geführt."

Edathy verschärfte den Ton gegenüber der Staatsanwaltschaft Hannover. "Ich halte das Agieren der Staatsanwaltschaft für ungeheuerlich", sagte Edathy. "Sie wirft mir ausdrücklich kein strafbares Verhalten vor, was sie aber nicht davon abhält, Details eines legalen Verhaltens zum Gegenstand einer Pressekonferenz zu machen." Er erwarte keine Besserstellung gegenüber anderen Bürgern, "aber ebenso keine Schlechterstellung", sagte Edathy. "Die Staatsanwaltschaft hat sich völlig verrannt."

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    Der Fall Edathy: Rechtliche Grauzonen

    Sendetermin:
    Sonntag, 16.02.2014, 22.15 - 23.30 Uhr, RTL

vme

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
Steuerzahler0815 15.02.2014
1.
Es bleibt die Frage was der Mann sich dabei gedacht hat solches Material zu bestellen zum thema Unschuldsvermutung Erinnern sie sich an Herrn Wulff oder Herrn Kachelmann
elikey01 15.02.2014
2. Meinung
Zitat von sysopDPASebastian Edathy gibt sich unschuldig: Im SPIEGEL-Interview bestreitet der Ex-SPD-Abgeordnete, von Tippgebern einen Hinweis auf die Ermittlungen gegen ihn bekommen zu haben. Auch Beweismaterial habe er nicht vernichtet. Gegenüber der Staatsanwaltschaft verschärft Edathy den Ton. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/edathy-bestreitet-kontakt-mit-tippgebern-a-953665.html
Sebastian Edathy *_gibt sich _*unschuldig? Was ist das ("GIBT sich") denn für ein unterschwellig schuldzuweisender Sprachgebrauch? Gilt bei Spiegel-Interviews keine Unschuldsvermutung? Solche Ignoranz sogar gegenüber der staatsanwaltlichen Aussage, dass kein Straftatbestand vorläge, zeugt angesichts der Wortwahl nicht gerade von journalistischer Sorgfaltspflicht.
kaperer 15.02.2014
3. Der stilisiert sich zum Opfer
Wenn sich jemand Nackbilder von Kindern anschaut, sind die Kinder die Opfer, nicht Sie Her Edathy!
feldpost45 15.02.2014
4. Unschuldig schuldig
Zitat von sysopDPASebastian Edathy gibt sich unschuldig: Im SPIEGEL-Interview bestreitet der Ex-SPD-Abgeordnete, von Tippgebern einen Hinweis auf die Ermittlungen gegen ihn bekommen zu haben. Auch Beweismaterial habe er nicht vernichtet. Gegenüber der Staatsanwaltschaft verschärft Edathy den Ton. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/edathy-bestreitet-kontakt-mit-tippgebern-a-953665.html
Es lohnt nicht, eine Diskussion anzufangen, deren Tatsachen noch nicht offensichtlich sind. Aber: Alles ist schmutzig in dieser Angelegenheit: Das Verhalten der Staatsanwaltschaft, das Handeln des früheren Abgeordneten, das Verhalten des ehemaligen Innenministers, das Verhalten der SPD in Person des Parteivorsitzenden und untergeordneter Mitarbeiter und das Verhalten der Ermittler und deren Vorgesetzte.
schaluppe 15.02.2014
5. Dubiose Juristen
Ja, die Staatsanwaltschaft hat in der PK Dinge gesagt, die im laufenden Verfahren einfach nicht gehen. Aber das haben mittlerweile alle beteiligten Juristen getan, allen voran Herr Oppermann, den ich bis dahin sehr geschätzt habe. Der Bürger glaubt mittlerweile keinem mehr - zuletzt Herrn Edathys Unschuldsbeteuerungen. Und das ist wirklich schlimm, denn juristisch gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Aber das kümmert wohl derzeit eh keinen, am wenigsten die Volljuristen. Ein Rechtsverständnis wie in ganz dunklen deutschen zeiten!
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