Bischofskonferenz Katholische Kirche warnt vor Ehe für alle

Überstürzt und nicht mit dem christlichen Verständnis vereinbar: Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich gegen gesetzliche Ehen zwischen Homosexuellen ausgesprochen - die "Weitergabe von Leben" sei gefährdet.

Reinhard Kardinal Marx
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Reinhard Kardinal Marx


Die katholische Kirche hat starke Vorbehalte gegen die geplante Ehe für alle. Für die Deutsche Bischofskonferenz sei die Ehe "die Lebens- und Liebesgemeinschaft von Frau und Mann als prinzipiell lebenslange Verbindung mit der grundsätzlichen Offenheit für die Weitergabe von Leben", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx.

"Wir bedauern, wenn dieser Ehebegriff aufgelöst werden soll und damit die christliche Auffassung von Ehe und das staatliche Konzept weiter auseinandergehen." Die zivile Ehe war in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts als staatliches Pendant zur kirchlichen Ehe eingeführt worden. Sie kennt etwa die Scheidung und hat sich deutlich schneller weiterentwickelt. Die Ehe ist zudem grundrechtlich besonders geschützt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel war am Montag überraschend vom klaren Nein der CDU bei Ehe für alle abgerückt - und hatte öffentlich von einer Gewissensentscheidung gesprochen. Am Freitag will nun der Bundestag über den Gesetzentwurf abstimmen. Eine Mehrheit für die Ehe für alle gilt als sicher - auch wenn die CSU nochmals ihre Ablehnung bekräftigt hatte. Der stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzende Hans-Peter Friedrich sieht gar die gesellschaftliche Ordnung in Gefahr.

"Überstürztes Verfahren"

Kardinal Marx kritisierte das Tempo bei der Abstimmung. Es sei "völlig unangemessen, eine solche gesellschaftspolitische Grundentscheidung in diesem überstürzten Verfahren zu fällen". Zudem gebe es von vielen Seiten geäußerte erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken.

Der Erzbischof verwies auch auf die aus kirchlicher Perspektive besondere Stellung der Ehe von Mann und Frau. Es sei ein Missverständnis, die hervorgehobene Rechtsstellung der Ehe und ihren bleibenden besonderen Schutz als Diskriminierung homosexueller Männer und Frauen zu verstehen, behauptete Marx. tatsächlich würde die Ehe für alle jedoch eine Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare im Eherecht bedeuten - und den Paaren etwa auch das volle Recht auf Adoption gewähren.

Einer repräsentativen Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) wünschen sich 83 Prozent die Möglichkeit der Eheschließung auch zwischen zwei Frauen oder zwei Männern.

Im Video: Angela Merkel zur Ehe für alle

apr/dpa/AFP

insgesamt 383 Beiträge
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seiplanlos 28.06.2017
1. Komische Vorstellung
Also ein Verein, der der Vereinsführung untersagt, selber Kinder zu bekommen, möchte das NICHT-Vereinsmitglieder um jeden Preis Kinder bekommen... ... schon komisch. Wäre jetzt jeder Bischof dazu angehalten, eine Familie mit Kindern zu haben (wie es übriegens in der Bibel steht!), dann könnte man das ja noch verstehen.
iffelsine 28.06.2017
2. Mensch, endlich neues Leben in katholischen Klöstern !
Eine Welle von Eheschließungen unter Mönchen und Nonnen, die es bisher nicht wagten, ihre Wohngemeinschaften öffentlich zu machen und zu legalisieren ;o) Dann gibt es auch bestimmt wieder Novizinnen und Novizen, die nun endlich so leben können, wie es ihnen seit Jahrtausenden verwehrt wurde !
Phleon 28.06.2017
3. Wir sind kein Gottesstaat
Ich verbitte mir eine Einmischung der Kirchen in staatliche Fragen. Allah und Gott können meinen was sie wollen, das hat für unseren Staat keine Relevanz.
steffenbaensch777 28.06.2017
4. Ehe tatsächlich ein religiöses Thema
Aus meiner Sicht soll sich der Staat aus dem religiösen Thema Ehe heraushalten. Historisch gesehen, hat der Staat dieses Thema noch gar nicht so lange unter seinen Fittichen. Würde es nicht völlig reichen, wenn der Staat einfach ein paar Standardverträge anbietet, die natürlich jeder abschliessen darf und die dann allgemein anerkannt werden? in diesem Fall eben alles was normalerweise mit einer Ehe einhergeht. Generell fände ich es gut, wenn der Staat die Trennung von diesem ganzen religiösen Gedönz vorantreiebn würde. Stichworte: Abschaffung der Kirchensteuer, Bezahlung von Kirchenleuten, Bezahlung der kirchlichen Wohlfahrt. Das wäre doch mal ein Wahlkampfthema!
leo Pold 165 28.06.2017
5. Die Kirche hatte lange genug Zeit, der Bevölkerung ins Leben zu quasseln
Liebe Bischofskonferenz, eure Zeit ist vorbei noch 3-4 Generationen und Ihr steht nur noch in den Geschichtsbüchern. Verhaltet. Kassiert Euer Geld und haltet still, bis es endgültig zu Ende ist, 75 % der Bevölkerung interessiert es sowieso nicht was ihr von Euch gebt. Der Einfluss der Kirche steht in keinem Verhältnis der echten Gläubigen.
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