Weihnachts-Kontroverse (4) "Die Ehe braucht Schutz, sie ist für Mann und Frau gedacht"

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Streetart in Irland: "Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ist überfällig"
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Streetart in Irland: "Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ist überfällig"



So kontern Sie:

Die gleichgeschlechtliche Ehe ist in vielen Ländern Realität: in den USA, in Frankreich, Irland, Kanada, Norwegen, Portugal, Schweden, Spanien oder Südafrika. Von einem Zusammenbruch der Institution Ehe hört man aus diesen Staaten nichts. Natürlich nicht.

Denn dort hat schlichtweg ein größerer Personenkreis als vorher die Möglichkeit, den Bund fürs Leben zu schließen. Und zwar unabhängig davon, ob man heterosexuell oder homosexuell ist. Der Staat hat die rechtliche Möglichkeit zum Heiraten erweitert. Was für eine größere Anerkennung der Ehe kann es geben?

In Deutschland ist die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare überfällig. Man müsste dafür nicht einmal das Grundgesetz ändern. Und wie, bitteschön, würden Ehen zwischen Mann und Frau gefährdet, wenn zusätzlich auch noch Frauen untereinander und Männer untereinander heiraten können? Niemandem wird etwas weggenommen, nur weil anderen etwas ermöglicht wird. Die eingetragene Lebenspartnerschaft ist ein Anfang. Sie ist aber keine Ehe.

Auch das vermeintliche Argument "Frauen können untereinander keine Kinder in die Welt setzen, Männer auch nicht" ist keines. Sechs Millionen Menschen in Deutschland sind ungewollt kinderlos, andere entscheiden sich bewusst gegen Kinder. Zurecht fragt kein Standesbeamter: "Sind Sie willens, dem Land Nachwuchs zu schenken?" Das geht den Staat nichts an, er kann und sollte Eltern lediglich unterstützen. Wer eine Diskussion über Eltern führen will - nur zu. Mit der Ehe hat das aber nichts zu tun.

Meist verbirgt sich hinter solchen Scheinargumenten Homophobie. Weil sich jemand nicht vorstellen kann, dass zum Beispiel eine Bindung zwischen zwei Frauen so tief, vertraut, stabil und echt sein kann wie zwischen Mann und Frau. Es ist aber so: Homosexuelle lieben sich nicht mehr oder weniger als Heterosexuelle. Es gibt keinen Grund, ihnen die Möglichkeit der Ehe vorzuenthalten.


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