Ehrensold-Debatte: Fußnote 8 entscheidet über Geldsegen für Wulff

Erhält Christian Wulff künftig den Ehrensold oder nicht? Gut möglich, dass sich bald ein Mann mit dieser heiklen Frage beschäftigen muss, dessen Leben durch die Wulff-Affäre eine entscheidende Wendung genommen hat: Joachim Gauck.

Heimkehrer Wulff: Der frühere Bundespräsident vor seinem Haus in GroßburgwedelZur Großansicht
dapd

Heimkehrer Wulff: Der frühere Bundespräsident vor seinem Haus in Großburgwedel

Hamburg/Berlin - Auch Fußnoten können wichtige Informationen enthalten, in der Beamtenversorgungs-Zuständigkeitsanordnung ist es der Zusatz mit der Nummer 8: Dort heißt es, dass "die erstmalige Berechnung und Festsetzung des Ehrensolds für einen aus dem Amt scheidenden Bundespräsidenten" beim Bundespräsidialamt verbleibe.

Die Frage, ob Christian Wulff künftig die Bezüge in Höhe von 199.000 Euro jährlich erhalten wird, könnte damit künftig entweder Horst Seehofer beschäftigen, der als amtierender Bundesratspräsident derzeit kommissarisch die Funktion des Staatsoberhaupts übernimmt - oder eben Joachim Gauck, der am 18. März zum neuen Bundespräsidenten gewählt werden soll.

Das Bundespräsidialamt erklärte am Dienstag, dass die Entscheidung über den Ehrensold für Wulff "zurzeit von der zuständigen Personalabteilung" vorbereitet werde. Die Festsetzung erfolge, "so bald die Prüfung abgeschlossen ist".

Wer auch immer in dem Amt abschließend über Wulffs Ansprüche befinden wird, zu klären bleibt dabei eine entscheidende Frage: Erfolgte Wulffs Rücktritt aus politischen oder gesundheitlichen Gründen? Nur in diesen genannten Fällen steht dem Staatsoberhaupt der Ehrensold zu, im Fall anderer persönlicher Gründe sind die Bezüge nicht vorgesehen.

Politiker von Union und SPD hatten zuletzt erklärt, Wulff solle den Ehrensold erhalten. Der Verwaltungsrechtsprofessor Hans Herbert von Arnim dagegen vertritt die Auffassung, dass Wulff keinen Anspruch auf den Ehrensold hat - er sei im Kern aus persönlichen Gründen zurückgetreten.

Unklar ist derzeit auch noch, ob und wann es einen Großen Zapfenstreich für Wulff geben wird. Der Große Zapfenstreich ist das höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr, er wird unter anderem bei Verabschiedungen von Bundespräsidenten, Bundeskanzlern und Verteidigungsministern abgehalten. Derzeit gebe es noch keine terminlichen Absprachen zwischen Bundespräsidialamt und Verteidigungsressort, hieß es in dem Ministerium am Dienstag.

Im Skoda Yeti zurück nach Großburgwedel

Wulff war noch am vergangenen Freitag mit seiner Familie von Berlin in die niedersächsische Heimat zurückgekehrt. Wulffs Ehefrau Bettina steuerte den schwarzen Skoda Yeti, der einstige Bundespräsident saß auf dem Beifahrersitz, als sie nach Großburgwedel kamen. Der Kredit für das dortige Haus der Familie war vor etwas mehr als acht Wochen der Anstoß für den Beginn der Affäre Wulffs, die schließlich zum Rücktritt führte. Auch der Erwerb des Fahrzeugs könnte Wulff noch Ärger bereiten - nach SPIEGEL-Informationen hatte Wulff den Geländewagen in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident zu "Aufsichtsratskonditionen" geleast und damit möglicherweise gegen das Ministergesetz verstoßen.

Einem Bericht der Nachrichtenagentur dapd zufolge wirkte die Familie bei ihrer Ankunft in Großburgwedel sehr entspannt. Wulff und seine Frau brachen demnach in Gelächter aus, als die frühere First Lady die enge Kurve in die Garage so fuhr, dass sie den Wagen noch einmal zurücksetzen musste.

Niedersachsen-SPD reicht Verfassungsklage ein

Die Affäre wird Wulff aber wohl auch in seiner Heimat weiter beschäftigen: Die niedersächsische SPD will mit einer Verfassungsklage Licht in das umstrittene Promitreffen Nord-Süd-Dialog bringen. Der frühere Innenminister Heiner Bartling reichte die Klage der SPD-Landtagsfraktion beim Staatsgerichtshof in Bückeburg ein. Aus Sicht der Sozialdemokraten hat die Regierung den Landtag falsch über die Beteiligung des Landes am Nord-Süd-Dialog informiert.

"Die Klage richtet sich in ihrer rechtlichen Wirkung primär gegen die derzeit amtierende Landesregierung", betonte Bartling. Das aktuelle Kabinett von Wulffs Nachfolger und CDU-Parteifreund David McAllister stehe im Zentrum der Vorwürfe. Allerdings müsse das höchste niedersächsische Gericht wohl auch Wulffs Amtszeit als Ministerpräsident unter die Lupe nehmen. "Die frühere Landesregierung unter Wulff hat hier den Ursprung gesetzt", sagte Bartling.

Das Land hatte den Nord-Süd-Dialog finanziell und organisatorisch unterstützt, dies aber lange bestritten. Die aus Sicht der SPD mangelhafte Information des Parlaments sei daher "wesentlicher Punkt unserer Klage", erklärte der frühere Innenminister, der 2010 eine entsprechende Anfrage im Landtag in Hannover gestellt hatte.

hen/dapd/dpa

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insgesamt 177 Beiträge
Wulff wird den "Ehren"sold bekommen und wetten, er wird ihn auch annehmen. Darauf kann man sich bei diesen Herrschaften immer blind verlassen!
Zitat von sysopErhält Christian Wulff künftig den Ehrensold oder nicht? Gut möglich, dass sich bald ein Mann mit dieser heiklen Frage beschäftigen muss, dessen Leben durch die Wulff-Affäre eine entscheidende Wendung genommen hat: Joachim Gauck. Ehrensold-Debatte: Fußnote 8 entscheidet*über Geldsegen für Wulff - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816730,00.html)
Wulff wird den "Ehren"sold bekommen und wetten, er wird ihn auch annehmen. Darauf kann man sich bei diesen Herrschaften immer blind verlassen!
fatherted98 21.02.2012
...für Abschöpfer wie Wulff. Wenn jetzt der Ehrensold bewilligt wird, steht die ganze poltitische Klasse am Pranger...und ich hoffe die Presse wird diese Entscheidungsträger dann genauso zerrupfen wie Wulff. Es kann doch wohl [...]
...für Abschöpfer wie Wulff. Wenn jetzt der Ehrensold bewilligt wird, steht die ganze poltitische Klasse am Pranger...und ich hoffe die Presse wird diese Entscheidungsträger dann genauso zerrupfen wie Wulff. Es kann doch wohl nicht sein, dass ein BP der wegen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zurücktritt...dies aber in seiner Abschiedsrede anders darstellt ("ich habe meine polit. Ziele nicht erreichen können") dann auch noch eine lebenslange Rente von uns Steuerzahlern bekommt. Die weinerlichen Statements einiger Journalisten in dieser Frage finde ich ekelerregend...erst hat man ihn runtergeschrieben (was richtig war) dann will man ihm den Ehrensold "lassen" (gönnerhaft). So nicht meine Damen und Herren...wenn weg dann aber richtig und nicht durch den Steuerzahler subventioniert...auch wenn ihn seine Frau verlassen wird weil er ihr nix mehr bieten kann, sein Haus ihm um die Ohren fliegt und er notfalls in einer CDU Stiftung unterschlüpfen muss um noch ein Gehalt zu haben (vielleicht erbarmt sich ja Herr Rossmann mit einem Drogeriejob)...der Ehrensold ist nicht zu zahlen!
sappelkopp 21.02.2012
...Zapfenstreich geben. Ist doch gute Tradition in Deutschland, Menschen mit fragwürdigen Moralvorstellungen (siehe Guttenberg) mit allen Ehren zu verabschieden. Mit dem Ehrensold halte ich es allerdings wie Herbert von [...]
Zitat von sysopErhält Christian Wulff künftig den Ehrensold oder nicht? Gut möglich, dass sich bald ein Mann mit dieser heiklen Frage beschäftigen muss, dessen Leben durch die Wulff-Affäre eine entscheidende Wendung genommen hat: Joachim Gauck. Ehrensold-Debatte: Fußnote 8 entscheidet*über Geldsegen für Wulff - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816730,00.html)
...Zapfenstreich geben. Ist doch gute Tradition in Deutschland, Menschen mit fragwürdigen Moralvorstellungen (siehe Guttenberg) mit allen Ehren zu verabschieden. Mit dem Ehrensold halte ich es allerdings wie Herbert von Arnim, natürlich ist Wulff aus persönlichen Gründen zurückgetreten. Das noch zu belohnen, halte ich für völlig falsch. Enttäuschend, das die SPD -als einzige Oppositionspartei - da schon ja gesagt hat. Naja, wie war das mit den Krähen?
braintainment 21.02.2012
Na, da haben Sie aber romantische Vorstellungen. Bestes "aktuelles" Beispiel sind doch die selbst beschlossenen Diätenerhöhungen in NRW. Da kräht auch kein Hahn mehr nach... und schon gar nicht die Presse. Darauf [...]
Zitat von fatherted98Wenn jetzt der Ehrensold bewilligt wird, steht die ganze poltitische Klasse am Pranger...
Na, da haben Sie aber romantische Vorstellungen. Bestes "aktuelles" Beispiel sind doch die selbst beschlossenen Diätenerhöhungen in NRW. Da kräht auch kein Hahn mehr nach... und schon gar nicht die Presse. Darauf können sich die Damen und Herren Politiker wirklich verlassen!
dongiovanni25 21.02.2012
...dann müsste er selbst auf den Ehrensold verzichten. Denn, wozu soll er denn wirklich diese jährlichen 199 000 Euro erhalten, zusätzlich Chauffeur und Büro mit Sekretariat? Anders als andere verdiente BP will er doch nicht [...]
Zitat von sysopErhält Christian Wulff künftig den Ehrensold oder nicht? Gut möglich, dass sich bald ein Mann mit dieser heiklen Frage beschäftigen muss, dessen Leben durch die Wulff-Affäre eine entscheidende Wendung genommen hat: Joachim Gauck. Ehrensold-Debatte: Fußnote 8 entscheidet*über Geldsegen für Wulff - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816730,00.html)
...dann müsste er selbst auf den Ehrensold verzichten. Denn, wozu soll er denn wirklich diese jährlichen 199 000 Euro erhalten, zusätzlich Chauffeur und Büro mit Sekretariat? Anders als andere verdiente BP will er doch nicht noch öffentlich auftreten nach diesem Desaster der Amtsführung und seiner Uneinsichtigkeit in Sachen Integrität und Moral. Bei welchem Thema möchte er denn als Bundespräsident a. D. noch reden? Okay, vielleicht in Sachen Migration und Integration - dann soll er doch einem Moslemischen Verband als Vorsitzender führen, und die können ja für die Ausgaben seines Ehrenamtes aufkommen. Ich schätze aber, wenn Wulff nicht angeklagt wird, dann werden ihm alle aus der Politikkaste den Ehrensold gönnen... eigentlich ist er eine arme Sau! Sorry...
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  • Dienstag, 21.02.2012 – 17:07 Uhr
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