Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Ein Jahr Große Koalition: Lob von Gewerkschaften, Schelte von Unternehmern

Von befriedigend bis ungenügend: Ein Jahr ist die Große Koalition alt - das Urteil von Gewerkschaften und Wirtschaft über die Regierungsarbeit fällt höchst unterschiedlich aus.

Berlin - Am kommenden Mittwoch wird die Große Koalition ein Jahr alt - und die Bewertung des ersten Jahres hängt stark davon ab, wen man fragt. Aus Sicht der deutschen Wirtschaft ist die bisherige Bilanz von Schwarz-Rot misslungen: Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, kritisiert die Renten- und Energiepolitik sowie die gestiegenen Sozialausgaben.

2014 sei "ein verschenktes Jahr für mehr Zukunftsfähigkeit" gewesen, sagte Grillo der "Bild am Sonntag" (Bams). Ob Mindestlohn oder Mietpreisbremse - es sei vor allem Geld verteilt worden. "Hoffentlich versteht die Große Koalition den Warnschuss. Wenn Deutschland so weitermacht, gefährden wir unseren Wohlstand."

Er beklagte, dass die Regierung 23 Milliarden Euro im Jahr in die erneuerbaren Energien pumpe, "für eine Leistung, die am Ende zwei Milliarden Euro wert ist". Der größte Fehler sei jedoch die Rente mit 63 gewesen. "Dieser Fehler kostet viel Geld und ist das Gegenteil von dem, was wir den europäischen Nachbarn empfehlen und was uns die Altersentwicklung vorschreibt".

Vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) hingegen gab es Lob für das erste Jahr von Schwarz-Rot. Der Mindestlohn sei "ein erster Schritt für eine Neuordnung der Arbeit", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann der "Bild am Sonntag". Nun müssten Reallohnsteigerungen folgen. Der DGB-Chef gibt der Großen Koalition insgesamt "ein gutes Befriedigend, also eine 3+."

Hoffmann lobte insbesondere Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Sie moderiert gut. Und innenpolitisch hat sie einen Kurswechsel vollzogen. Von dem neoliberalen Programm 2006 ist in der Regierungspolitik nichts übrig geblieben." Nur in der Europapolitik fehle der "Mut zu einer beherzten Krisenüberwindung."

Die Deutschen liegen in ihrer Bewertung der Regierungsarbeit näher beim DGB. Einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bams" zufolge erhält die Koalition eine Durchschnittsnote von 3,3. Ein Prozent der 1000 Befragten fand die Ergebnisse "sehr gut", drei Prozent gaben die Note 6, 52 Prozent eine 3.

ala

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: