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Ein Jahr nach Wortbruch: Ypsilanti probt fürs Comeback

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Ein Brief, eine Podiumsdiskussion, ein Treffen mit der Basis: Ein Jahr nach dem Drama in Hessen rückt Andrea Ypsilanti wieder ins Rampenlicht. Während sie in der SPD noch immer für ihren Wortbruch geächtet wird, könnten sich einige Linkspolitiker die 52-Jährige gut in ihren Reihen vorstellen.

SPD-Politikerin Ypsilanti: "Wo gewollt, bringe ich gerne meine Erfahrungen ein" Zur Großansicht
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SPD-Politikerin Ypsilanti: "Wo gewollt, bringe ich gerne meine Erfahrungen ein"

Berlin - Der 4. November war ein schlimmer Tag für Andrea Ypsilanti. Es war der Tag, an dessen Ende sie Hessens Ministerpräsidentin hätte sein können. Doch vier eigene Abgeordnete verweigerten ihr aus heiterem Himmel die Gefolgschaft. Sie wurden als Aufrechte gefeiert, weil sie sich gegen einen Pakt mit der Linken stemmten. Ypsilanti aber wurde fortan geächtet. Weil sie den Pakt wollte. Obwohl sie ihn im Wahlkampf ausgeschlossen hatte.

Ein Jahr ist seitdem vergangen. Ein Jahr, in dem es ruhig war um die 52-Jährige - wenn man von der krachenden Niederlage der Hessen-SPD bei der Neuwahl am 18. Januar absieht, die sie für den Wortbruch kassierte. Jetzt, wo auch die Bundespartei in Trümmern liegt, ist sie wieder da. Ypsilanti mischt sich wieder ein. Sie sucht die politische Bühne.

Da ist zum Beispiel der Brief, den sie vor zwei Wochen öffentlich machte. Sie verzichte auf eine erneute Kandidatur für den SPD-Parteivorstand, schrieb sie darin, und schob dann Gründe hinterher, die man durchaus als Abrechnung mit der bisherigen Führungsspitze lesen konnte. "Systematisch" sei sie von dieser diskreditiert, "willkürlich und selbstgerecht" an den Rand gedrängt worden, eine "unbefangene Zusammenarbeit" sei deshalb ausgeschlossen. Beim Neuaufbau der SPD wolle sie mithelfen, wenn auch außerhalb der Gremien: "Wo gewollt und erwünscht bin ich gerne bereit, meine Erfahrungen und Erkenntnisse einzubringen."

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Ypsilantis Achterbahn-Karriere: Erst gefeiert, dann geächtet

Vergangene Woche trat sie bei einer Podiumsdiskussion in Frankfurt auf, auf der sie regelrecht gefeiert worden sei, wie es später hieß. Sie wetterte gegen die "Basta-Politik" der Regierungsjahre, verlangte mehr Mitsprache für die Basis und zeigte sich über die "Frustration in der Partei" erschüttert.

Sätze, für die sie auch am kommenden Sonntag viel Zuspruch erhalten dürfte. Dann nämlich treffen sich Teile der SPD-Basis in Kassel zu einer Tagung, von der anzunehmen ist, dass sie mit den Regierungsjahren nicht gerade zimperlich umgehen wird. 14 Thesen, die sich die Ära von Gerhard Schröder vorknöpfen, dienen als Diskussionsgrundlage, Ypsilanti wird einen Kurzvortrag halten.

"Wo, das werde ich noch sehen"

Man darf annehmen, dass es damit nicht vorbei sein wird mit Ypsilantis neuem Tatendrang. Ihr Terminkalender sei prall gefüllt, heißt es in ihrem Umfeld, so prall, dass sie derzeit nicht einmal telefonisch erreichbar sei. Und natürlich: Wann, wenn nicht jetzt, sollte sie testen, ob sie noch eine Zukunft hat in der SPD? Die designierte neue Führungsspitze gibt sich demütig, die Basis ist aufgewühlt, der Ruf nach Bündnissen mit der Linkspartei wird lauter - eigentlich ein guter Zeitpunkt für ein Comeback. Natürlich wolle sie politisch aktiv werden, sagte sie auf der Frankfurter Podiumsdiskussion. "Wo, das werde ich noch sehen."

Aber natürlich in der SPD, versicherte sie.

Dass sie tatsächlich noch mal an vorderster Front mitmischt in der Sozialdemokratie - dazu wird es nicht kommen. Jedenfalls ist es sehr schwer vorstellbar, wenn man selbst einen ehemaligen Weggefährten fragen hört: "Wer ist Ypsilanti?" In Hessen wurde sie aus allen wichtigen Gremien gedrängt, der Landesverband ist noch immer mit Aufarbeitung beschäftigt. In Berlin haben die meisten führenden Sozialdemokraten, auch vom linken Flügel, ihren Wortbruch ebenfalls nicht vergessen. Im Gegenteil: Für viele war es genau dieser Wortbruch, der den Niedergang der Bundes-SPD erst wirklich in Gang setzte, das Glaubwürdigkeitsproblem der Partei massiv verschärfte.

Linkspolitiker locken Ypsilanti

Manch einer würde sich da wohl auf die Suche nach einer neuen politischen Heimat machen und zum Beispiel in Richtung Linkspartei abwandern. Ypsilanti würde dort offene Türen einrennen. Kein Wunder: Mit einem Schlag hätte die Partei eine weibliche Identifikationsfigur, eine Politikerin mit einem Haufen Parlamentserfahrung - und das auch noch im Westen. "Natürlich würden wir uns über Frau Ypsilanti freuen", sagt der stellvertretender Linkspartei-Chef Klaus Ernst. "Sie ist eine der wenigen, die in den letzten Jahren eine Wahl gewonnen haben und die für einen echten Politikwechsel standen. Warum sollten wir sie ablehnen?" Einen Wortbruch will Ernst bei der SPD-Politikerin nicht erkennen. "Sie war eher Leidtragende der hirnrissigen Abgrenzungspolitik uns gegenüber."

"Wie unsere Geschichte zeigt, nehmen wir Sozialdemokraten, die in der Sozialdemokratie keine Heimat mehr sehen, immer gerne auf", meint auch die stellvertretende Parteivorsitzende Halina Wawzyniak und verweist auf so prominente Zugänge wir Oskar Lafontaine oder Ulrich Maurer. Und Kollegin Katja Kipping meint: "Wir würden uns über ein Neumitglied wie sie natürlich freuen."

Gespräche oder gar konkrete Abwerbungsversuche habe es allerdings noch nicht gegeben, versichern alle drei. Auch im hessischen Landtag sei man nur "kollegial" in Kontakt, sagt der dortige Linke-Fraktionschef Willi van Ooyen. "Aber sie hat richtige Politik gemacht, die wir damals unterstützten. Ablehnen würden wir sie nicht."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 35 Beiträge
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1. Todsünde
DJ Doena 04.11.2009
Warum wird eigentlich auf Ypsis "Wortbruch" so rumgehackt. Seit ich bundesrepublikanische Politik kenne, ist das nach jeder Wahl gang und gäbe. Aber auf diesem einen (weil's mit den Linken war?) wird rumgehackt als obs die zweite Todsünde nach dem Ermächtigungsgesetz gewesen wäre.
2. Ablenkung
elstevo 04.11.2009
Zitat von DJ DoenaWarum wird eigentlich auf Ypsis "Wortbruch" so rumgehackt. Seit ich bundesrepublikanische Politik kenne, ist das nach jeder Wahl gang und gäbe. Aber auf diesem einen (weil's mit den Linken war?) wird rumgehackt als obs die zweite Todsünde nach dem Ermächtigungsgesetz gewesen wäre.
Das Frage ich mich auch. Der neuste SPD-Wortbruch stammt schließlich von Matschie in Thüringen. Der ist mit dem Versprechen angetreten alles zu tun um das System Althaus abzulösen. Und jetzt hat die SPD ausgerechnet den Steigbügelhalter für Lieberknecht gemimt. Althausiger gehst ja gar nicht.
3. .
frubi 04.11.2009
Zitat von DJ DoenaWarum wird eigentlich auf Ypsis "Wortbruch" so rumgehackt. Seit ich bundesrepublikanische Politik kenne, ist das nach jeder Wahl gang und gäbe. Aber auf diesem einen (weil's mit den Linken war?) wird rumgehackt als obs die zweite Todsünde nach dem Ermächtigungsgesetz gewesen wäre.
Stimmt schon. Macht diesen Wortbruch nur auch nicht besser. Politiker lügen doch nicht. Die sagen bloß nicht immer die Wahrheit. :)
4. Alleinstellungsmerkmal
DJ Doena 04.11.2009
Zitat von frubiStimmt schon. Macht diesen Wortbruch nur auch nicht besser. Politiker lügen doch nicht. Die sagen bloß nicht immer die Wahrheit. :)
Nicht besser. Aber er hat auch kein herausstechendes Alleinstellungsmerkmal, dass diese Medienaufmerksamkeit rechtfertigt.
5. Schlechter Artikel!
japag 04.11.2009
Also, warum auf diesem Wortbruch herumgehackt wird, ist das eine. Die Aufregung hat auf jeden Fall etwas künstliches, parteipolitisch motiviertes. Insofern erwartet man ein solches herumreiten auf dem Wortbruch eher beim Focus, der Welt oder der FAZ. Mich stört an diesem Artikel allerdings vor allem etwas anderes: die Behauptung, die SPD sei bei der Hessenwahl diesen Jahres für Ypsilantis Wortbruch (und nur für diesen!) abgestraft worden, ist derart dümmlich, dass ihre Veröffentlichung im Spiegel nicht nur für den Autor persönlich eine Peinlichkeit darstellt. Sicher haben der SPD etliche ihrer Wähler nicht verziehen, dass sie vor der Wahl zu Kooperationen mit der Linkspartei eine gänzlich andere Haltung eingenommen hat als danach. Aber viele wollte den Roland Koch loswerden, viele haben von der SPD die Einhaltung ihrer inhaltlichen Wahlversprechen erwartet - und diese Inhalte hätte die SPD in großen Teilen durchaus mit der Linkspartei durchsetzen können. Und zuletzt haben viele die SPD wegen der vier Abweichler nicht wählen können - und was für hintertriebige Gesellen drei von ihnen sind, hat kürzlich ein FAZ-Journalist eindrucksvoll in einem Buch dokumentiert. Ich weiß ja nicht, welche Wahlversprechen dem Autor dieses Artikels wichtig erscheinen, aber man sollte nicht von vornherein ausschließen, dass manche Bürger ihre Wahlentscheidung an Inhalten ausrichten.
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