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Einbruch bei der Gewerbesteuer: Deutschen Städten droht der Einnahmekollaps

Dramatische Einbußen bei der Haupteinnahmequelle: Die großen Städte Deutschlands richten sich auf einen enormen Einbruch der Gewerbesteuer ein. Besonders hart getroffen - der Bankenstandort Frankfurt am Main.

Berlin - Während verschiedene Wirtschaftssektoren bereits Hoffnungen auf ein Ende der Krise hegen, schlägt die Rezession jetzt voll auf die Kommunen durch. Die Einnahmen der großen Städte aus der Gewerbesteuer werden in diesem Jahr um bis zu 40 Prozent sinken. Das ergab eine Umfrage der Zeitung "Welt am Sonntag" unter 20 der größten Städte Deutschlands.

Bankenstandort Frankfurt: Dramatischer Einbruch der Gewerbesteuer Zur Großansicht
ddp

Bankenstandort Frankfurt: Dramatischer Einbruch der Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer ist traditionell die Haupteinnahmequelle von Städten und Gemeinden. Aber auch andere Einnahmen wie der kommunale Anteil an der Einkommensteuer gehen dem Bericht zufolge in oft zweistelliger Millionenhöhe zurück. Die Kommunen müssen im kommenden Jahr mit weiteren Einbußen rechnen. Denn die Gewerbesteuer wird oft mit Verzögerung gezahlt, und der Finanzausgleich zwischen wirtschaftlich starken und schwächeren Bundesländern wird auf der Grundlage des vergangenen Jahres berechnet.

So bezieht Hannover laut "Welt am Sonntag" gewöhnlich knapp ein Drittel der Einnahmen aus der Gewerbesteuer, 2008 waren es 502 Millionen Euro. In diesem Jahr werden es voraussichtlich nur 350 Millionen Euro sein und damit 30 Prozent weniger. Mannheim rechnet mit einem Gewerbesteuer-Minus von 17 Prozent. Minus 20 Prozent werden es der Umfrage zufolge in Dresden sein, minus 24 Prozent in München, minus 30 Prozent in Duisburg und minus 40 Prozent in Frankfurt am Main. Der Deutsche Städtetag hatte Anfang Juli erklärt, bundesweit müsse mit einem Rückgang bei der Gewerbesteuer um sechs Milliarden Euro gerechnet werden. Das sei ein Minus von fast 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Auch der Arbeitsmarkt wird in den kommenden Monaten schwer in Mitleidenschaft gezogen werden, berichtet die "Wirtschaftwoche". Viele Firmen bereiten sich auf einen massiven Stellenabbau vor. Das geht aus einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts hervor. Demzufolge will ein Viertel der deutschen Unternehmen im nächsten halben Jahr die Zahl ihrer Mitarbeiter reduzieren.

In der Industrie sieht es demnach besonders schlecht aus. Dort wollen 34 Prozent der Befragten ihre Belegschaft bald verkleinern. Vor allem große Firmen planen Stellenstreichungen: Fast zwei Drittel der Betriebe mit mehr als 1000 Beschäftigten wollen Jobs abbauen.

Hoch im Kurs ist weiterhin die Kurzarbeit: Elf Prozent der Betriebe, die bereits Kurzarbeit eingeführt haben, planen, sie zu verlängern. 27 Prozent der Manager in kurzarbeitenden Unternehmen befürchten jedoch, dass die Verlängerung auf 24 Monate nicht reicht, um Entlassungen zu vermeiden. Von den Unternehmen, die noch nicht kurzarbeiten lassen, wollen zehn Prozent Kurzarbeit einführen.

beb/AP

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