Einheitsfeier in Dresden Merkel spricht trotz Pöbeleien von Tag der Freude

Pöbelnde Demonstranten haben die Einheitsfeier in Dresden gestört. Kanzlerin Merkel sprach trotzdem von einem Tag der Freude und Dankbarkeit.

Merkel und Gauck
AP

Merkel und Gauck


Angela Merkel hat am Rande der Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit zu gegenseitigem Respekt und Dialogbereitschaft aufgerufen. 26 Jahre nach der Wiedervereinigung sei der Tag der Einheit für die allermeisten Deutschen nach wie vor ein Tag der Freude und Dankbarkeit, sagte die Kanzlerin vor einem Festakt in Dresden. Es gebe aber auch neue Probleme. "Und ich persönlich wünsche mir, dass wir diese Probleme gemeinsam, in gegenseitigem Respekt, in der Akzeptanz sehr unterschiedlicher politischer Meinungen lösen, und dass wir auch gute Lösungen finden."

Sie wünsche sich auch, "dass die Menschen miteinander im Gespräch bleiben und das ganz besonders auch angesichts vieler, die gar nicht sozusagen sich um dieses Gespräch bemühen". Sie werde sich für diesen Dialog mit aller Kraft einsetzen, sagte Merkel. "Und ich weiß, dass viele, viele andere das auch tun, und denen möchte ich an diesem Tag ganz besonders danken."

Merkel, Bundespräsident Joachim Gauck und andere Gäste waren vor dem Festakt von mehreren hundert Demonstranten beschimpft und angepöbelt worden, darunter vor allem Anhänger des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses. Diese riefen "Volksverräter", "Haut ab" und "Merkel muss weg". Auch Trillerpfeifen ertönten.

Zu den Demonstranten gehörte auch der Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann. Die Gäste, die auf dem Weg zu den Feierlichkeiten waren, sahen sich einem Spießrutenlauf ausgesetzt. Die Frau des sächsischen Wirtschaftsministers Martin Dulig (SPD) brach in Tränen aus, als sie durch die aufgebrachte Menge ging. Ein dunkelhäutiger Mann, der zum Gottesdienst wollte, wurde mit Affenlauten und "Abschieben"-Rufen geschmäht.

Bundestagspräsident Norbert Lammert warb in seiner Rede für ein selbstbewusstes, weltoffenes und vielfältiges Deutschland. "Das Paradies auf Erden ist hier nicht. Aber viele Menschen, die es verzweifelt suchen, vermuten es nirgendwo häufiger als in Deutschland", sagte der CDU-Politiker beim zentralen Festakt in der Dresdner Semperoper.

Lammert monierte, dass die Deutschen das Bild ihres eigenen Landes viel zu negativ darstellten. "Wir können und dürfen durchaus etwas mehr Selbstbewusstsein und Optimismus zeigen", sagte er. Deutschland könne sich "durchaus eine kleine Dosis Zufriedenheit" erlauben, wenn nicht sogar ein Glücksgefühl.

als/dpa



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