Einheitsfeiern Kohl wäre nur im Regierungs-Jet gekommen

Altbundeskanzler Helmut Kohl ist den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls offenbar nicht ausschließlich aus gesundheitlichen Gründen ferngeblieben. Nach SPIEGEL-Informationen verweigerte das Kanzleramt dem Einheitskanzler einen Jet der Flugbereitschaft - Kohl sagte ab.

Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU): Mobil nur mit der Flugbereitschaft?
dpa

Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU): Mobil nur mit der Flugbereitschaft?


Berlin - Das Fehlen von Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) beim Empfang des Bundespräsidenten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls hat andere Gründe als offiziell angegeben.

Bislang hatte es geheißen, Kohl habe lediglich aus gesundheitlichen Gründen nicht an dem Festakt teilnehmen können. Tatsächlich aber hat ihm SPIEGEL-Informationen zufolge Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) den Wunsch abgeschlagen, die Flugbereitschaft in Anspruch nehmen zu dürfen. Kohls Büro hatte im Kanzleramt angefragt, ob dem Altkanzler am 9. November eine Regierungsmaschine zur Verfügung gestellt werden könne.

Er sei gesundheitlich zu angeschlagen, um mit dem Auto von Oggersheim nach Berlin zu reisen oder einen herkömmlichen Linienflug zu nehmen. Das Kanzleramt prüfte die Anfrage, sah sich aber außerstande, dem Wunsch zu entsprechen, da Kohl nach den Richtlinien der Flugbereitschaft nicht zum Kreis der Anspruchsberechtigten zähle. Überlegungen, einen Anspruchsberechtigten zum Abholen zu schicken und die Kosten an die CDU weiterzureichen, wurden nicht weiter verfolgt.

Bei den Festlichkeiten in Berlin bedauerte Bundespräsident Horst Köhler vor zahlreichen Staatsund Regierungschefs die Abwesenheit des Altkanzlers ausdrücklich und überbrachte dessen "herzliche Grüße".

Nur zuvor war Kohl jedoch noch zweimal in Berlin aufgetreten: Einmal am 31. Oktober zum Treffen der "Einheitsväter" mit George Bush und Michail Gorbatschow, das andere Mal am 2. November zur Präsentation einer Sonderedition des Bildbands "Die Mauer". Er wirkte bei beiden Terminen sichtlich von seiner Krankheit gezeichnet.

In der vergangenen Woche gab Köhler zu Ehren Kohls im Schloss Bellevue ein Abendessen im Beisein vieler Weggefährten, um dessen Leistung für die deutsche Einheit im Jubiläumsjahr zu würdigen. In die Öffentlichkeit trat Kohl zuletzt im Rahmen der Bambi-Verleihung am 26. November: Ex-Finanzminister Theo Waigel (CSU) hatte den Altbundeskanzler in seinem Heim besucht, um dort eine Laudatio auf Kohl zu halten und ihm einen Bambi für sein Lebenswerk zu überreichen. Kohl nahm die Auszeichnung entgegen und sagte im Anschluss einige Dankesworte, wirkte aber auch hier merklich angeschlagen. Er hatte offenkundig Mühe zu sprechen und nahm den Preis in einem Rollstuhl sitzend entgegen.

Im Jahr 2008 hatte Kohl bei einem Sturz in seinem Wohnhaus in Ludwigshafen eine schwere Kopfverletzung erlitten, die in der Heidelberger Universitätsklinik behandelt werden musste.

cis



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