CCS-Technologie Bund erlaubt umstrittene CO2-Speicherung

Nach langem Streit haben sich Bundestag und Bundesrat auf die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid geeinigt. Laut dem Kompromiss soll deutlich weniger verpresstes Gas gespeichert werden als geplant. Greenpeace kritisierte den Deal scharf.

Protest gegen CCS-Technologie (März 2011): Kompromiss nach langem Streit
dapd

Protest gegen CCS-Technologie (März 2011): Kompromiss nach langem Streit


Berlin - Nach monatelangen Verhandlungen gibt es eine Einigung über die unterirdische Speicherung von klimaschädlichem Kohlendioxid in Deutschland. Der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat beschloss am Mittwochabend einen Kompromiss. Demnach soll die verpresste CO2-Menge auf 1,3 Millionen pro Jahr und Speicher begrenzt werden - zunächst waren drei Millionen Tonnen geplant.

Insgesamt darf die Höchstspeichermenge in Deutschland 4 Millionen Tonnen nicht überschreiten. Ursprünglich war eine jährliche Speichermenge von drei Millionen und eine Gesamtspeichermenge von acht Millionen Tonnen Kohlendioxid vorgesehen.

Zudem gibt es eine Länderklausel, mit der Bundesländer unter bestimmten Bedingungen Speicher in ihrem Gebiet verhindern können. Schleswig-Holstein und Niedersachsen hatten darauf gedrungen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die überraschende Einigung im Vermittlungsausschuss für unterirdische Kohlendioxid-Speicher in Deutschland scharf kritisiert. "Mit dem Kompromiss soll eine längst tote Technologie wiederbelebt werden", sagte Greenpeace-Energieexperte Gerald Neubauer.

In der Energiebranche wird der CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) wegen allgemeiner Bedenken und Proteste trotz der Einigung wenig Aussicht auf Erfolg in Deutschland vorausgesagt. Eine Regelung ist aber wichtig, damit Zuschüsse etwa für den Neubau von Kohlekraftwerken fließen können - EU-Beihilfeleitlinien fordern eine CCS-Regelung. Die Bundesregierung hätte gerne eine Regelung ohne Ausstiegsklauseln gehabt.

Die CCS-Technik soll verhindern, dass das klimaschädliche CO2 in die Atmosphäre gelangt, wo es die Erderwärmung beschleunigt. Kraftwerksbetreiber und Teile der Politik sehen darin die Chance, eine auf Kohlekraft basierende Energieversorgung umweltfreundlicher zu machen.

In der Industrie oder bei Kohlekraftwerken wird CO2 abgefangen und per Pipeline in unterirdische Speicher verpresst. Bürger fürchten aber ein unkontrolliertes Entweichen des Gases.

CCS-Pilotprojekte in Deutschland stießen bislang vor allem bei Anwohnern und Umweltverbänden auf Widerstand. Ein Gesetz, das die Erprobung des Verfahrens regeln sollte, wurde im vergangenen Jahr vom Bundesrat gestoppt. 2011 hatte Vattenfall den Bau einer Pilotanlage im brandenburgischen Jänschwalde aufgegeben.

fab/AFP/dpa



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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
tailspin 28.06.2012
1. Wo Politiker anfangen zu denken, waechst kein ...
Zitat von sysopdapdNach langem Streit haben sich Bundestag und Bundesrat auf die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid geeinigt. Laut dem Kompromiss soll deutlich weniger verpresstes Gas gespeichert werden als geplant. Greenpeace kritisierte den Deal scharf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,841377,00.html
Sollen sie mal machen, die CO2 Speicherung. Damit die Lager wieder voll werden, versteht sich. Woanders werden natuerliche unterirdische CO2 Quellen wie in Jackson/ Missisippi oder auch industrielle CO2 Quellen angezapft, um die Softdrinks damit anzureichern. Fuer den Sprudel im Sprudel. Ich arbeite fuer eine industrielle Gasfirma, die kuerzlich festgestellt hat, dass sie jeden Tag eine Milliarde Menschen bedient. Menschen, die das muehsam gespeicherte CO2 einfach wieder rausruelpsen. Ein wunderbares Geschaeft, bei dem sich jeder gut fuehlt.
blub2blub 28.06.2012
2.
Wir haben ja noch nicht genug Endlagerprobleme...
sons.of.liberty 28.06.2012
3. Pest und Cholera
Ich hoffe die Leute denken irgendwann mal daran wie zuverlässig die Politiker sind wenn sie sich auf Ihrem Wahlzettel zwischen SPD und CDU entscheiden müssen ...
antilobby 28.06.2012
4.
Wenn nicht einmal in Fässern eingeschlossene, radiologische Abfälle aus Forschungsinstituten und Krankenhäuser sicher gelagert werden können, wie kann man Gas unbegrenzt Endlagern? Schließlich hat CO2 keine Halbwertszeit und wird auch nach 1 Mrd. Jahren Menschen und Tiere ersticken wenn sie unkontrolliert dem Lager entweicht.
Morgul 28.06.2012
5.
CO2-Speicher kann nur Klimahysterikern einfallen. Ich würde die Speicher mit künstlichem Methan (Wasserstoffmethanisierung) voll machen. Das wären die Energiespeicher der Zukunft. Aber auf mich hört ja keiner bzw. dann wenn es zu spät ist.
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