Einigung in Spitzenrunde Jeder Bürger muss über Organspende nachdenken

Die Spitzen von Bundestag und Regierung haben sich geeinigt: Jeder Bürger soll zumindest einmal im Leben mit der Frage konfrontiert werden, ob er zur Organspende bereit ist. Die Politik hofft so, die Zahl der Freiwilligen deutlich zu erhöhen.

Von

Transplantationsoperation (in Großbritannien): Mehr Spender durch Entscheidungslösung?
Getty Images

Transplantationsoperation (in Großbritannien): Mehr Spender durch Entscheidungslösung?


Berlin - Die Spitzen der Bundestagsfraktionen und die Bundesregierung haben ihren Streit über eine gesetzliche Neuregelung zur Organspende beigelegt. In einem Gespräch auf Einladung von Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) und seinem SPD-Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier einigten sie sich am Donnerstagmorgen, die bisher geltende Zustimmungslösung durch die sogenannte Entscheidungslösung ersetzen zu wollen. Ein entsprechender fraktionsübergreifender Gruppenantrag soll in den Bundestag eingebracht werden. Geplant ist, das Transplantationsgesetz noch in der ersten Jahreshälfte 2012 zu ändern. An dem Spitzengespräch nahm auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) teil.

Die Entscheidungslösung sieht vor, dass jeder Bürger zumindest einmal in seinem Leben, möglichst aber regelmäßig mit der Frage nach der Bereitschaft zur Organspende konfrontiert wird. Die Abfrage solle geschehen "mit so viel Nachdruck wie möglich, ohne jedoch eine Antwort zu erzwingen oder Sanktionen auszuüben", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der gesundheitspolitischen Sprecher der fünf Fraktionen. Durch das neue Vorgehen solle "die Informationen über das und die Konfrontation mit dem Thema regelmäßiger und strukturierter als bisher erfolgen".

Die Beantwortung der Frage nach der Spendebereitschaft solle "absolut freiwillig" bleiben, heißt es aus Koalitionskreisen. Die Erklärung könne demnach auch verweigert werden. Wann der Bürger die Entscheidung treffen soll, ist noch unklar. Denkbar sei, dass die Krankenkassen ihre Versicherten dafür anschreiben und dem Schreiben entsprechende Informationen sowie einen Organspendeausweis beilegen. Auch eine Erklärung im Zusammenhang mit der Einführung der neuen Gesundheitskarte sei eine Möglichkeit, heißt es.

"Ich bin froh, dass wir heute eine Verständigung erzielen konnten", sagte Unionsfraktionschef Kauder SPIEGEL ONLINE. "Mit dieser neuen Regelung wird eine wichtige Voraussetzung geschaffen, dass die Zahl der Organspenden in Deutschland steigen wird." Kauder hatte das Thema gemeinsam mit Steinmeier vorangetrieben. Der SPD-Fraktionschef hatte im Sommer 2010 selbst seiner Frau eine Niere gespendet. "Die Politik steht in der Pflicht", sagte Steinmeier. "Dass nun darüber Einigkeit besteht, dass die Einvernehmenslösung durch die Entscheidungslösung ersetzt wird, ist gut."

Jährlich warten in Deutschland etwa 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Rund 1000 von ihnen sterben, weil eine geeignete Niere, Leber, Lunge oder ein Spenderherz nicht zur Verfügung stehen. Laut Umfragen sind viele Menschen zu einer Spende nach ihrem Tod bereit, haben aber keinen Spenderausweis ausgefüllt. Nach der bisher gültigen Zustimmungslösung dürfen einem Menschen aber nur dann Organe entnommen werden, wenn er seine Zustimmung selbst vor seinem Tod in einem Spendeausweis festgehalten hat oder seine Angehörigen einer Organentnahme nach seinem Tod zustimmen.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 208 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Haraxa 24.11.2011
1. Multiplikatoren
Ich habe bereits mehrere Leute zu einem Ausweis gebracht. Dazu war eine halbe Stunde vertrauensvolle Diskussion PLUS ein Ausweis zum zuhause ausdrucken/ ein bereits vorrätiger Ausweis nötig. Meiner Meinung ist eine einmalige Frage weniger dazu geeignet. Es wird die Anzahl erhöhen, aber wohl nicht signifikant. Sich darauf auszuruhen würde allerdings zu Schwarz/gelb passen. Besser wäre es Multiplikatoren im Nahbereich einzusetzen, d.h. bereits vorhandene Spender zu motivieren Diskussionen im Freundes- und Familienkreis zu führen. Unterstützend könnte man auch Ogranempfänger stärker ermuntern die Vorzüge wirksamer zu vertreten.
wolf-wolf 24.11.2011
2. Die einzige richtiger Lösung ist..............
Zitat von sysopJeder Bürger soll künftig einmal im Leben mit der Frage konfrontiert werden, ob er zur Organspende bereit ist. Darauf hat sich eine Spitzenrunde von Bundestagsfraktionen und Regierung geeinigt. Die Politik hofft so, die Zahl der Organspender deutlich steigern zu können. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,799665,00.html
Die einzige richtiger Lösung ist wen man grundsätzlich alle als Organspender betrachtet mit der Möglichkeit es persönlich zu Verwiegern. Ich werde aber in diesem Fall die Leute nur dann ein Organ zu „Verfügung“ stellen wen es zu viele sind und keiner aus der Liste die sind bereit zu spenden im braucht!!
topomoos, 24.11.2011
3. Organspende und Zwei-Klassen-Medizin
Ich bin nicht zur Organspende bereit, bevor nicht das Grundübel der Zwei-Klassen-Medizin in diesem Land beseitigt ist. Zumindest sollte ich als Kassenpatient festlegen können, dass meine Organe im Falle eines Falles nur anderen Kassenpatienten zur Verfügung gestellt werden. Es kann nicht sein, dass man als GKV-Patient jahrelang wie der letzte Dreck behandelt wird und dann nach dem Tode auch noch zum Wohl der ohnehin Privilegierten ausgeschlachtet wird.
MtSchiara 24.11.2011
4. eine gutes und überfälliges Gesetz
Eine gutes und überfälliges Gesetz. Zusätzlich sollten Organspender als Organempfänger bei gleicher Eignung in der Warteliste Nicht-Organspendern gegenüber bessergestellt werden.
Reqonquista 24.11.2011
5. Einfacher Weg
Zitat von sysopJeder Bürger soll künftig einmal im Leben mit der Frage konfrontiert werden, ob er zur Organspende bereit ist. Darauf hat sich eine Spitzenrunde von Bundestagsfraktionen und Regierung geeinigt. Die Politik hofft so, die Zahl der Organspender deutlich steigern zu können. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,799665,00.html
Es gibt einen einfachen Weg um die Zahl der Organspender zu erhöhen. Derjenige der sich zur einer Spende bereit erklärt, wird im Zweifelsfall auch eher ein Organ bekommen, wenn er eins benötigt. Das würde schnell die Zahl der potent. Spender erhöhen und wäre auch gerecht!!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.