Infografik der Woche Jeder fünfte Deutsche hat Wurzeln im Ausland

Wird Deutschland nun zum Einwanderungsland? Nein, denn das ist es längst. Millionen Zugewanderte haben hier bereits eine neue Heimat gefunden. Unsere Infografik der Woche zeigt den Vergleich.


Statista, SPIEGEL ONLINE

Eine Zahl taucht in der aktuellen Flüchtlingsdebatte derzeit besonders häufig auf: Bis zu 800.000 Menschen sollen in diesem Jahr in Deutschland Zuflucht suchen, die meisten werden einen Asylantrag stellen - so die Prognose des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) vor einigen Tagen. Seitdem wird diskutiert: Kann Deutschland einen solchen Zustrom bewältigen, auch über mehrere Jahre?

Natürlich bedeuten 800.000 Flüchtlinge eine große Herausforderung, zumal viele von ihnen schwer traumatisiert in Deutschland ankommen. Jedoch fehlt der Prognose die dringend notwendige Einordnung: Deutschland hat derzeit 81 Millionen Einwohner, also hundertmal so viele - und Millionen von ihnen sind selbst eingewandert oder haben Wurzeln im Ausland.

Wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt, leben in Deutschland 16,4 Millionen Menschen, die selbst oder deren Eltern zugewandert sind oder als Ausländer hier geboren wurden. Einen solchen Migrationshintergrund hat also jeder Fünfte. Jeder Siebte ist selbst aus dem Ausland zugewandert, insgesamt 10,9 Millionen Menschen. Das zeigt eine Hochrechnung des Statistischen Bundesamts auf Basis des Mikrozensus 2014.

Unter den Zugewanderten leben die meisten schon länger als 20 Jahre in Deutschland. Immerhin 1,7 Millionen sind vor weniger als 6 Jahren eingewandert - allerdings nicht in alle Bundesländer gleichermaßen: Die Unterschiede sind deutlich, insbesondere zwischen Ost- und Westdeutschland. Während in den Stadtstaaten, in Hessen und Baden-Württemberg überdurchschnittlich viele Menschen Wurzeln im Ausland haben, sind es in Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt besonders wenige.

Wie wird der Migrationsstatus erhoben?
Die Zahlen des Statistischen Bundesamts basieren auf dem Mikrozensus 2014, einer Befragung von rund einem Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Aus dieser Stichprobe lassen sich mittels einer Hochrechnung Aussagen über die Gesamtbevölkerung herleiten.
Was bedeutet Migrationshintergrund konkret?
Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund besteht aus den seit 1950 nach Deutschland Zugewanderten und deren Nachkommen sowie der ausländischen Bevölkerung. Ob eine Person im Inland oder Ausland geboren wurde, ist dabei nicht entscheidend. Kindern von Spätaussiedlern oder Eingebürgerten wird auch dann ein Migrationshintergrund zugeschrieben, wenn nur ein Elternteil zugewandert ist oder eingebürgert wurde.
Und was heißt Migrationserfahrung?
Wer selbst nach Deutschland zugewandert ist, wird in der Statistik als "Person mit Migrationserfahrung" bezeichnet. Zu dieser Gruppe gehörten 2014 zwei Drittel aller Personen mit Migrationshintergrund.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf unserer Themenseite.

che



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insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
Phil2302 09.09.2015
1.
Ehm, es gibt einen Unterschied zwischen Zuwandern und Asyl beantragen. Einen sehr großen sogar.
Leser161 09.09.2015
2. Viel zu niedrig
Man bedenke die indogermanische Wanderung, damit kommen wir auf 100%!. Was ich sagen will, solche Rechnungen sind doch völlig Banane. Es kommt darauf an in wie weit sich jemand als Deutscher fühlt und auch so verhält. Nur das kann man jetzt nicht so toll messen.....
rohanseat 09.09.2015
3. Wie alle
statistiken ist auch dieses falsch.-Besonders nach dem WK II wind viele menschen aus fremden ländern bei uns hängen geblieben.-Diese waren zunächst "staatenlos" und wurden dann zu "deutschen" gemacht.Da beginnt also schon der fehler.-Das habe ich in meiner eigenen familie.Frau mit wurzeln aus Yugoslavien,in deutschland geboren staatenlos, deutsche geworden und der sohn von uns ???Als 100% deutsch gerechnet??
Endlager 09.09.2015
4.
Zitat von Leser161Man bedenke die indogermanische Wanderung, damit kommen wir auf 100%!. Was ich sagen will, solche Rechnungen sind doch völlig Banane. Es kommt darauf an in wie weit sich jemand als Deutscher fühlt und auch so verhält. Nur das kann man jetzt nicht so toll messen.....
Was für eine "indogermanische Wanderung"? Die Herkunft der Indogermanen ist nach wie vor nicht geklärt, die Germanen selbst sind aber wohl im heutigen Norddeutschland "entstanden". „Anatolien war nicht Ur-Heimat der indogermanischen Stämme“ Die These der neuseeländischen Forscher Gray und Atkinson uber die Herkunft unserer Sprache ist unhaltbar. Das stellt Prof. Jürgen Udolph klar. Der Onomastiker (Namenforscher) der Universität Leipzig ist der einzige Professor auf diesem Fachgebiet in Deutschland. Anhand der Verbreitung uralter Orts- und Gewässernamen hat er außerdem herausgefunden, daß die Germanen nicht aus Skandinavien kamen und die Ausbreitung der Kelten weithin uberschätzt wird. (...) Die Germanen kamen nicht aus Skandinavien sondern aus Niedersachsen. (...) http://eurasischerverlag.de/artikel/?artikelID=20040313
drent 09.09.2015
5. Noch schlimmer
Jeder zwanzigste Bayer hat Wurzeln in Preußen :-)
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