Gabriels Schlagabtausch im "heute journal" "Lassen Sie uns diesen Quatsch beenden!"

Es war geplant als Interview über den Mitgliederentscheid der SPD zur Koalition, es wurde ein offener Schlagabtausch vor dem TV-Publikum. Im "heute journal" krachte es gewaltig zwischen SPD-Chef Gabriel und Moderatorin Slomka.

SPD-Chef Sigmar Gabriel: "Lassen Sie uns diesen Quatsch beenden"
Getty Images

SPD-Chef Sigmar Gabriel: "Lassen Sie uns diesen Quatsch beenden"


Mainz - Gerade hatte Sigmar Gabriel die erste Konfrontation mit den schwarz-rot-skeptischen SPD-Mitgliedern in Hessen hinter sich, da musste er sich schon der nächsten Debatte stellen: Bei einer direkten Schalte ins "heute journal" lieferte sich der SPD-Chef ein Wortgefecht mit Moderatorin Marietta Slomka. In dem Interview ging es um das Mitgliedervotum und den Widerstand der Basis gegen ein Bündnis mit der Union (Hier können Sie die komplette Sendung ansehen, das Schaltgespräch beginnt nach sieben Minuten, Mobilnutzer sehen das Interview hier bei YouTube.)

Schon bei der ersten Frage Slomkas nach der fehlenden Zustimmung zur Großen Koalition reagiert Gabriel offensiv: "Dann müssen Sie hier eben nicht zugehört haben, wenn Sie diese Meinung haben. Das hat man vielleicht in Mainz nicht hören können." Die Debatte mit den Mitgliedern in Hessen sei eine "fröhliche Veranstaltung" gewesen.

Slomka spricht die Problematik an, dass nun eine halbe Million SPD-Mitglieder über die Zukunft Deutschlands entscheiden. Auf die Frage, ob er sich vorab verfassungsrechtliche Gedanken über den Basisentscheid gemacht habe, sagt Gabriel: "Nee, weil es ja auch Blödsinn ist." Slomka lässt nicht nach und hinterfragt die Verfassungsmäßigkeit des Entscheids. Gabriel bleibt stur: "Seien sie mir nicht böse, Frau Slomka, aber ich kann diese Argumente nicht ernst nehmen."

Beide fallen sich danach gegenseitig ins Wort. Gabriel reagiert gereizt: "Tun Sie mir einen Gefallen, und lassen Sie uns diesen Quatsch beenden!" Doch es geht weiter: Slomka insistiert, dass von seriösen Verfassungsrechtlern diskutiert wird, ob es rechtens ist, dass die SPD-Mitglieder über den Koalitionsvertrag entscheiden. Gabriel weist das zurück: Er kenne keinen Verfassungsrechtler, der sich dieser Debatte öffentlich stellt. "Frau Slomka, das stimmt nicht, was Sie sagen!" "Doch, das können Sie nachlesen!"

Zu diesem Zeitpunkt scheint ein sachliches Gespräch kaum noch möglich. "Sie sagen, das ist Quatsch, das ist jetzt eine besondere Form der Argumentation", erklärt Slomka. Das will sich Gabriel nicht gefallen lassen und kritisiert offen Slomkas Interviewführung: "Das wird ja nicht besser, Frau Slomka, wenn wir uns gegenseitig so behandeln." Dann legt er nach: "Es ist nicht das erste Mal, dass Sie in Interviews mit Sozialdemokraten nichts anderes versuchen, als uns das Wort im Mund umzudrehen." Da muss sogar Marietta Slomka einmal kurz durchatmen: "Herr Gabriel, Sie werden mir jetzt bitte nichts unterstellen!"

Nachdem der SPD-Chef noch süffisant verkündet, man müsse ja nicht immer einer Meinung sein, beendet Slomka den Schlagabtausch: "Herr Gabriel, danke für das Gespräch." Der lächelt gequält. Als er schon aus dem Bild ist, ertönt ein spitzes "Bitte!".

mia/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 1055 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
smst0123 29.11.2013
1. Top!
Meine Stimme hat er!
mamuschkaone 29.11.2013
2.
Da hat er aber auch recht! Was soll daran verfassungswidrig sein, wenn die spd entscheidet, ob die SPD -Fraktion in eine große Koalition geht. Es wäre ja auch nicht verfassungswidrig wenn die SPD-spitze nach gescheiterten koalitions- oder Sondierungsgesprächen zu diesem Schluss gekommen wäre.
Entropie 29.11.2013
3.
Eine Moderatorin des ZDF sollte schon souveräner auftreten können.
dweik01 29.11.2013
4. Konstruierter Demokratieverstoß
Ja, nur rd 400.000 SPDler entscheiden, ob es die große Koalition gibt. Das sind aber mehr als diejenigen, die bei CDU und CSU darüber befanden! Da ist die SPD demokratischer. In der Tat, dadurch können auch die nicht in der Wahl legitimierten SPDler mitentscheiden, während die ganz wenigen CDUler ja alle als MdB's legitimiert sind. Daraus ein Zweiklassenwahlrecht zu machen, ist allerdings konstruiert. Wenn die CSU jetzt den Vertrag mangels Festlegung, daß die Maut definitiv kommt, ablehnen würde oder die CDU sich später nicht an Vereinbarungen zum Mindestlohn hält, wenn deren Führung in einem Parteitag abgestraft würde, dann würde auch kein Verfassungsrechtler aus dem Quark kommen (oder ein Hahn krähen), weil das undemokratisch wäre. Deswegen gibt es die Willensbildung in Parteien. Dann hätten eben nur demokrtische Parteien keine Mehrheit gefunden. Da kann man schon nachvollziehen, das Gabriel sauer auf eine insistierende Slomka war, wenngleich er sich mit dem Wort "Quatsch" wohl eher selbst mehr geschadet hat, weil er sich ganz besonders "wichtig" nehmende Personen zum Feind gemacht hat. Aber da muß er halt durch.
Kaiserp 29.11.2013
5. optional
Von einem Parteivorsitzenden erwarte ich etwas mehr Beherrschung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.