Botswana-Reise: Elefantenjagd bringt thüringischem Spitzenbeamten Ärger

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Im Kollegenkreis brüstete sich ein Spitzenbeamter des thüringischen Umweltministeriums mit seiner Elefantenjagd. Die Tötung des Dickhäuters in Botswana soll nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sehr unfachmännisch abgelaufen sein: Mehr als 20 Schüsse habe der Mann dafür gebraucht.

Thüringischer Spitzenbeamter: Von Erfurt zur Elefantenjagd Fotos

Erfurt/München - Für Udo Wedekind war die Urlaubsreise nach Afrika im vergangenen Dezember ein voller Erfolg. Der Stolz des Spitzenbeamten im thüringischen Umweltministerium reichte so weit, dass er auch ausgewählte Kollegen an seinem Jägerglück teilhaben lassen wollte. "Anbei vier Bilder von 'meinem' Elefanten", den er am 6. Dezember in Botswana erlegt habe, schrieb er in einer Mail. Damit sich die Adressaten einen Eindruck von Wedekinds Großwildjäger-Qualitäten machen konnten, schickte er im Anhang vier Fotos mit.

Darauf ist Wedekind unter anderem zu sehen, wie er hinter dem erlegten Elefanten kniet, das Gewehr hält er dabei in seinen Händen. Auf einem anderen Bild lehnt die Waffe am toten Elefanten, der Beamte hebt seine rechte Hand zum Gruß. Die Jagd sei "körperlich sehr anstrengend" gewesen, heißt es in der Mail - aber das Resultat war nach Auffassung von Wedekind mehr als respektabel: "Geschätztes Lebendgewicht: 3 Tonnen. Länge der Stoßzähne außerhalb des Körpers: 72 und 69 cm".

Mehr als 20 Schüsse bis zum Tod des Elefanten?

Die Prahlerei des Zentralabteilungsleiters stieß offenbar nicht bei allen informierten Kollegen im Erfurter Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz auf Begeisterung. Vielleicht hielt es der ein oder andere auch schlichtweg für unpassend, dass Wedekind Beifall für seine Großwildjagd suchte, obwohl er doch in Diensten eines Ministeriums steht, das eben auch für den Artenschutz zuständig ist. Jedenfalls landete Wedekinds Mail über Umwege in mehreren Redaktionen von Verlagshäusern, auch SPIEGEL ONLINE liegt sie vor. In thüringischen Medien ist der Fall inzwischen ein großes Thema, die Opposition reagierte empört auf das Gebaren des Beamten von Minister Jürgen Reinholz (CDU).

Unangenehm könnte die Angelegenheit für Wedekind auch deshalb werden, weil die Jagd in Botswana nach Informationen von SPIEGEL ONLINE recht unfachmännisch abgelaufen sein soll. Es dauerte offenbar sehr lang, bis der Elefant tot war. Mehr als 20 Schüsse soll Wedekind auf das Tier abgegeben haben, bis es endlich erlegt war. Der angeschossene Elefant soll dabei längere Zeit versucht haben zu flüchten. Dies habe Wedekind in seinem Kollegenkreis erzählt, sagte der Linken-Politiker Bodo Ramelow, Oppositionsführer im thüringischen Landtag, SPIEGEL ONLINE. Er berief sich dabei auf Ministeriumskreise.

"Koloniale Manier"

Normalerweise ist es üblich, dass ein verletztes Tier bei der Jagd mit einem gezielten und tödlichen Notschuss von seinen Schmerzen befreit wird. Dies gelang Wedekind offenbar zunächst nicht.

Wedekind war für eine Anfrage am Sonntag nicht erreichbar. Auch ein Ministeriumssprecher äußerte sich nicht. Er verwies darauf, dass Minister Reinholz zuletzt keinen Grund gesehen habe, den Fall zu kommentieren. Wedekind sitzt in dem Ministerium an wichtiger Stelle - in der Hierarchie folgt er direkt hinter dem Minister und dem Staatssekretär.

Rein rechtlich muss sich der Spitzenbeamte keine Vorwürfe machen: Die Elefantenjagd war in Botswana im Dezember für Touristen noch erlaubt, sie wurde erst zum 1. Januar dieses Jahres verboten. Ganz anders verhält es sich mit der Frage, ob das Verhalten Wedekinds eines leitenden Beamten würdig war, auch wenn es sich um eine private Reise handelte. Die Empörung bei der Opposition ist jedenfalls groß: Anja Siegesmund, Grünen-Fraktionschefin im thüringischen Landtag, sprach von einer "Last-Minute-Trophäenjagd", die "besonders abscheulich" sei. Umweltminister Reinholz müsse überprüfen, ob der Beamte in seiner Position "noch tragbar" sei.

Linken-Politiker Ramelow forderte den Minister auf, unverzüglich "beamtenrechtlich zu handeln". Die Fotos von der Elefantenjagd würden Assoziationen "vom weißen Mann" hervorrufen, der "sich in kolonialer Manier vor der erlegten Beute in Pose bringt", sagte Ramelow SPIEGEL ONLINE. Der Abteilungsleiter habe dem Ministerium und dem Ansehen des Amtes "schweren Schaden zugefügt". Sollte Umweltminister Reinholz nicht umgehend handeln, werde die Linke so lange nachhaken, "bis die Menschen wieder Vertrauen fassen können".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 225 Beiträge
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1. das ist
ericcc 02.02.2014
ja auch richtig mutig und männlich einem wehrlosen Tier in den Kopf zu schiessen. Ist das ein bedauernswerter Typ. Ich kann nur hoffen, dass er dafür richtig bezahlen muss. Diese Schwachköpfe sterben einfach nicht aus.
2. Unglaublich!
Chipslette 02.02.2014
Zitat von sysopIm Kollegenkreis brüstete sich ein Spitzenbeamter des thüringischen Umweltministeriums mit seiner Elefantenjagd. Die Tötung des Dickhäuters in Botswana soll nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sehr unfachmännisch abgelaufen sein. Jetzt gerät der Mann zunehmend unter Druck. Elefantenjagd in Botswana: Thüringischer Spitzenbeamter unter Druck - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/elefantenjagd-in-botswana-thueringischer-spitzenbeamter-unter-druck-a-950678.html)
Ich habe von dem Fall im Fernsehen gehört und war total entsetzt! Was hat so jemand im Umweltministerium zu suchen??? Ich hoffe doch sehr, dass er sein Amt abtreten muss und irgendwohin versetzt wird, wo er wirklich keinen Schaden anrichten kann. Kann doch nicht sein, dass ein Angestellter des Staates ein Tier erlegen darf, dass unter Naturschutz steht, oder???
3. und?
polarwolf14 02.02.2014
Was geht das irgendein Deutschen an? Er hat nen Elefanten geschossen. Okay. Daraus jetzt ein Drama zu machen ist angesichts der tausenden geschlachtetn Tiere in Deutschland doppelmoralisch. Soll er doch, ist sein Gewissen.
4. Grosswildjagd
darthmax 02.02.2014
eigentlich nur peinlich, pikant, dass der Beamte auch noch im Tmeltschutz beschäftigt ist. So ein Elefantenabschuss soll auch richtig teuer sein, in Thüringen verdient man wohl sehr gut.
5. Für einen Beamten im Umweltministerium …
lokisflatmate 02.02.2014
… ist das untragbar, auch wenn es formal nicht illegal war. Der Herr sollte vielleicht ermutigt werden, den Job zu wechseln.
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