Berlin - Die elf Landesfamilienminister von SPD und Grünen lehnen das von der Koalition geplante Betreuungsgeld geschlossen ab. Sie wollen im Bundesrat einen entsprechenden Entschließungsantrag stellen. "Die Einführung eines Betreuungsgeldes ist verfehlt, weil es dazu führt, dass Familien auf ihren Rechtsanspruch der Kindertagesförderung verzichten", heißt es dazu in einer gemeinsamen Erklärung der Länder, die am Freitag bekannt wurde. Weniger statt mehr frühe Bildung sei die Folge, kritisieren die Minister darin.
Die Mitteilung ist von den Familien-, Sozial- oder Bildungsministern der Länder Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen unterschrieben. In Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern regieren CDU und SPD gemeinsam.
Das Betreuungsgeld stelle keine Wahlfreiheit her, heißt es in der Erklärung der elf Minister weiter. Die könne erst dann entstehen, wenn ausreichend Kindertageseinrichtungen zur Verfügung stünden. Zudem machen die Minister rechtliche Bedenken geltend und bezweifeln, dass der Bund wegen der föderalen Rechtsordnung überhaupt eine Gesetzgebungskompetenz für das Betreuungsgeld habe.
Auch müsse nicht nur der Bund jährlich 1,2 Milliarden Euro für diese verfehlte Leistung aufbringen, sondern auch die Länder würden belastet: Sie hätten die Kosten für die Umsetzung zu tragen. Allein in den elf Ländern müssten dazu mehr als 300 neue Personalstellen geschaffen werden.
Die schwarz-gelbe Bundesregierung und Koalition halten ihren Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld im Bundesrat für nicht zustimmungspflichtig. Hamburg prüft bereits eine Verfassungsklage. Am 14. September ist eine Anhörung zum Betreuungsgeld im Bundestag.
Die jugendpolitische Sprecherin der Linken, Diana Golze, bezeichnete die Erklärung der elf Minister als "ein deutlichen Schuss vor den Bug" der Koalition. "Die Teilnahme von Bundesländern an dieser Bundesratsinitiative, in denen die CDU in der Regierung ist, zeigt, wie gering der Rückhalt zum Betreuungsgeld selbst in der Union ist."
Das Betreuungsgeld soll vom kommenden Jahr an 100 Euro für Einjährige und ab 2014 150 Euro für Ein- und Zweijährige betragen, für die keine staatlich geförderte Kita in Anspruch genommen wird. CSU-Chef Horst Seehofer hat offen mit dem Bruch der Koalition gedroht, sollte das Projekt nicht verwirklicht werden.
heb/dpa
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