Wechsel von den Grünen zur CDU in Niedersachsen Wer ist Elke Twesten?

Mit dem Übertritt von Elke Twesten zur CDU verliert Rot-Grün in Niedersachsen die Mehrheit - Neuwahlen zeichnen sich ab. Wer ist die Landtagsabgeordnete?

Ehemalige Grünen-Politikerin Elke Twesten
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Ehemalige Grünen-Politikerin Elke Twesten


Die rot-grüne Koalition in Niedersachsen verliert ihre Mehrheit im Landtag - weil die Abgeordnete Elke Twesten ihren Austritt aus der Grünen-Fraktion verkündet hat und zur CDU wechseln will. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sprach sich am Nachmittag für möglichst rasche Neuwahlen aus.

Elke Twesten aus dem Kreis Rotenburg/Wümme sitzt seit 2008 im niedersächsischen Landtag. Sie zog damals als Neuntplatzierte der Grünen-Landesliste in das Parlament ein. Dort war sie für ihre Partei bislang für Frauenpolitik zuständig. Vor ihrer politischen Laufbahn im Landtag arbeitete die dreifache Mutter in verschiedenen Bereichen der Zollverwaltung in Hamburg. Bevor sie auf Landesebene für die Grünen aktiv wurde, engagierte sie sich für die Grünen in der Gemeinde Scheeßel. 2006 wurde sie Kreistagsabgeordnete. Twesten ist seit 20 Jahren Mitglied der Grünen.

Im Frühjahr musste die 54-Jährige eine empfindliche Niederlage einstecken: Nicht sie wurde zur Direktkandidatin der Grünen im Wahlkreis Rotenburg gewählt, sondern Birgit Brennecke. Diesen Umstand nannte sie nun auch als Begründung für den Parteiwechsel.

Damals gab es Unmut darüber, dass Twesten mit Blick auf die Landtagswahl Anfang 2018 eine schwarz-grüne Koalition nicht ausschließen wollte. "Wir erreichen nichts in der Opposition", erklärte Twesten laut "Kreiszeitung" bei einer Wahlversammlung der Grünen in Gyhum-Sick. Es gehe darum, Schnittstellen auszuloten, die es auch mit der CDU gebe.

Twesten war im Kreisverband schon nach der Kommunalwahl im vergangenen Herbst vorgeworfen worden, zu sehr die Nähe der CDU zu suchen. Damals hatte sie sich offen für Schwarz-Grün im Rotenburger Kreistag gezeigt. Das sei die Chance auf eine "zeitgemäße Koalition".

In einem Interview sprach die Grünen-Politikerin über Verwerfungen in ihrem Verband: "Der persönliche Einsatz in vielen Gremien, in den Wahlkämpfen - das alles war einigen wohl irgendwann 'unheimlich' und nicht mehr 'grün' genug", sagte sie Anfang Juni. Gewählte Funktionsträger seien diskreditiert und ausgegrenzt worden. Die damalige Wahl Brenneckes bezeichnete Twesten "ganz eindeutig" als Wahl gegen sich.

aci/dpa



insgesamt 18 Beiträge
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Stillner 04.08.2017
1. Verrat an grünen Idealen
Da war doch mal eine Partei, die das Rotationsprinzip praktizierte, um eine bestimmte Form des institutionalisierten Am-Sessel-Klebens abzuschaffen. Und die nannte sich basisdemokratisch. Alles vergessen, Frau Twesten? Na, dann wächst ja nun zusammen, was zusammengehört. Früher hätte man das Verrat an grünen Idealen genannt. Heute wohl eher nicht mehr, weil es diese Ideale in dieser Partei nicht mehr gibt. Gleichwohl: Einige mögen den Verrat lieben, aber keiner liebt Verräter. Insofern: Gute Rückkehr in die Zollverwaltung!
j.scheunemann 04.08.2017
2. Was wissen wir schon
was da im Hintergrund mit Schlamm gewurfen wurde. Ich halte Ihre Darstellung für nachvollziehbar. Wenn das einzige, was Sie mit der Partei verbindet, die Umweltpolitik ist - so what! Und das macht die Bevormunderpartei nicht nur in Bezug auf die Ökoenergiemafia nicht wirklich gut.
Wähler1958 04.08.2017
3. Die Zuverlässigkeit der Grünen....
zeigt sich an der Zuverlässigkeit ihrer Parteimitglieder. Somit hat Frau Twesten ihrer Partei einen Bärendienst erwiesen. Wer will schon, dass eine Koalition im Bund unter Beteiligung der Grünen, nach kurzer Zeit schon auseinander fliegt, nur weil ein Grüner meint, seine Vorteile bei einer anderen Partei zu suchen.
catcargerry 04.08.2017
4. Neuwahlen sind konsequent
Auch wenn Weil, unter keinem Aspekt überraschend, in seinem Gegeifer persönlich wird, empfinde ich die Sache als ambivalent. Die Frau ist (wohl) über Liste in den Landtag gekommen und ihre Gründe hören sich persönlich an. Andererseits ist im Hinblick auf die Überzeugungen der Dame, die sie seit Jahren vertritt, der Schritt folgerichtig. Alles sowieso legal, aber natürlich steht bei Leuten, die Fairness gerne selber definieren, der Schaum vorm Maul. Die Performance dieser Regierung legt leider nicht nahe, dass auf die bei diesen Mehrheitsverhältnissen nötige Unterstützung gesetzt werden kann. Also Neuwahlen mit hoffentlich klarem Ausgang.
erst nachdenken 04.08.2017
5.
So groß ist der Unterschied zwischen den beiden Parteien ja wirklich nicht. Beide sind konservativ und faktenresistent.
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