Sinkende Geburtenzahlen: Kauder stellt Elterngeld auf den Prüfstand

So wenige Geburten wie im vergangenen Jahr hat es in der Bundesrepublik noch nie zuvor gegeben. Angesichts dieser Zahlen hat nun eine neue Debatte über das Elterngeld begonnen. Unionsfraktionschef Kauder kündigte an, die Leistung für Mütter und Väter genau unter die Lupe zu nehmen.

Malende Kinder in Frankfurt am Main: So wenige Geburten wie nie zuvor Zur Großansicht
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Malende Kinder in Frankfurt am Main: So wenige Geburten wie nie zuvor

Hamburg - Unionsfraktionschef Volker Kauder will das Elterngeld auf den Prüfstand stellen. "In der nächsten Legislaturperiode werden wir uns das Elterngeld und seine Wirkung noch mal anschauen müssen", sagte Kauder der "Süddeutschen Zeitung" angesichts sinkender Geburtenzahlen. Derartige gesellschaftspolitische Fragen bräuchten aber Zeit, "damit die Regelungen in der Bevölkerung angenommen werden können". Schnelle Entscheidungen seien deshalb falsch. In der im Herbst 2013 beginnenden nächsten Legislaturperiode müsse dann aber eine "endgültige Aussage" getroffen werden.

Vor wenigen Tagen hatte bereits der CDU-Wirtschaftspolitiker Thomas Bareiß eine Überprüfung des Elterngeldes gefordert und war damit auf Kritik bei der Frauenunion und im Bundesfamilienministerium gestoßen. Bareiß hatte darauf hingewiesen, dass das Elterngeld jährlich fast fünf Milliarden Euro kostet, die Zahl der Kinder aber trotzdem abnehme.

Das Statistische Bundesamt hatte am Montag mitgeteilt, dass die Zahl der Geburten im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand in der Geschichte der Bundesrepublik gesunken sei. 2011 kamen demnach in Deutschland 663.000 Kinder zur Welt.

Das Elterngeld wurde Anfang 2007 eingeführt. Es wird bis zu 14 Monate nach der Geburt an Mütter und Väter gezahlt, die mit der Arbeit aussetzen, orientiert sich am bisherigen Einkommen und beträgt höchstens 1800 Euro und mindestens 300 Euro im Monat. Ein Elternteil kann die Leistung für maximal zwölf Monate beziehen.

Familienministerin Kristina Schröder verteidigte das Elterngeld gegen die jüngste Kritik. "Ohne das Elterngeld müssten viele Mütter schon acht Wochen nach der Geburt des Kindes wieder arbeiten. Das kann niemand wollen. Deshalb ist ganz klar: Am Elterngeld wird nicht gerüttelt."

Ähnlich hatte sich auch die SPD-Generalsekretärin, Andrea Nahles, kürzlich in der "Süddeutschen Zeitung" geäußert: Wer angesichts zurückgehender Geburtenzahlen das Elterngeld in Frage stelle, habe nicht begriffen, dass es sich dabei nicht um eine Geburtsprämie handle. Die Debatte in der CDU zeige, so Nahles, dass große Teile der Union nach wie vor mit einer modernen und klugen Familienpolitik fremdelten. Familienpolitik funktioniere nicht auf Knopfdruck. Sie brauche Zeit und Beständigkeit, um ihre Wirkung zu entfalten, und könne nicht kurzfristig an der Geburtenrate gemessen werden.

ler/AFP/dpa

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insgesamt 385 Beiträge
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1. Euro-Rettung
Herr Bayer 06.07.2012
Zitat von sysopDDPSo wenige Geburten wie im vergangenen Jahr hat es in der Bundesrepublik noch nie zuvor gegeben. Angesichts dieser Zahlen hat nun eine neue Debatte über das Elterngeld begonnen. Unionsfraktionschef Kauder kündigte an, die Leistung für Mütter und Väter genau unter die Lupe nehmen zu wollen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,842890,00.html
Die Euro-Rettung kostet viel Geld, da kann man sich das Elterngeld nicht mehr leisten. Die Geburtenrate wird weiter sinken (wer kann sich den Verdienstausfall noch leisten?).
2. Zusammenhang?
panzerknacker51, 06.07.2012
Zitat von sysopDDPSo wenige Geburten wie im vergangenen Jahr hat es in der Bundesrepublik noch nie zuvor gegeben. Angesichts dieser Zahlen hat nun eine neue Debatte über das Elterngeld begonnen. Unionsfraktionschef Kauder kündigte an, die Leistung für Mütter und Väter genau unter die Lupe nehmen zu wollen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,842890,00.html
Der kausale Zusammenhang zwischen Elterngeld und Geburtenzahlen will mir irgendwie nicht einleuchten; oder war das ganze als Bockprämie gedacht?
3. Eg
farview 06.07.2012
Das Elterngeld ist in jedem Fall ein Anreiz ein Kind zu bekommen. Natürlich nicht der entscheidende und wichtigste Grund, aber die Aussicht ein Jahr bei seinem Kind bleiben zu können ist für viele (meist) Mütter durchaus ein Fakt, der das Pendel ob (meist 2. oder 3.) Kind oder nicht in die entscheidende Richtung PRO Kind bringen kann. Zumindest meine rein subjektive Erfahrung. Dass die Geburten nun trotzdem so niedrig sind, kann man nicht dem Elterngeld anlasten, sondern ergibt sich automatisch aus den niedrigen Geburtenzahlen der letzten Jahrzehnte. Dies führt einfach dazu, dass es viel weniger potenzielle Eltern gibt als nötig wären. Ich wage sogar zu behaupten, dass die Geburten mit Sicherheit eher noch niedriger ausgefallen wären, wenn es das Elterngeld nicht gegegeben hätte. Denn höher wären sie - bei fehlendem Elterngeld - auf keinen Fall. Aber was interessiert das unsere Streich- und Sparmeister, die müssen eben an allen Ecken und Ende sparen um ihre Rettungsschirme noch füllen zu können. Also mal schnell ran an das Geld von jenen, die es am Ehesten gebrauchen könnten: Junge Familien.
4.
bauklotzstauner 06.07.2012
Zitat von sysopDDPSo wenige Geburten wie im vergangenen Jahr hat es in der Bundesrepublik noch nie zuvor gegeben. Angesichts dieser Zahlen hat nun eine neue Debatte über das Elterngeld begonnen. Unionsfraktionschef Kauder kündigte an, die Leistung für Mütter und Väter genau unter die Lupe nehmen zu wollen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,842890,00.html
Ach nee? Die "Akademikerinnen-Wurfprämie" der Ursula von der Lie ist wirkungslos? Na, *DAS* ist ja mal eine Erkenntnis! Glückwunsch, liebe Politiker! Ohne Not das Erziehungsgeld geschliffen, das vor allem ärmere Familien dringend benötigten, um Besserverdiener(innen) zu mehr Kindern zu "überreden" - und dann wundert man sich über sinkende Geburtenraten? Tja.... Pech gehabt! Aber ein wenig seltsam ist das schon: Kauder (CDU) stellt das Projekt seiner Parteikollegin öffentlich in Frage und Nahles (SPD) unterstützt es?? Was geht denn da schief?
5. Nicht richtig...
u.loose 06.07.2012
Die lieben Eltern müssen ihren Job eben NICHT aufgeben, sondern lediglich auf 30 Wochenstunden begrenzen um in den Genuss der "Leistung" zu kommen... Das nimmt man mit, aber den Ausschlag für kinder in die Welt setzen ist es sicher nicht.
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Das Elterngeld
Mütter und Väter können seit 2007 bei der Geburt eines Kindes Elterngeld beantragen. Es löste als Lohnersatzleistung das Erziehungsgeld ab. Mütter oder Väter, die zur Kindererziehung vorübergehend aus dem Beruf ausscheiden, erhalten 65 Prozent des letzten Nettolohns, höchstens jedoch 1800 Euro monatlich. Alleinerziehende und Geringverdiener erhalten einen monatlichen Sockelbetrag von 300 Euro. Das Elterngeld wird zunächst für ein Jahr gezahlt. Es wird zwei weitere Monate gewährt, wenn der berufstätige Elternteil die Kinderbetreuung übernimmt. Alleinerziehende erhalten das Elterngeld die vollen 14 Monate.

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