Schwesigs Pläne: Elterngeld soll für Teilzeitkräfte 28 Monate gelten

Familienministerin Schwesig: "Elternzeit flexibler gestalten" Zur Großansicht
DPA

Familienministerin Schwesig: "Elternzeit flexibler gestalten"

Mindestlohn, Mietpreisbremse und jetzt das Elterngeld: Die SPD will das nächste Wahlversprechen angehen. Familienministerin Schwesig hat nun ihre Pläne zum "Elterngeld Plus" präsentiert. Für Teilzeitarbeitende soll es die Unterstützung 28 Monate lang geben.

Berlin - Junge Eltern sollen künftig bis zu 28 Monate lang Elterngeld beziehen können, wenn sie nebenher Teilzeit arbeiten. "Wir wollen die Elternzeit flexibler gestalten. Die Lebenswelt von jungen Familien hat sich verändert", sagte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) am Freitag in Berlin, wo sie Eckpunkte für ein sogenanntes "Elterngeld Plus" vorstellte.

Wenn Väter und Mütter Teilzeit arbeiten, sollen sie maximal die Hälfte des regulären Elterngelds bekommen. Also zum Beispiel 650 Euro über 24 Monate statt 1300 Euro über 12 Monate ohne Erwerbstätigkeit. 2014 werden laut Schwesig 5,3 Milliarden Euro Elterngeld gezahlt.

Die Regierung will so die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken. Die das reguläre Elterngeld ergänzende Regelung soll ab Juli 2015 gelten und etwa 100 Millionen Euro zusätzlich kosten. Damit wird eine Gerechtigkeitslücke geschlossen: Wer bisher nach der Geburt eines Kindes Teilzeit arbeitet, bekommt nur fast die Hälfte an Elterngeld, das ihm zustünde, wenn er nicht arbeiten. Mit der Neuregelung würde dieser Betrag aber doppelt so lange, also bis zu 28 Monate, gezahlt.

Beim bisherigen Elterngeld gibt es für maximal 14 Monate - je nach Höhe des vorherigen Nettoverdienstes - zwischen 300 und 1800 Euro monatlich. Sinn der Reform ist, dass Eltern mit einem Teilzeitjob länger Elterngeld beziehen können und so mehr Zeit für ihr Kind haben. Die 28 Monate müssen nicht am Stück genommen werden.

Ein Beispiel: Wenn das Netto-Einkommen vor Geburt des Kindes 2000 Euro beträgt, gibt es bisher 65 Prozent dieser Summe als Elterngeld, das sind 1300 Euro. Mit dem "Elterngeld Plus" können alternativ dazu bei einem Netto-Teilzeiteinkommen von 900 Euro über 24 Monate 650 Euro bezogen werden - plus Option auf vier weitere Monate, wenn Vater und Mutter für mindestens vier aufeinanderfolgende Monate gleichzeitig 25 bis 30 Stunden pro Woche erwerbstätig sind. Der Partnerschaftsbonus kann auch zwischen Vater und Mutter aufgeteilt werden.

Unterstützung von der Union

Die Elternzeit kann bis zum achten Lebensjahr des Kindes genommen werden. Auch bei Mehrlingsgeburten soll es eine Neuregelung geben. Das Bundessozialgericht hatte geurteilt, dass es zum Beispiel bei Zwillingen nicht einen einzigen Elterngeldanspruch gibt, sondern für jedes einzelne Kind einen Anspruch.

Schwesigs Vorschlag einer Familienarbeitszeit, in der junge Eltern nur noch 32 Stunden pro Woche arbeiten müssten und das Gehalt aufgestockt würde, war bei der Union auf Widerstand gestoßen. Fraktionsvize Nadine Schön (CDU) betonte: "Immer mehr Mütter und Väter wünschen sich, die Betreuung ihres Kindes und ihre Erwerbstätigkeit möglichst flexibel und partnerschaftlich kombinieren zu können." Gerade für den Wiedereinstieg in Teilzeit würden nun neue Möglichkeiten geschaffen.

SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi betonte: "Wer in Teilzeit arbeitet, erhält die Chance, länger Elterngeld zu beziehen." Mütter oder Väter könnten durch die Regelung früher wieder in Teilzeit arbeiten, "ohne dabei - wie bislang - Nachteile zu erleiden".

fab/AFP/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 75 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Kleine Frage am Rande
u.loose 21.03.2014
Hat die CDU/CSU eigentlich auch was versprochen? Ich meine außer weitere 4 Jahre Merkel... Offenbar nicht.
2. Frauenfalle
thelma&louise 21.03.2014
Da ist sie wieder, die Frauenfalle: der Staat sollte Frauen nicht in die Nebenverdienst-Ecke drängen. Das führt doch zu nichts. Wieder wird den Frauen die Abhängigkeit vom Mann und der Verzicht auf Karriere versüßt. Es gibt schon genug 450€jobbende Hausfrauen. Und wenn die Ehe wie in 30% nicht hält? Hoffentlich erkennen die jungen Frauen den vergifteten Apfel.
3. Wahlplakate
OneTwoThree 21.03.2014
Zitat von u.looseHat die CDU/CSU eigentlich auch was versprochen? Ich meine außer weitere 4 Jahre Merkel... Offenbar nicht.
Erinnern Sie sich an die Wahlplakate der CDU? Da stand nichts an Wahlversprechen drauf. Nur Frau Merkel. Das hat den Wählern gereicht. Und nun bekommt der Wähler das, was er wollte: Eine Kanzlerin Merkel, egal, was es kostet.
4. Hallo Frau Schwesig ...
provinzialer 21.03.2014
woher soll das Geld kommen ... aus der Rentenkasse ? hat Frau Nahles schon gemacht ... von den gesetzlichen Krankenkassen ? ... da hat sich Hr. Schaeuble schon bedient ... aus Steuergeldern ? ... hat die CDU versprochen, dass es keine Steuererhöhungen gibt ... aus Ihrer Tasche ? ... kein problem und das wäre endlich mal was Neues :-)
5.
Lanek 21.03.2014
Zitat von thelma&louiseDa ist sie wieder, die Frauenfalle: der Staat sollte Frauen nicht in die Nebenverdienst-Ecke drängen. Das führt doch zu nichts. Wieder wird den Frauen die Abhängigkeit vom Mann und der Verzicht auf Karriere versüßt. Es gibt schon genug 450€jobbende Hausfrauen. Und wenn die Ehe wie in 30% nicht hält? Hoffentlich erkennen die jungen Frauen den vergifteten Apfel.
Abhängigkeit vom Mann hatten Frauen früher, als sie mit 18-20 Kinder bekamen, nie eine Ausbildung hatten und 0 Euro selbst verdienten. Diese Zeiten sind vorbei! Ich finde es nicht verwerflich, wenn die Frauen nach Geburt der Kinder Teilzeit arbeiten gehen. Das hat meine Mutter gemacht, das macht meine Tante bei ihrer Tochter, meine Schwägerin mit ihren Kindern. Wo ist das Problem? Wenn beide Vollzeit arbeiten, ist das schon ziemlich stressig. Und sollte es eine Scheidung geben, gibt es ja immer noch Unterhalt, Arbeitszeitaufstockung oder sonstige Mittel. Sollten also meiner Meinung nach die Frauen selbst entscheiden. Wo da Frauen in Abhängigkeit gelockt werden sollen, verstehe ich nicht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Manuela Schwesig
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 75 Kommentare