Ende einer Entführung Mali meldet Freilassung von Qaida-Geisel Marianne P.

Drei Monate lang war Marianne P. in der Gewalt von Kidnappern, nun ist das Geiseldrama im Grenzgebiet zwischen Mali und Niger nach malischen Angaben beendet. Die Deutsche kam demnach mit einer Schweizerin und zwei Uno-Diplomaten frei. Eine Bestätigung des Auswärtigen Amts steht noch aus.


Bamako - Es sind malische Behörden, die die Freilassung von vier Geiseln vermelden: Demnach ist auch die Deutsche Marianne P. wieder frei. Nach Angaben aus malischen Sicherheitskreisen wurde sie am Mittwoch im Norden Malis zusammen mit einer Schweizer Touristin und zwei kanadischen Uno-Diplomaten freigelassen. Die Angaben wurden laut der Nachrichtenagentur AFP von einem Lokalpolitiker in der Stadt Gao im Norden des Landes bestätigt.

Deutsche und Schweizer Behörden sind allerdings weitaus zurückhaltender in der Beurteilung des Sachverhalts. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte zu den Angaben keine Stellung nehmen. Allerdings äußert sich das Ministerium bei Geiselnahmen generell erst dann, wenn die Entführten in sicherer Obhut der Botschaft sind.

Das Außenamt der Schweiz hält sich ebenfalls bedeckt. "Wir haben eine Ankündigung erhalten, dass eine gewisse Anzahl Geiseln demnächst freikommen könnte", sagte ein Sprecher des Schweizer Außenamts am Mittwoch. Auch die Uno äußerte sich nur knapp. "Wir haben Kenntnis von entsprechenden Berichten", sagte Uno-Sprecherin Marie Okabe. Weitere Angaben machte sie nicht.

Die Mittsiebzigerin Marianne P. war am 22. Januar zusammen mit einem Ehepaar aus der Schweiz und einem Briten verschleppt worden. Der Mann der Schweizerin und der Brite werden den malischen Angaben zufolge weiter von den Entführern festgehalten. Die Reisegruppe der Touristen befand sich auf der Fahrt von einem Tuareg-Kulturfest im malischen Anderamboukane in die nigrische Hauptstadt Niamey, als die Angreifer den Fahrzeugkonvoi im Grenzgebiet zum Niger stoppten.

Vor anderthalb Monaten hatte sich der nordafrikanische Arm des Netzwerks al-Qaida zu der Entführung der Touristen bekannt. Die Entführer forderten zunächst die Freilassung von zwei in Mali festgehaltenen mauretanischen Komplizen. Einer von ihnen kam nach malischen Angaben aber bei einem Gefängniswechsel durch einen Verkehrsunfall ums Leben. Später wollten die Entführer ihre Geiseln gegen in Europa inhaftierte Islamisten austauschen.

Vor einem Monat hatten die malischen Behörden mitgeteilt, den Hauptverdächtigen im Fall der entführten Touristen festgenommen zu haben. Wenige Tage zuvor waren mindestens zwei Verdächtige gefasst worden, die in die Verschleppung der Deutschen verwickelt sein sollen.

Die beiden Kanadier waren Mitte Dezember bei einer Reise zu einer Goldmine westlich von Niamey entführt worden. Es handelt sich um den Uno-Sondergesandten für den Niger, Robert Fowler, und seinen Mitarbeiter Louis Guay. Ihr aus Niger stammender Fahrer war am 21. März freigekommen.

Mali hatte in den Entführungsfällen vermittelt. Staatschef Amadou Toumani Touré hatte Anfang April erklärt, den verschleppten Touristen gehe es gut. Seine Regierung habe ihnen sogar persönliche Dinge zukommen lassen.

ffr/AFP/Reuters/AP

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.