Endlagersuche Altmaier lädt Energiebosse zu Spitzentreffen

Die Endlagersuche wird teuer für die Energiekonzerne - zwei Milliarden Euro sind schon vorgesehen, die dafür geplante Regulierungsbehörde bläht sich schon jetzt auf. Nach SPIEGEL-Informationen plant Umweltminister Altmaier jetzt ein Treffen mit den vier großen AKW-Betreibern.

Umweltminister Peter Altmaier (CDU): Andauernde Suche nach einem Endlager
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Umweltminister Peter Altmaier (CDU): Andauernde Suche nach einem Endlager


Hamburg- Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat nach SPIEGEL-Informationen die Chefs der vier großen Energiekonzerne RWE, Eon, Vattenfall und EnBW für diesen Mittwoch zu einem Spitzentreffen nach Berlin eingeladen.

Hauptthema, heißt es im Kabinett, soll der Entwurf für das sogenannte Endlagersuchgesetz sein, das der Umweltminister Anfang des Monats vorgestellt hatte. Mit Hilfe des Gesetzes soll ein alternativer Standort zum derzeit für die Endlagerung des deutschen Atommülls vorgesehenen Salzstocks in Gorleben gefunden werden. Allerdings regte sich schon kurz nach einer Einigung von Bund und Ländern wieder Protest auf Landesebene - der Kompromiss steht auf wackeligen Beinen.

Und die AKW-Betreiber sind verärgert, weil Altmaier bislang nicht das Gespräch mit ihnen gesucht hat. Ob das geplante Treffen die Energiebosse besänftigt, ist auch aus anderem Grund fraglich. Altmaier will seinen Entwurf erst in einer Kabinettssitzung am Mittwoch präsentieren, bevor er sich mit den Energiemanagern zusammensetzt. Auf große Unterstützung der Konzerne darf der Minister ohnehin nicht zählen. Sie sollen für die neuerliche Suche nämlich bezahlen, laut Gesetzentwurf zwei Milliarden Euro.

Neues Bundesamt wird noch größer und teurer

Die Kosten für die Versorger könnten weiter steigen. Die im Gesetz vorgesehene neue Regulierungsbehörde bläht sich immer weiter auf: Sie soll inzwischen 170 Mitarbeiter umfassen, darunter "60 Stellen im höheren Dienst und 15 Stellen im gehobenen Dienst", wie es in dem Gesetzentwurf heißt. Bislang war gut die Hälfte an Personal vorgesehen. Entsprechend teurer wird die Behörde. Statt 20 Millionen veranschlagt das Bundesumweltministerium nun 26 Millionen Euro pro Jahr für die nächsten 15 Jahre.

Das neue Bundesamt für kerntechnische Sicherheit soll im Raum Köln/Bonn angesiedelt werden. Als Direktor ist Atomexperte Michael Sailer vom Öko-Institut im Gespräch.

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insgesamt 5 Beiträge
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günter1934 20.04.2013
1. Nach 40 Jahren
Es ist eigentlich unglaublich,dass es nach 40 Jahren noch nicht einmal ein Konzept gibt, wie ein deutsches Endlager aussehen soll. Ausserdem sind wir ja nicht die einzigen, die ein Endlager benötigen. Auch anderswo in der Welt wird ja sowas geplant und teilweise sogar gebaut. Wahrscheinlich wird die Endlagerfrage noch für Jahrzehnte am Kochen gehalten, da dies ein gewichtiger und vorgeschobener Grund für die Abkehr von der Atomkraft ist.
makese 20.04.2013
2. Jo
Zitat von günter1934Es ist eigentlich unglaublich,dass es nach 40 Jahren noch nicht einmal ein Konzept gibt, wie ein deutsches Endlager aussehen soll. Ausserdem sind wir ja nicht die einzigen, die ein Endlager benötigen. Auch anderswo in der Welt wird ja sowas geplant und teilweise sogar gebaut. Wahrscheinlich wird die Endlagerfrage noch für Jahrzehnte am Kochen gehalten, da dies ein gewichtiger und vorgeschobener Grund für die Abkehr von der Atomkraft ist.
Wenn das so ist wie sie vermuten, warum haben dann die Atom-Freaks in den 60ern und 70ern, die damals doch alle Freiheiten hatten, nicht dafür gesorgt, dass das "so einfache" Problem beseitigt wird. Liegt's vielleicht nicht eher daran, dass ausser ein paar Atomfreunden hier in den Foren die echten Wissenschaftler ein Problem sehen.
jayram 21.04.2013
3. Es darf gemauschelt werden,
sollte der Arbeitstitel dieses Treffens sein. Herr Altmaier, das Umweltfeigenblatt von Angela Merkel ist zu einer echten konsequenten Energiewende, nicht bereit. Leider muß man feststellen, das der Staatsapparat, egal wer regiert hat, bis 1998 total von der Atomenergie Lobby gegängelt wurde. Allein die folgende Phrase sagt schon alles: der Entwurf für das sogenannte Endlagersuchgesetz, das heißt mit klaren Worten, auf die lange Bank geschoben. Viel Geld wird man dafür ausgeben, für viel Medienaufmerksamkeit wird gebuhlt werden, die Medien werden sich dementsprechend verhalten und der Bürger wundert sich warum es nicht richt5ig weiter geht. Vielleicht sollte man gleich in Rumänien oder Bulgarien suchen, die haben kein Geld und die Regierenden dieser Länder sind zu jeder Korruption bereit.
logikhilft 21.04.2013
4. Mythos Endlagerung
Die Suche nach einem sogenannten Endlager wird sich irgenwann als Illusion erweisen. Es gibt auf diesem Planeten schlicht keinen Ort, der über den Zeitraum von tausenden von Jahren keine Veränderung durchmacht und der zusätzlich über Generationen lokalisiert und sprachlich konvertiert festgehalten werden kann. Das Prinzip "aus den Augen aus dem Sinn", welches dem Mythos Endlagerung zu Grunde liegt, funktioniert nicht. Im Gegenteil, der Atommüll muss wahrscheinlich für die Ewigkeit oberirdisch unter Aufsicht und Kontrolle gehalten werden. Man stelle sich nur mal vor, die alten Ägypter hätten uns den Hinweis auf einen nicht betretbaren Ort hinterlassen wollen, und dies ist schliesslich erst schlappe 3000 Jahre her.
Körperklaus 21.04.2013
5. Marionette
Altmaier läßt sich bestimmt von den AKW-Bossen vor den Karren spannen und verkündet, dass die regenerativen Energie für die Kosten der Suche und Lagerung aufkommen müssen.
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