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Energie-Kommission: Merkels Subunternehmer für Moral

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Ein paar Experten sollen es richten: Kanzlerin Merkel verspricht sich von der neu berufenen Energie-Kommission entscheidende Impulse für die Atomdebatte. Aber in dem Gremium sind entschiedene Gegner und Befürworter der Kernenergie vertreten - ein Konsens erscheint fraglich.

AKW Biblis: Debatte über Atomkraft Zur Großansicht
REUTERS

AKW Biblis: Debatte über Atomkraft

Hamburg - Viel Bedenkzeit blieb Miranda Schreurs nicht, als die Leiterin des Forschungszentrums für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin am Dienstag Ronald Pofalla am Apparat hatte. Ob sie sich vorstellen könne, Mitglied der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung zu werden, wollte der Kanzleramtsminister wissen. Schreurs sagte zu. Eine formelle Einladung oder ein Treffen für die konstituierende Sitzung des Gremiums gibt es allerdings noch nicht. Dass die Kommission bereits am Dienstag einberufen wurde, erfuhr Schreurs aus den Nachrichten.

Es musste offenbar alles ganz schnell gehen. Nach der Atomkatastrophe in Japan hatte Kanzlerin Angela Merkel zunächst deutlich gemacht, dass man auch in Deutschland "nicht zur Tagesordnung" übergehen könne. Mit dem dreimonatigen Moratorium für die Verlängerung der Atomlaufzeiten folgte vergangene Woche eine demonstrative und spektakuläre Kehrtwende in der Atompolitik der schwarz-gelben Regierung. Zudem sprach sich die Kanzlerin für eine gesellschaftliche Debatte über das Thema aus - und kündigte am Dienstag die Berufung der Kommission an, die ethische Fragen der Atomkraft diskutieren und Risiken bewerten soll.

Eine Kommission signalisiert zunächst einmal Handlungsbereitschaft, das dürfte ganz in Merkels Interesse sein. Schaut her, Bundesbürger, wir haben Experten versammelt, die später kluge Empfehlungen präsentieren.

Ob die am Ende in der praktischen Politik berücksichtigt werden, ist allerdings eine ganz andere Frage. Bei den Grünen jedenfalls genießt das am Dienstag von Merkel berufene Gremium bereits jetzt einen zweifelhaften Ruf. Fraktionsvize Bärbel Höhn wertet die Kommission als rein taktische Maßnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). In das Gremium seien "tatsächlich auch absolute Befürworter der Atomkraft berufen worden", sagte die Grünen-Politikerin der "Leipziger Volkszeitung". "Die bringen so viel Blockadepotential mit, dass ernsthafte Ergebnisse gar nicht zu erwarten sind."

Ist die Kommission wirklich so besetzt, dass es ihr schwerfallen dürfte, zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen?

An der Spitze des Gremiums stehen Ex-Umweltminister Klaus Töpfer und Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG). Der CDU-Politiker Töpfer hat in der Vergangenheit mehrfach seine atomkritische Haltung betont. " Wir müssen eine Zukunft ohne Kernenergie erfinden", sagt er etwa im SPIEGEL-ONLINE-Interview.

So eindeutig atomkritisch äußerte sich Kleiner bislang nicht. Im vergangenen Jahr - und damit vor der Katastrophe in Japan - sagte der einflussreiche Wissenschaftler etwa: "Dass wir bis zum Jahr 2050 vollkommen auf Kernenergie verzichten können, halte ich für fraglich."

Die Besetzung der Kommissionsspitze markiert also möglicherweise bereits die Probleme, vor denen das Gremium steht: Es gibt entschiedene Befürworter und ebensolche Gegner der Atomenergie. Wie soll die Kommission bei einem derart kontroversen Thema zu einem tragfähigen, gemeinsamen Ergebnis kommen?

"Die Arbeit in der Kommission wird sicherlich schwierig werden", sagt Miranda Schreurs. Die Politologin, die 2008 in den Sachverständigenrat für Umweltfragen des Bundesumweltministeriums berufen wurde, vertritt eine atomkritische Position. Die 2010 von der schwarz-gelben Bundesregierung beschlossene Laufzeitverlängerung sei ein Fehler gewesen, sagt sie. Und: "Es gibt in Deutschland längst eine Mehrheit der Bürger, die sich gegen die Atomkraft ausspricht. Deshalb sollte es jetzt in der Debatte nur noch um folgende Frage gehen: Wie lange noch lassen wir die Atomkraftwerke laufen?"

Auch die in die Kommission berufenen Kirchenvertreter gelten als atomkritisch: "Unsere Skepsis ist gestiegen, weil das Restrisiko der Atomkraft nicht beherrschbar und die Endlagerung nicht geklärt ist", hatte etwa der Münchner Kardinal Reinhard Marx jüngst gesagt. Marx vertritt die Kirchen in der Kommission zusammen mit Ulrich Fischer, Badischer Landesbischof der evangelischen Kirche, und Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Ganz anders etwa der BASF-Vorstandsvorsitzende Jürgen Hambrecht. Er gehörte im vergangenen Jahr zu den Unterzeichnern des "energiepolitischen Appells", mit dem Wirtschaftsführer die schwarz-gelbe Regierung unter Druck setzen wollten. Die wesentlichen Forderungen des Appells lauteten damals: Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke und der Bau neuer Kohlekraftwerke. "Auf jeden Fall muss die Laufzeit der vorhandenen Meiler in Deutschland verlängert werden", hatte Hambrecht der "Süddeutschen Zeitung" im vergangenen Jahr gesagt.

Merkel will einen gesellschaftlichen Konsens in der Frage nach der künftigen Energieversorgung - schon für die derzeit 14 Kommissionsmitglieder dürfte es schwierig werden, zu einem gemeinsamen Votum zu gelangen. Und auch in der Bundesregierung deuten sich weiterhin Konflikte in der Energiepolitik an: Das Atomzeitalter gehe zu Ende, sagte Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU), während FDP-Chef Guido Westerwelle vor einem überhasteten Ausstieg aus der Atomenergie warnte. Die Empfehlung des Außenministers: Zunächst solle die von der Bundesregierung beauftragte Expertenkommission ihre Arbeit aufnehmen.

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1. nicht 2 Gremien?
inqui 23.03.2011
Zitat von sysopEin paar Experten sollen es richten: Kanzlerin Merkel verspricht sich von der neu berufenen Energie-Kommission entscheidende Impulse für die Atomdebatte. Aber in dem Gremium sind entschiedene Gegner und Befürworter der Kernenergie vertreten - ein Konsens erscheint fraglich. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,752789,00.html
da sollen doch 2 Gremien gebildet werden, noch die Ethik-Komission. Wie dem auch sei, die werden sich behaken wie die Kesselflicker und die Uhr tickt derweil für Merkel.
2. ... Legitimation ???
bedevere 23.03.2011
... nicht falsch verstehen ... sicher sind alle Mitglieder der neuen Etik-Kommission ehrenwerte Persönlichkeiten - doch bitte die Frage sei erlaubt - wer oder was legitimiert sie als Mitglieder dieser Kommission ?? Es kann nur eine legitimierte Ethik-Kommission geben - und zwar den Deutschen Bundestag !!!
3. Also,
kraij 23.03.2011
Zitat von bedevere... nicht falsch verstehen ... sicher sind alle Mitglieder der neuen Etik-Kommission ehrenwerte Persönlichkeiten - doch bitte die Frage sei erlaubt - wer oder was legitimiert sie als Mitglieder dieser Kommission ?? Es kann nur eine legitimierte Ethik-Kommission geben - und zwar den Deutschen Bundestag !!!
das Vertreter der Wirtschaft überhaupt mit in der Ethik-Kommision sitzen ist ein Witz. Die haben zur ethischem Verhalten doch zumeist ein Verhältnis, wie der Teufel zum Weihwasser... Die Farce geht weiter!
4. Opferlämmer
wahlberechtigter 23.03.2011
Zitat von sysopEin paar Experten sollen es richten: Kanzlerin Merkel verspricht sich von der neu berufenen Energie-Kommission entscheidende Impulse für die Atomdebatte. Aber in dem Gremium sind entschiedene Gegner und Befürworter der Kernenergie vertreten - ein Konsens erscheint fraglich. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,752789,00.html
Man Fragt sich, was die Kirchen mit der Kernenergie zu tun haben? Sollen sie einen Schutzschirm garantieren, immerhin wird vermutet, dass sie entsprechende Kontakte "nach ganz oben" hätten. Sollen die Kirchen die Kernkraftwerke absegnen nachdem die Wissenschaft nicht weiter weiß? Sollen die Kirchen die Opferlämmer ("Wegwerfarbeiter") für den Ernstfall auswählen? Wer soll sich opfern? Politiker, AKW-Bosse, Aktionäre, Frau Merkel oder Herr Brüderle stehen bestimmt nicht in der ersten Reihe. Was soll den "Wegwerfarbeitern" als Gegenleistung versprochen werden? Das Himmelreich?
5. An der Waffel muß derjenige eins haben...
mainzelmännchen 1 23.03.2011
...der angesichts der Katastrophe in Japan noch den leisesten Zweifel an der Notwendigkeit der sofortigen Abschaltung dieser von Menschen unbeherrschbaren Technologie hat. Eine Ethikkommission ist hierbei völlig überflüssig - das eingesparte Geld könnte man sinnvoll zur Aufklärung der Bürger über die Möglichkeiten von Energieeinsparungsmaßnahmen verwenden.
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Mitglieder der neuen Energie-Kommission
Vorsitzende

Klaus Töpfer: Bundesumweltminister (1987 bis 1994), Chef des Uno-Umweltprogramms (1998 bis 2006)
Matthias Kleiner: Präsident der Deutschen Forschungsgesellschaft

Weitere Mitglieder

Ulrich Beck: Soziologe
Klaus von Dohnanyi: Bundesbildungsminister (1972 - 74) , Erster Bürgermeister von Hamburg (1981 - 88)
Ulrich Fischer: Landesbischof der Badischen Landeskirche
Alois Glück: Vorsitzender des Zentralkomitees der deutschen Katholiken
Jürgen Hambrecht: Vorstandsvorsitzender BASF
Walter Hirche: Präsident der Deutschen Unesco-Kommission
Reinhard Hüttl: Präsident der Akademie der Technikwissenschaften
Weyma Lübbe: Professorin für Praktische Philosophie
Reinhard Kardinal Marx: Erzbischof von München und Freising
Lucia A. Reisch: Rat für Nachhaltige Entwicklung
Miranda Schreurs: Leiterin Forschungszentrum für Umweltpolitik FU Berlin
Michael Vassiliadis: Vorsitzender der Gewerkschaft IG BC

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Atomkraft in Deutschland
Leistung älterer Kernkraftwerke
Leistung älterer deutscher Kernkraftwerke
Kraftwerk Betriebs-
start
Defekte Netto-
leistung
in MW
Brunsbüttel 1977 80 771
Isar 1 1979 44 878
Neckarwestheim 1 1976 47 785
Philippsburg 1 1980 39 890
Biblis A 1974 66 1167
Biblis B 1976 78 1240
Unterweser 1978 49 1345
Gesamt 7076
Quelle: Bundesumweltministerium, Bundesamt für Strahlenschutz, IAEA - Power Reactor Information System, Informationskreis KernEnergie
Umsätze Altreaktoren
Durchschnittliche Jahresstromproduktion und Gesamtumsatz Altreaktoren
Kraftwerk Leistung in MW Produktion in TWh
Biblis A 1167 8,1
Neckarwestheim 1 785 5,4
Biblis B 1240 8,6
Brunsbüttel 771 0,0 (nicht am Netz)
Isar 1 878 6,1
Unterweser 1345 9,3
Philippsburg 1 890 6,1
Gesamt 7076 43,6
Jahresumsatz gesamt in Mio. € 2310
Quelle: Energiekonzerne, Bundesumweltministerium, Bundesamt für Strahlenschutz; Berechnungen: Wolfgang Pfaffenberger. Ausgegangen wird von einer Jahresproduktion von 6900 Volllaststunden und dem Grundlastpreis vom 15.3.11 (53 Millionen Euro pro Terawattstunde).
Reststrommengen der Altmeiler
Reststrommengen der Altmeiler
Kraftwerk Reststrom 1. Januar 2011 Reststrom aktuell*
Biblis A 4305 3332
Biblis B (in Revision) 4961 7490
Neckarwestheim I 188 0
Brunsbüttel (nicht am Netz) 10999 10999
Isar 1 3585 2276
Unterweser 13572 11344
Philippsburg 1 9869 8518
Gesamt 43959
 
Umsatzpotential in Mio. € 2329
Quellen: Bundesamt für Strahlenschutz, VGB. * Eigene Berechnungen (Reststrom 1. Januar 2011 minus [Jahreswert 2010 geteilt durch 12 mal 2,5 Monate]). Die Tabelle gibt die Reststrommengen ohne die im vergangenen Jahr beschlossene Laufzeitverlängerung wieder.
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Die wichtigsten Fragen zur Strahlengefahr
Was richtet Strahlung im menschlichen Körper an?
Corbis
Die Schwere der Schäden hängt davon ab, welches Gewebe wie stark von der Strahlung betroffen ist. Erste Symptome einer Strahlenkrankheit sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Sie treten wenige Stunden nach Einwirken der Strahlung auf den Körper auf. Klingen die Symptome ab, stellt sich nach einigen Tagen Appetitlosigkeit, Übermüdung und Unwohlsein ein, die einige Wochen andauern.
Wie qualvoll eine akute Strahlenkrankheit bei hoher Dosis enden kann, zeigen die Opfer der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki und der Tschernobyl-Katastrophe. Haarausfall, unkontrollierte Blutungen, ein zerstörtes Knochenmark, Koma, Kreislaufversagen und andere dramatische Auswirkungen können den Tod bringen.
Wie verläuft eine leichte Strahlenkrankheit?
Menschen mit einer leichten Strahlenkrankheit erholen sich zwar in der Regel wieder. Doch oft bleibt das Immunsystem ein Leben lang geschwächt, die Betroffenen haben häufiger mit Infektionserkrankungen und einem erhöhten Krebsrisiko zu kämpfen.
Wie kann man sich schützen?
DPA
Im Gebiet, in dem ein nuklearer Niederschlag zu befürchten ist, kann es helfen, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Gegen radioaktives Jod schützt die vorsorgliche Einnahme von Kaliumjodidtabletten. Allerdings schützt diese nur vor Schilddrüsenkrebs. Das eingenommene Jod lagert sich in den Drüsen links und rechts des Kehlkopfes an und verhindert so die Aufnahme von radioaktivem Jod. Wichtig: Jodtabletten nicht ohne behördliche Aufforderung einnehmen.
Radioaktives Jod baut sich in der Umwelt allerdings schnell ab. Gefährlicher ist radioaktives Cäsium, es hat eine längere Lebensdauer und wirkt bei Aufnahme durch die Luft oder über Nahrungsmittel im ganzen Körper. Dagegen helfen keine Pillen. Bricht ein Reaktor, wie in Tschernobyl geschehen, auseinander, gelangen großen Mengen Cäsium in die Atmosphäre und verstrahlen die Gegend, in der die Partikelwolke niedergeht, auf viele Jahre.
Was bedeutet die Maßeinheit Millisievert?
DPA/ Kyodo/ Maxppp
Sievert (Sv) ist eine Maßeinheit für radioaktive Strahlung. Ein Sievert entspricht 1000 Millisievert. Die Einheit gibt die sogenannte Äquivalentdosis an und ist somit ein Maß für die Stärke und für die biologische Wirksamkeit von Strahlung.
7000 Millisievert, also sieben Sievert, die direkt und kurzfristig auf den Körper treffen, bedeuten den sicheren Tod (siehe Grafik). Zum Vergleich: Am Montagmorgen maßen die Techniker am Kraftwerk Fukushima I eine Intensität von 400 Millisievert pro Stunde. In Tschernobyl tötete die Strahlung von 6000 Millisievert 47 Menschen, die unmittelbar am geborstenen Reaktor arbeiteten.
Wie hoch ist die Belastung im Alltag?
DPA/ NASA
Menschen sind tagtäglich der natürlichen radioaktiven Strahlung im Boden oder der Atmosphäre ausgesetzt. In Deutschland beträgt sie laut Bundesamt für Strahlenschutz 2,1 Millisievert pro Jahr (siehe Grafik). Der menschliche Organismus hat Abwehrmechanismen gegen die natürliche Strahleneinwirkung entwickelt, um sich vor diesen Belastungen zu schützen.

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