Energie Unionsspitze will AKW aufrüsten

Der schwedische Atommeiler Forsmark könnte das Vorbild sein: Die Unionsspitze will nach SPIEGEL-Informationen Stromkonzernen die technische Aufrüstung von Kernkraftwerken ermöglichen. Doch nicht alle in der Partei ziehen mit. Auch aus der CSU droht Widerstand.

Atomkraftwerk Grafenrheinfeld: Technische Aufrüstung für deutsche Meiler?
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Atomkraftwerk Grafenrheinfeld: Technische Aufrüstung für deutsche Meiler?


Berlin - In der Union offenbart sich im Schatten der Bundestagswahl ein Richtungsstreit über die Atompolitik. In hohen Berliner Parteikreisen wird ein Plan favorisiert, nach dem Stromkonzernen die technische Aufrüstung von Kernkraftwerken ermöglicht werden soll. Als Vorbild für die sogenannten Ersatzkraftwerke dient Schweden: Dort wird zum Beispiel der bestehende Atommeiler Forsmark mit Investitionen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro so modernisiert, dass sich technische Laufzeit und Stromleistung des Reaktors deutlich erhöhen. Das Wahlprogramm von CDU/CSU, das Neubauten von Kernkraftwerken ausschließt, wird mit dem schwedischen Modell einfach umgangen.

Gegen eine umfassende technische Aufrüstung deutscher Atomkraftwerke sprechen sich indes der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU) und die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) aus. Beide gelten als Anwärter auf das Amt des Bundesumweltministers. Sie wollen allein Sicherheitsinvestitionen forcieren; einen Ausbau der Atomkraft-Kapazitäten, etwa über leistungsfähigere Turbinen und Generatoren, lehnen sie ab. "Die Anlagen dürfen nicht so umgebaut werden, dass es auf einen praktischen Neubau hinausläuft", sagt Söder. Die Union müsse ernst damit machen, dass Kernkraft nur eine Brückentechnologie sei - bis ausreichend erneuerbare Energien zur Verfügung stünden.

Klar ist, dass die Union die Laufzeiten der deutschen Atomreaktoren gegenüber dem Ausstiegsgesetz aus rot-grünen Zeiten verlängern möchte. Um wie viele Jahre oder Jahrzehnte verlängert würde, darüber zeichnet sich parteiintern aber eine kontroverse Diskussion ab.

Während der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) die Kraftwerke so lange wie möglich laufenlassen will, plädiert die CSU für maximal acht bis zehn Jahre Verlängerung. Offen ist auch, wie hoch die sogenannte Öko-Dividende zugunsten erneuerbarer Energien ausfallen soll, die von der Union bei einer erweiterten Laufzeit versprochen wird. Die Konzerne sollen demnach "den größten Teil" ihrer zusätzlichen Profite aus der Betriebsverlängerung in einen Fonds abführen, mit dem Öko-Energien gefördert werden. Hohe Investitionen in die Sicherheit der Anlagen oder in noch viel teurere Aufrüstungen könnten diese Gewinne aber dramatisch abschmelzen. Zudem hinterfragen einige Stromkonzerne bereits die Berechnungsgrundlage für die geplante Öko-Abgabe. 40 Prozent der Erlöse pro Kilowattstunde gingen schon heute als Steuern und Abgaben an den Staat, heißt es. Das müsse im Fall einer Laufzeitverlängerung angerechnet werden, mithin wollen die Energieunternehmen allenfalls rund 10 Prozent ihrer zusätzlichen Gewinne abführen.



Forum - Kernenergie - längere Laufzeiten trotz Reaktorpannen?
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Rainer Eichberg 11.07.2009
1.
Zitat von sysopDie Kernenergie ist wieder diskutabel gewonnen, auch ein Ausstieg aus dem Ausstieg wird von Politikern erwogen. Wie zukunftsfähig ist die Atomenergie heute? Sollen die Reaktorlaufzeiten trotz der aktuellen Pannen verlängert werden?
Ja. Alles andere wäre Blödsinn. Der Strom würde sonst im Ausland eingekauft, und auch da bekommen wir wieder Atomstrom. Nur halt nicht Atomstrom "made in Germany". Und ob in Frankreich ein Reaktor in die Luft geht, in Polen oder in der Tschechei, ist ziemlich egal - es würde uns dennoch treffen.
WillyWusel 11.07.2009
2.
Zitat von Rainer EichbergJa. Alles andere wäre Blödsinn. Der Strom würde sonst im Ausland eingekauft, und auch da bekommen wir wieder Atomstrom. Nur halt nicht Atomstrom "made in Germany". Und ob in Frankreich ein Reaktor in die Luft geht, in Polen oder in der Tschechei, ist ziemlich egal - es würde uns dennoch treffen.
Sie und Ihr Nachbar stehen jeweils mit MG ausgerüstet einem gefesselten Mann gegenüber. Sie meinen, es ist kein Unterschied, ob Sie den Mann an der Wand erschiessen oder Ihr Nachbar? Tot ist der sowieso? Schon mal was von Verantwortung für sein eigenes Tun gehört?
kellitom, 11.07.2009
3. Söder und Ramsauer sind realitätsblind
Herr Söder droht den Menschen damit, dass die CSU Strom aus Tschernobyl importieren müßte, wenn in Deutschland die Laufzeiten nicht verlängert würden.In einem Fernsehinterview. Der Ausspruch, blöd, blöder Söder bekommt hier eine ganz neue Berechtigung, denn in Tschernobyl wird schon lange gar kein Stropm mehr hergestellt. Alles abgeschsltet dort, Herr Söder. Alle 6 Blocks. Aber als Umweltminister in Bayern muss er so etwas nicht wissen. Dort kann selbst ein Söder Umweltminister werden und bleiben. Und Herr Ramsauer entblödet sich nicht zu sagen, dass es in Krümmel im egentlichen Inneren des Atommeilers keinerlei Probleme geben. Wo sind denn die Brennstäbelchen, Herr Ramsauer? Schweben die außen vorbei???? Oh weh, oh weh, die CSU verliert jegliche Glaubwürdigkeit. Hoffentlich merken das die Bayern VOR der Bundestagswahl, denn danach ist es zu spät.
flowpower22 11.07.2009
4.
Zitat von Rainer EichbergJa. Alles andere wäre Blödsinn. Der Strom würde sonst im Ausland eingekauft, und auch da bekommen wir wieder Atomstrom. Nur halt nicht Atomstrom "made in Germany". Und ob in Frankreich ein Reaktor in die Luft geht, in Polen oder in der Tschechei, ist ziemlich egal - es würde uns dennoch treffen.
Es macht eben schon einen Unterschied. Glauben sie es oder nicht, aber die Welt schaut schon auf das was Deutschland macht. Wenn wir weiter mit Siemens die Speerspitze der Atomstrombewegung spielen, so werden die Bedenken in der Welt zerstreut. Aber es wird dann eben so sein wie immer. Die ärmeren Länder rechnen bei Sicherheitstandards vieles runter im Vergleich zu Deutschland. Auch diese sonderbare Haltung es bliebe uns quasi gar nichts anderes übrig halte ich für grossen Käse. In den 70'er Jahren gab es von der Politik verordnete Autofreie Sonntage um Sprit zu sparen. Das waren die schönsten Sonntage seit lange. Niemand hat diese Dreckskisten auch nur eine Sekunde vermisst.
flowpower22 11.07.2009
5.
Zitat von kellitomHerr Söder droht den Menschen damit, dass die CSU Strom aus Tschernobyl importieren müßte, wenn in Deutschland die Laufzeiten nicht verlängert würden.In einem Fernsehinterview. Der Ausspruch, blöd, blöder Söder bekommt hier eine ganz neue Berechtigung, denn in Tschernobyl wird schon lange gar kein Stropm mehr hergestellt. Alles abgeschsltet dort, Herr Söder. Alle 6 Blocks. Aber als Umweltminister in Bayern muss er so etwas nicht wissen. Dort kann selbst ein Söder Umweltminister werden und bleiben. Und Herr Ramsauer entblödet sich nicht zu sagen, dass es in Krümmel im egentlichen Inneren des Atommeilers keinerlei Probleme geben. Wo sind denn die Brennstäbelchen, Herr Ramsauer? Schweben die außen vorbei???? Oh weh, oh weh, die CSU verliert jegliche Glaubwürdigkeit. Hoffentlich merken das die Bayern VOR der Bundestagswahl, denn danach ist es zu spät.
Ich kann nur hoffen, dass die Bayern endlich aufwachen und dieser CSU mal die rote Karte zeigen werden in ein paar Wochen. Das wäre ein sehr gutes Zeichen und ein Sieg für das schöne Bayernland.
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