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Energiedebatte: Mehrheit der Deutschen will längere AKW-Laufzeiten

Die Energiepreise explodieren - und die Bundesbürger stellen den Atomausstieg in Frage: Einer Umfrage zufolge spricht sich die Mehrheit der Deutschen inzwischen für längere Laufzeiten der Kernkraftwerke aus. Auch unter den SPD-Anhängern bröckelt die Front gegen die Atomenergie.

Mainz - Die steigenden Energiepreise beeinflussen offenbar die Haltung der Deutschen zur Atomkraft. Inzwischen spricht sich eine Mehrheit von 54 Prozent für den längeren Betrieb der vorhandenen Atomkraftwerke in Deutschland aus, wie das am kommenden Freitag veröffentlichte ZDF-Politbarometer ergab. Nur 40 Prozent wollen noch an dem im Atomkonsens geschlossenen Zeitplan festhalten, wonach die Nutzungsdauer der Kraftwerke etwa im Jahr 2021 enden soll.

Atomkraftwerk Unterweser bei Esensham (Archivbild von 1995): Bundesbürger offen für längere AKW-Laufzeiten
DPA

Atomkraftwerk Unterweser bei Esensham (Archivbild von 1995): Bundesbürger offen für längere AKW-Laufzeiten

Während rund drei Viertel der Anhänger von Union und FDP für längere Laufzeiten plädieren, sind die Anhänger der SPD in dieser Frage inzwischen gespalten. Nur die Anhänger der Linken und besonders der Grünen stehen demnach mehrheitlich zu dem Ausstiegsbeschluss, den die rot-grüne Regierung mit den Energiekonzernen ausgehandelt hatte und den die Große Koalition dann übernahm.

Als wichtigstes Thema der politischen Agenda gaben die Befragten mit 60 Prozent den Bereich Kosten, Preise und Löhne an. Mit deutlichem Abstand folgte das Thema Arbeitslosigkeit (34 Prozent). Fast jeder Bundesbürger (95 Prozent) sagte demnach, dass die gestiegenen Energiepreise ein sehr großes oder großes Problem seien. Für 84 Prozent stellt dies eine Gefahr für den Wohlstand in Deutschland dar.

Als Reaktion auf die gestiegenen Spritpreise gaben 55 Prozent aller Autofahrer an, weniger fahren zu wollen. 29 Prozent der Befragten wollten Benzin sparender fahren. 16 Prozent erwägen, auf ein kleineres Auto umzusteigen, und acht Prozent wollten zukünftig gar ihr Auto abschaffen. Lediglich 21 Prozent meinten, dass sie deshalb nichts ändern wollten, und 14 Prozent beabsichtigten, an anderer Stelle zu sparen.

Bundesbürger sehen Große Koalition kritisch

Der Großen Koalition trauen der Umfrage zufolge immer weniger Bürger noch einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Probleme in Deutschland zu. 58 Prozent machen sich keine großen Hoffnungen mehr, im November waren es noch 46 Prozent. Laut Politbarometer setzen nur noch 35 Prozent auf das Bündnis von Union und SPD. Im November waren es noch 49 Prozent.

Wenn schon am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, bliebe der Zuspruch für die Koalitionsparteien gegenüber dem Vormonat unverändert: Die Unionsparteien liegen bei 39 Prozent, die SPD bei 26 Prozent.

Nach einer zeitgleich veröffentlichten Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des ARD-"Morgenmagazins" würden sich CDU/CSU gegenüber der Vorwoche um einen Punkt auf 37 Prozent verbessern und die Sozialdemokraten einen Punkt verlieren - sie lägen dann bei 24 Prozent.

Die Linke würde sich nach der monatlichen ZDF-Umfrage um einen Punkt auf zwölf Prozent verbessern, die FDP bei zehn Prozent verharren und die Grünen einen Punkt auf neun Prozent verlieren. Nach der wöchentlichen Infratest-Erhebung würde die Linke einen Punkt auf zwölf Prozent einbüßen, ebenso die FDP; die Grünen würden einen Punkt auf zwölf Prozent hinzugewinnen.

Beim ZDF hätte Schwarz-Gelb gegenüber dem linken Lager eine Mehrheit von 49 zu 47 Prozent, in der ARD lägen beide Lager gleichauf bei 48 Prozent.

phw/AFP/dpa

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