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Energieversorgung: Nordländer wollen CO2-Endlager im Bundesrat stoppen

CO2-Speicher unter der Erde gelten als wichtiger Faktor, wenn es um die Erzeugung von Strom aus Braun- oder Steinkohle geht. Ein Gesetzentwurf soll die Einrichtung solcher Endlager jetzt erleichtern - nach SPIEGEL-Informationen stößt er allerdings auf massiven Widerstand der Standort-Länder.

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dpa

Protestschild gegen CO2-Endlager: Kein Vetorecht der Länder

Berlin - Schleswig-Holstein und Niedersachsen wollen nach SPIEGEL-Informationen die unterirdische Speicherung des Treibhausgases Kohlendioxid über den Bundesrat stoppen. Der entsprechende Gesetzentwurf, den die Koalition am Dienstag beschließen will, verpflichtet die beiden unionsgeführten Länder, CO2-Lager zuzulassen. Ursprünglich hatte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) den Landesregierungen ein Vetorecht in dieser Frage einräumen wollen. Wie aus einer Antwort des Bundesumweltministeriums an den Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer (Grüne) hervorgeht, soll den Ländern nun aber lediglich ein Spielraum im Rahmen von Planfeststellungsverfahren gewährt werden.

Das Umweltministerium bestritt allerdings, dass es gegenüber dem von Röttgen im Juli vorgestellten Entwurf in diesem Punkt Änderungen gegeben habe. Der Entwurf soll am Dienstag im Kabinett gebilligt werden. Er könnte vor allem den Betrieb eines Demonstrationskraftwerks von Vattenfall im brandenburgischen Jänschwalde ermöglichen. Vattenfall will dafür bis zu 1,5 Milliarden Euro investieren, wobei die EU die Anlage mit 180 Millionen Euro fördern will.

Die CCS-Technik (Carbon Capture and Storage) gilt als Voraussetzung, um in Deutschland weiter Strom aus Braun- und Steinkohle produzieren zu können. Als geeignete Lagerstätten gelten vor allem ehemalige Erdgasspeicher, die fast ausschließlich in Schleswig-Holstein und Niedersachsen liegen. Die dortigen Landesregierungen sehen sich aber mit massiven Bürgerprotesten gegen die Gaslager konfrontiert.

Krischer wirft Röttgen Versagen vor: "Wie schon beim Atom-Deal droht der Umweltminister auch bei diesem großen energiepolitischen Projekt der Verlierer zu werden." CO2-Speicher sind für die Betreiber von Kohlekraftwerken von großem Interesse, weil sie das Treibhausgas tief im Boden entsorgen können. Wer ab 2013 nämlich Kohlendioxid in die Luft blasen will, muss dafür Zertifikate kaufen.

mik

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
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1. .
herr-vorragend 25.09.2010
Einbuddeln und wegschauen. Dadurch wird zwar das Problem nicht gelöst, aber das Gewissen beruhigt. Ich werde in Zukunft meinen Ölwechsel am Auto im Wald durchführen. Da versickert das Öl schön schnell und ich bin nicht gezwungen es so lange in Auffangbehältern und Lappen sehen zu müssen.
2. CO² Lüge!
thomas l. 25.09.2010
Seit Climategate ist der CO²-Schwindel doch längst aufgeflogen! CO² ist kein Klimakiller, sondern wichtiges Nahrungsmittel für Pflanzen! Diese Verbrecher werden sich noch für ihre Lügen verantworten müssen! http://www.youtube.com/watch?v=ApIe5faS8mM
3. verstehe ich nicht...
EricTCartman 25.09.2010
Was für ein Problem gibt es denn jetzt schon wieder? Kohlendioxid ist schwerer als Luft. Wenn es unter der Erde in gasdichtem Gestein eingelagert wird, besteht keinerlei Gefahr für irgendjemanden. Aber klar: Wir schließen die Atom- und Kohlekraftwerke weil sie umweltschädlich sind. Photovoltaikanlagen und Windkrafträder dürfen nicht in der Nachbarschaft stehen, weil das die Landschaft verschandelt... Macht nix: Strom kommt ja einfach so aus der Steckdose ;-) Nur um den Plan mal für die Ökos zu erklären: Man pumpt Gas aus der Erde, nutzt seine Energie und pumpt die schädlichen Rückstände wieder unter die Erde. WO IST DAS PROBLEM??? viele Grüße EricTCartman
4. Co-2 Endlager
hadete40! 25.09.2010
Zitat von herr-vorragendEinbuddeln und wegschauen. Dadurch wird zwar das Problem nicht gelöst, aber das Gewissen beruhigt. Ich werde in Zukunft meinen Ölwechsel am Auto im Wald durchführen. Da versickert das Öl schön schnell und ich bin nicht gezwungen es so lange in Auffangbehältern und Lappen sehen zu müssen.
5. Stimmt
MaschinenbauStudent 25.09.2010
Zitat von herr-vorragendEinbuddeln und wegschauen. Dadurch wird zwar das Problem nicht gelöst, aber das Gewissen beruhigt. Ich werde in Zukunft meinen Ölwechsel am Auto im Wald durchführen. Da versickert das Öl schön schnell und ich bin nicht gezwungen es so lange in Auffangbehältern und Lappen sehen zu müssen.
Die Idee der CCS Technologie ist, den entstehenden Müll (also hier CO2) in der Erde zu endzulagern. Dies wird als saubere Zukunfttechnologie gesehen. Kann mir mal einer den Unterschied zu Atommüll verraten? Warum ist Atommüll endlagern böse und CO2 endlagern gut?
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Unkonventionelle Gasförderung
In Deutschland gibt es einen Run auf neue Erdgasquellen. Durch spezielle Bohrmethoden lässt sich der wertvolle Rohstoff selbst dann bergen, wenn er in kleinen, abgeschotteten Zwischenräumen verstreut ist. SPIEGEL ONLINE zeigt Chancen und Risiken des Booms im Überblick.
Weltweite Vorräte
Die Internationale Energieagentur schätzt, dass weltweit rund 921 Billionen Kubikmeter unkonventionellen Gases im Erdreich verborgen sind - fünfmal so viel wie in konventionellen Vorkommen. Andere Expertern gehen von noch größeren Mengen aus. Bislang gibt es für viele Länder aber nur Schätzungen über prinzipiell vorhandene Mengen (in-situ Mengen). Wie viel davon tatsächlich technisch (Ressourcen) und wirtschaftlich (Reserven) gefördert werden kann, ist noch nicht bekannt.
Die Reservoirs
Im Gegensatz zu konventionellen Vorkommen befindet sich unkonventionelle nicht in durchlässigen Gesteinsschichten, sondern in kleinsten Poren und Bruchzonen im Gestein. Die größten Vorkommen sind in Schiefergestein eingeschlossen. Aber auch in Tonschichten und Tundraböden finden sich Vorräte.
Die Fördermethode
Steuerbare Bohrer dringen nicht nur tief ins Erdreich vor, sondern wühlen sich auch horizontal ins Gestein. So kann die gashaltige Gesteinsschicht über eine Strecke von mehreren Kilometern durchbohrt werden. Damit das Gas entweichen kann, wird das Gestein durch eine Mischung aus Wasser, Chemikalien und Quarzkügelchen in Tausende Stückchen gesprengt. Die Sprengungen bezeichnet man als "hydraulic fracturing" oder "fracing" (sprich: "Fräcking"). Fracing wird sehr selten auch bei konventionellen Bohrungen eingesetzt - bei unkonventionellen ist es Standard.
Die Chemikalien
Der Anteil der eingesetzten Chemikalien an der Gesamtflüssigkeit beträgt nach Angaben der Industrie gut ein Prozent. Angesichts der Tatsache, dass beim Fracing einer Bohrung teils mehrere Millionen Liter Wasser eingesetzt werden, ist das allerdings immer noch eine Menge. Über die genaue Zusammensetzung der Chemikalien gibt die Industrie nur sehr zögernd Auskunft.
Folgen der Technologie
In den USA hat der Abbau von unkonventionellem Erdgas bereits in großem Stil begonnen und den Energiemarkt so umgekrempelt, dass der Rohstoffexperte und Pulitzerpreis-Gewinner Daniel Yergin von einer "American Gas Revolution" spricht.
Folgen für die Umwelt
In den USA gibt es Beschwerden von Anwohnern, die sagen, ihre Lebensbedingungen hätten sich verschlechtert - unmittelbar, nachdem in Nähe ihrer Wohnungen Fracing-Bohrungen vorgenommen wurden. US-Behörden haben zudem Luft- und Grundwasserverschmutzungen nachgewiesen. Inwieweit es sich um Einzelfälle handelt oder um ein flächendeckendes Problem - und inwieweit all die aufgetretenen Umweltschäden tatsächlich mit der unkonventionellen Gasförderung zusammenhängen, ist kaum untersucht. Die US-Regierung hat es bislang versäumt, die Umweltrisiken genau zu untersuchen.ssu


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