Altmaiers Mammutprojekt Energiewende: Der Ankündigungsminister

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Der Umweltminister geht bei der Energiewende in die Offensive, er will den Ausbau von Ökoenergie reformieren. Doch das Vorzeigeprojekt der Bundesregierung stockt, die Kritik wächst. Auch Altmaier schiebt die Planungen hinaus - bis nach der Bundestagswahl.

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Umweltminister Altmaier: Wenn er erklären darf, ist er in seinem Element

Berlin - Wie man Windräder hässlich finden kann, das ist dem Umweltminister schleierhaft. Im Gegenteil, "ich halte Windräder durchaus für ästhetisch", schwärmt Peter Altmaier (CDU). "Einige Windräder sind eifrig bei der Arbeit", sinniert er, "andere sind eher lethargisch." Der Minister erntet Lacher im Publikum.

Wenn Altmaier erklären darf, ist er in seinem Element. Der 54-Jährige, der in Beliebtheitsumfragen regelmäßig Spitzenwerte einfährt, stellt an diesem Donnerstag seinen Zehn-Punkte-Plan zum Erneuerbaren-Energien-Gesetz, kurz EEG, vor. Die Reform des EEG ist ein Herzstück der schwarz-gelben Energiewende, mit der in den nächsten Jahren Stück für Stück der Ausstieg aus der Atomkraft eingeleitet werden soll.

Steigende Strompreiskosten zwingen den Umweltminister, am Mammutprojekt Energiewende Korrekturen vorzunehmen. Er verspricht, den Ausbau von Energie aus Sonne, Wind und Wasser künftig "in geordnete Bahnen zu lenken."

Altmaier bekennt sich bei der Vorstellung seines Konzepts klar zur Energiewende, die Reform sei "absolut notwendig und unumgänglich", betonte er. Wer versuche diese zu torpedieren, "der wird es mit diesem Umweltminister zu tun bekommen".

Starke Worte. Indes: Konkrete Vorschläge, wie es nun weitergehen soll mit den Erneuerbaren Energien im Speziellen und mit der Energiewende im Allgemeinen, macht der Minister nur wenige. Statt den Ökostrom-Anteil, wie bisher geplant, im Jahr 2020 auf 35 Prozent anzuheben, spricht Altmaier nun von 40 Prozent. Wie bei den Solaranlagen könne auch für Energie aus Windkraft und Biomasse eine Obergrenze festgelegt werden, ab der die staatliche Förderung eingestellt werde. Als ein Ziel nannte Altmaier die Verständigung darauf, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien "in gleichmäßigen Schritten zu erfolgen hat".

Ökostrom-Zulage auf Rekordniveau

Das klingt reichlich vage - aber der Minister gibt sich kämpferisch: "Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Energiewende richtig ist". Dabei mutiert die Energiewende, die nach der Katastrophe von Fukushima eilig konzipiert wurde, immer mehr zur Dauerbaustelle mit ungewissem Ausgang.

Als großer Hoffnungsträger startete Altmaier ins Amt. Doch große Fortschritte kann er bislang kaum vorweisen, zuletzt platzte eine Gesprächsrunde mit Parteien und Ländern zur Suche eines Atommüllendlagers. Mehr als aufgehübschte Punktepläne hat er bislang nicht vorzuweisen. Wann ein fertiger Gesetzentwurf zur Änderung des EEG im Bundestag verabschiedet werden soll, lässt Altmaier offen. Es soll erst einmal weiter geredet werden. Die konkreten Gesetzestexte sollen nach Abschluss "einer Diskussionsreihe", die für Ende Mai 2013 geplant ist, ausgearbeitet werden. "Qualität geht für mich vor Schnelligkeit", begründete Altmaier seinen Zeitplan. Mit einer Reform noch vor der Bundestagswahl ist kaum zu rechnen. Das Projekt dürfte im allgemeinen Wahlkampftrubel untergehen.

Die Verbraucher werden derweil zur Kasse gebeten. Denn eine Sache steht fest. Für die Deutschen wird Strom teurer - und zwar schon ab nächstem Jahr. Die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien wird nach dem geltenden Gesetz von derzeit rund 3,6 auf mehr als fünf Cent je Kilowattstunde wachsen. Das entspricht einer Steigerung um 47 Prozent. Kletternde Strompreise dürften auch im Bundestagswahlkampf für Zündstoff sorgen.

Doch sie sind nicht das einzige Problem für Merkels Ankündigungsminister:

Es hagelt Kritik: Die Energiewende spaltet die schwarz-gelbe Regierung, der Koalitionspartner FDP lässt derzeit keine Gelegenheit aus, um mit eigenen Ideen voranzupreschen. Um die Belastung der Bürger im Rahmen zu halten, wollen die Liberalen eine schrittweise Senkung der Stromsteuer durchsetzen. Die CSU zeigte sich offen, Unterstützung kommt von der Industrie. Aber Altmaier und Kanzlerin wollen von dem Vorstoß nichts wissen - der Umweltminister ruft stattdessen zum Stromsparen auf. Dazu bietet er allen Bürgern bis 2020 eine kostenlose Beratung an. Ein Vorstoß, der die aufgeheizte Stimmung kaum beruhigen dürfte.

Altmaier kann nicht allein entscheiden: Die Konkurrenz zwischen Umweltministerium und Philipp Röslers (FDP) Wirtschaftsministerium macht die Umsetzung der Reform noch schwerfälliger. Rösler sieht sich verantwortlich für den Netzausbau, Altmaier will Chef bei der Erweiterung erneuerbarer Energien sein. Aber beides ist nicht voneinander zu trennen. Lange schien Altmaier obenauf. Jetzt, wo er sich mit dem komplizierten EEG und Strompreisen rumschlagen muss, ist die Position des Umweltministers geschwächt. Am Donnerstag stellte Altmaier vorsorglich klar: "Der Reformfahrplan fällt in meine Zuständigkeit."

Die Länder stellen sich quer: Im Streit um die Kosten brechen alte Animositäten zwischen Nord und Süd auf. Die energiehungrige Industrie in Bayern und Baden-Württemberg spürt bei der steigenden EEG-Umlage jeden Cent - und lädt ihren Frust bei der Politik ab. Die Windindustrie in den Küstenländern verdient dagegen prächtig am Ökostrom-Boom, drängt auf einen Ausbau der Windräder. Die Binnen-Länder müssen sich auf gewaltige Hochspannungsleitungen einstellen, die Windenergie vom Norden in den Süden Deutschlands schaffen. Alles in allem ein Clash der Interessen.

Die Bürger sind verärgert: Die Ungerechtigkeiten, die die Energiewende mit sich bringt, sind immer schwerer zu erklären. Große Unternehmen mit hohem Energieverbrauch müssen zum Teil gar keine EEG-Zulage zahlen, Firmen nutzen zahlreiche Schlupflöcher der Ökostrom-Förderung. Sozialverbände klagen, dass Kosten und Risiken vor allem auf die Bürger abgewälzt würden. Am Donnerstag erklärte Altmaier, mögliche "Fehlentwicklungen" im Prozess müssten überprüft werden. Die Verantwortung für die Grundlagen aber schob er ab, der Großteil der Ausnahmen sei von Rot-Grün eingeführt worden. "Es ärgert mich maßlos, mit welcher Unsachlichkeit darüber diskutiert wird", sagt Altmaier - und schaltete auf Angriff: "Die Energiewende gibt es nicht zum Nulltarif."

Viele Probleme - für ihn im Grunde aber keine Hindernisse. Das scheint Altmaier demonstrieren zu wollen. Er fordert, dass das Ergebnis "nicht nur parlamentarisch, sondern auch gesellschaftlich getragen" werde. Will heißen - es wird dauern.

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insgesamt 104 Beiträge
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1.
soulbrother 11.10.2012
Zitat von sysopDPADer Umweltminister geht bei der Energiewende in die Offensive, er will den Ausbau von Ökoenergie reformieren. Doch das Vorzeigeprojekt der Bundesregierung stockt, die Kritik wächst. Auch Altmaier schiebt die Planungen hinaus - bis nach der Bundestagswahl. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/energiewende-laesst-strompreise-klettern-altmaiers-schwerste-mission-a-860730.html
"Reformieren" heisst bei Altmaier ausbremsen, um den Großen Vier Marktanteile von 60% bis 2020 zu garantieren. Um nichts anderes geht es dabei.
2. Diese Energiewende
chico 76 11.10.2012
Zitat von sysopDPADer Umweltminister geht bei der Energiewende in die Offensive, er will den Ausbau von Ökoenergie reformieren. Doch das Vorzeigeprojekt der Bundesregierung stockt, die Kritik wächst. Auch Altmaier schiebt die Planungen hinaus - bis nach der Bundestagswahl. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/energiewende-laesst-strompreise-klettern-altmaiers-schwerste-mission-a-860730.html
ist der grösste industrielle Flop seit langer Zeit. Das weiss der Arme, kein Wunder, wenn man ein Hauptthema der Grünen besetzt, dass es schiefgehen muss.
3. Windräder sind häßlich und verschandeln unser Land!
himatze 11.10.2012
Wie man Windräder häßlich finden kann? Sorry, Windräder sind ziemlich häßlich und verschandeln unser ganzes Land. Dabei gibt es doch genug Alternativen: Offshore-Windanlagen oder Energiebergbau. Wenn man sich anschaut, wieviel Leuchtreklame und Lichter nachts brennen, dann ist Strom für einige Verbraucher doch noch viel zu billig. Einfach einmal nachts alle Leuchtreklamen und die Hälfte der Strassenlaternen abschalten und schon können wir uns den Winrad-Wahn sparen.
4. Leider
crocodil 11.10.2012
wird er ja nie in den Genuss kommen, sich die laufenden Windräder mit ihrem Geräusch Tag und Nacht anzuhören. Er wohnt ja garantiert in einem windstromfreien Park.Über die EEG-Abgaben braucht er sich ja auch keine Sorgen zu machen, entweder die fetten Diäten oder Sonderkonditionen vom Staat. (freier Strom) Wer will denn das eigentlich??? Die Energiewende gibt es nicht zum Nulltarif."
5. immer die gleiche alte Leier
rorufu 11.10.2012
Zitat von sysopDPADer Umweltminister geht bei der Energiewende in die Offensive, er will den Ausbau von Ökoenergie reformieren. Doch das Vorzeigeprojekt der Bundesregierung stockt, die Kritik wächst. Auch Altmaier schiebt die Planungen hinaus - bis nach der Bundestagswahl. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/energiewende-laesst-strompreise-klettern-altmaiers-schwerste-mission-a-860730.html
Wer glaubt dass diese ... einmal was anfangen und dann auch zu Ende bringen, der ist falsch gewickelt. Die Jahreszeiten bewegen sich schneller als diese Dumpfbacken. Abder was soll der arme Mensch auch machen, kein Konzept und Lobby im Genick. Schlaft schön weiter in Berlin :-)
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Grafiken: Wo kommt 2030 unsere Energie her?

EEG-Umlage
Was ist die EEG-Umlage?
Die EEG-Umlage ist das zentrale Förderinstrument für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wind-, Solar- und Biogasanlagen können am Markt noch nicht mit Kohle- und Atomkraftwerken konkurrieren. Damit sie trotzdem rentabel sind, wird solchen Kraftwerken der Strom zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt deutlich über dem Preis an der Strombörse EEX. Die Differenz von Börsenpreis und fixem Abnahmepreis zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.
Warum steigt die EEG-Umlage?
Das hat zwei Gründe. Erstens, weil die absolute Menge des Ökostroms steigt. Durch die Energiewende gehen eine große Menge neuer Ökostromanlagen ans Netz. Zweitens steigt die EEG-Umlage auch relativ. Das hat paradoxerweise mit sinkenden Strompreisen zu tun. Die erneuerbaren Energien erhöhen das Stromangebot in Zeiten großer Nachfrage und senken dadurch den Strompreis an der Börse. Wenn aber der Strompreis sinkt, dann steigt die Differenz zwischen dem tatsächlichen Strompreis und dem fixen Abnahmepreis, den Betreiber von Ökostromanlagen garantiert bekommen - und die Verbraucher per EEG-Umlage ausgleichen müssen.
Zahlen alle Verbraucher die EEG-Umlage?
Im Prinzip ja. Allerdings werden ausgerechnet die größten Stromfresser der Nation entlastet. Sie genießen den Schutz der sogenannten besonderen Ausgleichsregel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Laut dieser zahlen Firmen die volle EEG-Umlage nur für die ersten eine Million Kilowattstunden Strom, die sie verbrauchen. Für jede weitere Kilowattstunde zahlen sie nur noch zehn Prozent der EEG-Umlage, ab einem Verbrauch von zehn Millionen Kilowattstunden ist es nur noch ein Prozent, ab einem Verbrauch von 100 Millionen Kilowattstunden sind es noch 0,05 Cent. Beispiel: Die Trimet Aluminium AG verbraucht bei voller Auslastung 4,6 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr*. Die Aluminiumhütte muss also nur für rund 0,02 Prozent ihres Gesamtverbrauchs die volle EEG-Umlage zahlen.

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.