Energiewende: Sieben Alt-AKW sollen dauerhaft vom Netz

Es ist die erste Vorentscheidung im Ringen um den Atomausstieg: Sieben ältere Kernkraftwerke sind seit Beginn des Moratoriums vom Netz - und so soll es auch bleiben. Die Umweltminister von Bund und Ländern sind sich einig, die Altmeiler nicht wieder hochfahren zu lassen.

AKW Isar 1: Für immer vom Netz? Zur Großansicht
dapd

AKW Isar 1: Für immer vom Netz?

Wernigerode - Die sieben ältesten Atomkraftwerke stehen vor dem endgültigen Aus. Die Umweltminister von Bund und Ländern einigten sich auf ihrer Konferenz in Wernigerode darauf, dass die sieben Meiler nicht mehr ans Netz gehen sollen. Das teilte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) mit. Die sieben Meiler sowie das Kernkraftwerk Krümmel sind wegen des Atommoratoriums der Bundesregierung derzeit nicht am Netz.

Zu dem Beschluss gebe es als Einschränkung allerdings Protokollnotizen aus mehreren Ländern, etwa zur sicheren Energieversorgung. Zur Zukunft des Atomkraftwerks Krümmel, das ebenfalls derzeit stillsteht, gab es zunächst keine genauen Angaben.

Nicht einigen konnten sich die Minister auf ein konkretes Datum für den endgültigen Atomausstieg. Die Ressortchefs hätten sich aber dafür ausgesprochen, dass es ein schnellstmögliches Ausstiegsdatum geben soll, sagte Röttgen. "In diesem Ziel herrscht Einvernehmen", betonte er. Dem Minister zufolge waren unter anderem die Jahre 2017 und 2022 im Gespräch. Einen genauen Zieltermin solle die Energie-Ethikkommission vorlegen.

Die Kommission tagt am Wochenende noch einmal und übergibt ihren Bericht am Montag an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Das Papier wird im Anschluss am Montagvormittag in Berlin vorgestellt. Bereits am Sonntag kommen im Kanzleramt die Koalitionsspitzen zusammen, um über die Energiewende zu sprechen. Röttgen sagte der dpa, er gehe nicht davon aus, dass dann schon Eckdaten genannt würden.

Bei ihrer Konferenz forderten die Umweltminister von Bund und Ländern einen raschen Ausbau der erneuerbaren Energien. Der Anteil solle bis 2020 auf 40 Prozent steigen, sagte Röttgen. Bislang waren 35 Prozent als Ziel genannt worden.

Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) sagte, sie verspreche sich vom Atomausstieg einen Schub für Investitionen. Die Umweltministerkonferenz habe nicht nur einen Ausstieg aus der Kernenergie gefordert, sondern auch einen Einstieg in andere Technologien.

Der Umweltminister von Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel (Grüne), betonte, die Minister hätten sich für einen gesetzlich verankerten Ausstieg ohne jede Hintertür ausgesprochen. Er bedauerte jedoch, dass die Minister sich nicht geeinigt hätten, gemeinsam für die Beibehaltung der Brennelementesteuer zu plädieren.

Jeder Zweite für schnellen Ausstieg

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass jeder zweite Bundesbürger einen raschen Ausstieg aus der Atomenergie unterstützt. Dem jüngsten ZDF-"Politbarometer" zufolge plädieren 50 Prozent dafür, die deutschen Kernkraftwerke so schnell wie möglich abzuschalten. 35 Prozent favorisieren einen Ausstieg bis 2021, wie ihn einst die rot-grüne Bundesregierung geplant hatte. Nur 13 Prozent wollen nach der Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen an der von Schwarz-Gelb im Herbst beschlossenen Laufzeitverlängerung bis 2035 festhalten.

Probleme haben die Menschen mit der Glaubwürdigkeit der Bundesregierung: Die große Mehrheit der Bürger (68 Prozent) hält die Kehrtwende der schwarz-gelben Koalition in der Atompolitik für nicht glaubwürdig, nur 27 Prozent sehen das anders. Kritisch äußern sich vor allem die Anhänger von SPD (83 Prozent), Grünen (82 Prozent) und Linken (79 Prozent). Aber auch 40 Prozent der Anhänger der CDU/CSU bescheinigen den Regierungsparteien ein Glaubwürdigkeitsdefizit in dieser Frage.

phw/dpa/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. was soll das
Juergen Wolfgang, 27.05.2011
Zitat von sysopEs ist die erste Vorentscheidung im Ringen um den Atomausstieg: Sieben ältere Kernkraftwerke sind seit Beginn des Moratoriums vom Netz - und so soll es auch bleiben. Die Umweltminister von Bund und Ländern sind sich einig, die Altmeiler nicht wieder hochfahren zu lassen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,765309,00.html
OH je ! Jetzt geht gleich das Licht aus!
2. Na endlich
Klaus.G 27.05.2011
jetzt, denke ich, sind alle Zweifel beseitigt. Die Bundesregierung steigt ernsthaft aus der Kernkraft aus, dass muss jetzt dem letzten klar sein. Insofern muss man auch ma Merkel Respekt und Anerkennung zollen. Sie hat sich hier nicht von der Atomlobby kaufen lassen. Danke!
3. Deutschland ade
diegutealtedmark 27.05.2011
Prima, in Zukunft schalten wir mal eben bestimmte Technologieen an oder ab - je nach dem wie Wahlprognosen und Stimmungen ausfallen. Langfristige Planung ade. Wenn ich langfristig investieren wollte - dann bestimmt nicht in D. Willkommen im Öko- und EHEC Gurkenstaat Deutschland.
4. Macht nix!!!
walter_rsr 27.05.2011
Zitat von Juergen WolfgangOH je ! Jetzt geht gleich das Licht aus!
Ich hab mir Kerzen besorgt.
5. Andere dümmer?
Hardliner 1, 27.05.2011
Zitat von sysopEs ist die erste Vorentscheidung im Ringen um den Atomausstieg: Sieben ältere Kernkraftwerke sind seit Beginn des Moratoriums vom Netz - und so soll es auch bleiben. Die Umweltminister von Bund und Ländern sind sich einig, die Altmeiler nicht wieder hochfahren zu lassen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,765309,00.html
Sind die Regierungen aller Staaten, die nach wie vor auf Kernkraft setzen, dümmer als Merkel, Röttgen & Co.?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Energiewende
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 40 Kommentare
Fotostrecke
Grafiken: Wie das Moratorium die Stromnetze belastet

Leistung der sieben Altmeiler plus Krümmel
Kraftwerk Betriebsstart Nettoleistung in MW
Brunsbüttel 1977 771
Isar I 1979 878
Neckarwestheim 1 1976 785
Philippsburg I 1980 890
Biblis A 1974 1167
Biblis B 1976 1240
Unterweser 1978 1345
Krümmel 1984 1346
Gesamt 8422
Quelle: Bundesumweltministerium, Bundesamt für Strahlenschutz, IAEA - Power Reactor Information System, Informationskreis KernEnergie
Fotostrecke
Grafiken: Deutschlands Energiewirtschaft