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Energiewende: Wettlauf der Atom-Aussteiger

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Atomkraft, nein danke - soweit sind inzwischen alle Parteien. Aber wie schnell soll's denn gehen mit dem Ausstieg aus der Kernenergie? In der Regierung prescht die CSU mit dem Datum 2020 voran, die Grünen halten mit dem Jahr 2017 dagegen, die Linke spricht von 2014 - ein irrwitziger Wettlauf.

Umweltaktivisten vor Berliner Reichstag (Archivbild von 2010): Wann kommt der Ausstieg? Zur Großansicht
dapd

Umweltaktivisten vor Berliner Reichstag (Archivbild von 2010): Wann kommt der Ausstieg?

Berlin - "Wir kämpfen seit über 30 Jahren für den Ausstieg aus der Atomkraft, auf der Straße und in den Parlamenten." Wenn es um das große politische Thema dieser Tage geht, klingt bei den Grünen ein wenig Bitterkeit durch. "Wir wissen, wie wichtig dieses Thema für unsere Partei ist", schrieb Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke am Donnerstag in einem Brief an die Mitglieder.

Das Problem für Lemkes Partei: Neuerdings ist der Atomausstieg auch für die politische Konkurrenz ein Riesenthema. Alle wollen plötzlich abschalten - die Grünen sind ihr Alleinstellungsmerkmal los.

Die Katastrophe von Fukushima machte selbst hartgesottene Atom-Freunde in Deutschland zu entschiedenen Kernkraftgegnern. Noch vor Monaten hatte Schwarz-Gelb die AKW-Laufzeitverlängerung beschlossen, aber daran erinnert sich Kanzlerin Angela Merkel nur ungern: Neuerdings will die Union nichts lieber als Windräderparks in der Republik, die FDP setzt auf Solarenergie.

Der alte Grünen-Slogan "Atomkraft, nein danke" ist im Frühsommer 2011 politisches Allgemeingut. Differenzen gibt es lediglich noch in der Frage, wie schnell das gehen soll mit dem Ende der Kernenergie in Deutschland. Zehn Jahre, sieben - oder sogar nur drei Jahre?

Klar ist bisher nur der Fahrplan der Koalition zum Ausstiegsbeschluss: Am 30. Mai nimmt die Kanzlerin den Bericht der Ethikkommission entgegen, das Kabinett soll am 6. Juni entscheiden, für den 30. Juni ist die letzte Lesung der entsprechenden Gesetze im Bundestag geplant, der Bundesrat soll am 8. Juli darüber abstimmen.

Aber der Wettlauf um den Atomausstieg ist längst eröffnet. Mitunter wirkt er wie ein Hase-und-Igel-Rennen.

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insgesamt 50 Beiträge
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1. Atomausstieg
rentnerin 20.05.2011
Es wird immer lustiger wie sich Union und FDP überbieten. Wenn man sich ihre Schauspielgesichter - vor allem die Kanzlerin - mit ihren pompösen Begründungen vergegenwärtigt kommt die ganze Verlogenheit der Politiker zum Vorschein. Und im Hintergrund agiert die Wirtschaft mit ihren Forderungen und die Atomlobby wedelt bestimmt mit Geldscheinen. So wird man das Thema mit Klamauk verreden, zerreden und wenn das Wahljahr herum ist wird man die Engergiewende durch eine Rolle rückwärts wieder ad absurdum bringen. Und die Politiker werden das wieder mit den scheinheiligsten Gesichtern begründen.
2. kann man bis zur bundestagwahl durchhalten?
Tabris2011 20.05.2011
also ein meisterwerk wäre es, die debatte solange am "köcheln" zu halten, bis du bundestagswahl vorbei ist und dann alles als "nicht durhführbar" zu erklären - samt entschädigungszahlen an die energiekonzerne, dass sie solange bibbernd-harren mussten. nein! ein glasklares gesetzesverfahren mit einem ergebnis, wo akw für akw aufgeführt ist, welche wann abgeschaltet wird. und zwar ohne hintertürchen, sondern wann abgefrackt und entsorgt wird. nicht mehr und nicht weniger. die gelisteten fünf - bis sechs akw, die beim stresstest durchgefallen sind ("leichte flugzeuge") können gleich ganz ausbleiben. aber auch da mit fristen wann abfracken. ohne schadensersatz! und natürlich - rein formal - rücknahme aller laufzeitverlängerung! mir ist es egal, welche partei mit welcher partei das umsetzt. hauptsache es wird endlich mal nägel mit köpfen gemacht.
3. CSU diese Heuchler und Amigopartei
herbert 20.05.2011
Jetzt haben sie Angst das in Bayern ein anderer Wind weht. Was hat der Seehofer und der Söder für die AKWs getrommelt. Plötzlich 180 Grad ist das alles nicht mehr in und jetzt den Atomausstieg. Unerträglich diese Lügen und Amigopartei ! Diese christlichen Heuchler ! Atomausstieg zug und zug denn wir haben keine Not ! Die Grünen haben immer noch nicht die Frage beantwortet, was ist mit den AKWs die rund um ander Grenze zu Deutschland sind und die zig AKSs in den Nachbarländern von Deutschland. Oder macht die Strahlung an der deutsche Grenze halt ? Die Panik in Deutschland ist schon krankhaft !
4. °°/\°°
tengri_lethos, 20.05.2011
Zitat von sysopAtomkraft, nein danke - soweit sind inzwischen alle*Parteien. Aber wie schnell soll's denn*gehen mit dem Ausstieg aus der Kernenergie? In der Regierung prescht die CSU mit dem Datum 2020 voran, die Grünen halten mit dem Jahr 2017*dagegen, die Linke*spricht von 2014 -*ein irrwitziger Wettlauf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,763790,00.html
Alle diesen ungemein klugen Leute können doch nur deshalb so vollmundig reden und planen, weil sie immer noch in der Hinterhand haben, Strom aus dem Ausland zuzukaufen, i.d.R. dann Strom, der unter Zuhilfenahme von Kernspaltung erzeugt wurde. Vor diesem Hintergrund mit solchen Zahlen zu planen, ist keine Kunst, sondern nur Angeberei.
5. Warten wirs ab
inderhehn 20.05.2011
Die Niederlande wird - auch mit Hilfe des RWE - das AKW Borssele erweitern, obwohl doch gerade die Niederlande mit Windkraft seit dem 17.Jahrhundert die allergrößte Erfahrung haben: große Teile der Niederlande wurden erst durch Windkraft-Entwässerung geschaffen. Die Windkraft dürfte also kaum das 'perpetuum mobile', die Wunderwaffe sein, für die sie hier gehalten wird und auf die sich wohl der deutsche Atomausstieg abstützen soll. Eine Chance bietet allerdings der Atomausstieg: Er dürfte so etwa ab 2025 den problemlosen Einstieg in die Nutzung der Transmutations-Kernkraftmaschinen der 4ten Generation ermöglichen. Bis dann !
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Kriterien des AKW-Stresstests
Grundsätzliche Kriterien
Überprüfung, ob die Kühlung der Brennelemente sowohl im Reaktordruckbehälter als auch im Brennelementlagerbecken bei bisher nicht zu erwartenden Ereignissen eingehalten werden kann - und ob die Freisetzung radioaktiver Stoffe begrenzt werden kann.

Reaktionsmöglichkeiten, wenn die Kühlung der Brennelemente sowohl im Reaktordruckbehälter als auch im Abklingbecken ausfällt, es keinen Strom gibt oder eingetretene massive Brennelementschäden bis zur Kernschmelze führen.

Notstromversorgung, Personalverfügbarkeit in Notfällen, Wasserstoffbildung und Explosionsgefahr und Vorgehen, wenn das AKW wegen zu hoher Strahlenbelastung nicht mehr betreten werden kann.
Erdbeben
Überprüfung der Standorte auf Erdbebensicherheit. Bis zu welcher Stärke können sie Beben aushalten, die deutlich über den bisher für Deutschland zu erwartenden Stärken liegen?

Erhalt der Funktionen bei einem besonders starken Erdbeben.

Überprüfung von Folgeschäden mit Blick auf Anstieg bzw. Absinken des Flusspegels, Brand, Kühlmittelverlust, Überflutung, Zerstörung der Infrastruktur, Beeinträchtigung der Personalverfügbarkeit.
Hochwasser
Überprüfung der Anlagen auf potenzielle Schäden durch bisher nicht einkalkuliertes Hochwasser - zum Beispiel wegen Staudammbrüchen, extremer Sturmflut, Tsunamis oder der Auswirkungen von Treibgut. Dabei soll die mögliche Zerstörung der Infrastruktur und fehlendes Personal berücksichtigt werden.

Überprüfung der Auswirkungen auf Notfallmaßnahmen bei Überschreitung der in der AKW-Auslegung vorgesehenen Wasserhöhe.
Flugzeugabsturz und Terrorangriffe
Überprüfung des Erhalts der Funktionen beim Absturz eines Verkehrs- oder Militärflugzeugs. Dabei sollen unterschiedliche Absturzszenarien berechnet werden, je nach Flugzeugtyp, Geschwindigkeit, Beladung oder Aufprallort.

"Bauliche Reserven" beim Einschlag eines Flugzeugs - also eine Überprüfung, ob die Betonhüllen dick genug sind.

Auswirkungen eines Kerosinbrands (Flugzeuge tanken Kerosin).

Wirksamkeit einer räumlichen Trennung, etwa des Leitstands vom Reaktor.

Folgen eines radioaktiven Lecks nach einem Flugzeugabsturz.
Cyber-Angriffe
Prüfung der Notfallmaßnahmen bei Verlust einzelner Reaktorteile durch eine gezielte lokale Zerstörung von Systemen.

Gefährdung bei Angriffen von außen auf computerbasierte Steuerungen und Systeme, Stichwort Cyberterrorismus.
Ausfall von Kühlung und Notstrom
Überprüfung der Folgen eines stationären Blackouts von mehr als zwei Stunden etwa mit Blick auf die Batteriekapazitäten.

Überprüfung eines langen Notstromfalls von mehr als 72 Stunden im Hinblick auf die Dieselversorgung (Kraftstoff, Öl, Kühlwasser)

Reparatur oder Ersatz von Dieselaggregaten durch eine alternative Notstromversorgung (Gasturbine, Wasserkraftwerk).

Folgen eines Ausfalls der Nebenkühlwasserversorgung im Hinblick auf andere Kühlmöglichkeiten wie Brunnenkühlung.

Quelle: dpa

Interaktiv
Interaktiv: Atomkraft und Strom weltweit
Atomkraft in Deutschland
Leistung älterer Kernkraftwerke
Leistung älterer deutscher Kernkraftwerke
Kraftwerk Betriebs-
start
Defekte Netto-
leistung
in MW
Brunsbüttel 1977 80 771
Isar 1 1979 44 878
Neckarwestheim 1 1976 47 785
Philippsburg 1 1980 39 890
Biblis A 1974 66 1167
Biblis B 1976 78 1240
Unterweser 1978 49 1345
Gesamt 7076
Quelle: Bundesumweltministerium, Bundesamt für Strahlenschutz, IAEA - Power Reactor Information System, Informationskreis KernEnergie
Umsätze Altreaktoren
Durchschnittliche Jahresstromproduktion und Gesamtumsatz Altreaktoren
Kraftwerk Leistung in MW Produktion in TWh
Biblis A 1167 8,1
Neckarwestheim 1 785 5,4
Biblis B 1240 8,6
Brunsbüttel 771 0,0 (nicht am Netz)
Isar 1 878 6,1
Unterweser 1345 9,3
Philippsburg 1 890 6,1
Gesamt 7076 43,6
Jahresumsatz gesamt in Mio. € 2310
Quelle: Energiekonzerne, Bundesumweltministerium, Bundesamt für Strahlenschutz; Berechnungen: Wolfgang Pfaffenberger. Ausgegangen wird von einer Jahresproduktion von 6900 Volllaststunden und dem Grundlastpreis vom 15.3.11 (53 Millionen Euro pro Terawattstunde).
Reststrommengen der Altmeiler
Reststrommengen der Altmeiler
Kraftwerk Reststrom 1. Januar 2011 Reststrom aktuell*
Biblis A 4305 3332
Biblis B (in Revision) 4961 7490
Neckarwestheim I 188 0
Brunsbüttel (nicht am Netz) 10999 10999
Isar 1 3585 2276
Unterweser 13572 11344
Philippsburg 1 9869 8518
Gesamt 43959
 
Umsatzpotential in Mio. € 2329
Quellen: Bundesamt für Strahlenschutz, VGB. * Eigene Berechnungen (Reststrom 1. Januar 2011 minus [Jahreswert 2010 geteilt durch 12 mal 2,5 Monate]). Die Tabelle gibt die Reststrommengen ohne die im vergangenen Jahr beschlossene Laufzeitverlängerung wieder.


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