Enge Kontakte zur BW-Bank Wulffs Schnäppchenkredit wirft neue Fragen auf

War der günstige 520.000-Euro-Kredit der BW-Bank eine Art Dankeschön für Christian Wulff? Kurz zuvor hatte Niedersachsens damaliger Ministerpräsident das Geldinstitut vor Schaden bewahrt - durch die Rettung des Autobauers Porsche. Der Bundespräsident bestreitet im SPIEGEL einen Zusammenhang.

Dreiergespann im Jahr 2009: VW-Patriarch Piëch (l.), der damalige Porsche-Chef Wiedeking, Ministerpräsident Wulff (r.)
AP

Dreiergespann im Jahr 2009: VW-Patriarch Piëch (l.), der damalige Porsche-Chef Wiedeking, Ministerpräsident Wulff (r.)


Hamburg/Berlin - Bundespräsident Christian Wulff gerät mit seinem privaten 520.000-Euro-Kredit der Baden-Württembergischen Bank (BW-Bank) immer stärker in Erklärungsnot. Das Unternehmen, das dem Politiker als "gehobenem Privatkunden" Anfang 2010 ungewöhnliche Sonderkonditionen einräumte, hatte nach SPIEGEL-Informationen offenbar allen Grund, Wulff dankbar zu sein. Die BW-Bank, eine Tochter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), ist die Hausbank des Stuttgarter Sportwagenbauers Porsche.

Die LBBW selbst hatte Porsche mit einem Milliardenkredit den Einstieg bei VW mitfinanziert. Doch im März 2009 geriet die Nobelmarke in Geldnot, dem Unternehmen drohte sogar die Insolvenz. Bei der Rettung des Autoherstellers spielte Wulff - damals als niedersächsischer Ministerpräsident im Präsidium des VW-Aufsichtsrats - eine wichtige Rolle: Zusammen mit VW-Patriarch Ferdinand Piëch und VW-Chef Martin Winterkorn entwickelte er eine "Grundlagenvereinbarung", die am 13. August 2009 von den Aufsichtsräten beider Unternehmen unterzeichnet wurde. VW stieg bei Porsche ein, und die Geldgeber der Sportwagenschmiede, darunter die LBBW und deren Tochter BW-Bank, konnten aufatmen.

Nur vier Monate später nahm der CDU-Politiker nach eigenen Angaben wegen seines Hauskredits Kontakt zur BW-Bank auf. Auf die Frage des SPIEGEL, ob der Kredit eine Art "Dankeschön" für die Porsche-Rettung gewesen sei, antwortet Wulff, es bestehe "keine irgendwie geartete Interessenkollision". Vorgänge aus dem Aufsichtsrat könne er aber nicht kommentieren, weil sie "fortgeltender Verschwiegenheitsverpflichtungen" unterlägen.

Ungereimtheiten um "Nord-Süd-Dialog"

Auffällig erscheint auch der Besuch des Leiters des Privatkundengeschäfts der BW-Bank, Axel Döhner, am 14. Oktober 2009 bei einem luxuriösen Abendessen in der Norddeutschen Landesbank in Hannover. Event-Veranstalter Manfred Schmidt hatte Ministerpräsident Wulff, dessen Frau Bettina und drei Dutzend Unternehmensvertreter zu dem von der Nord/LB bezahlten Treffen eingeladen; es galt, Sponsoren für eine im Dezember geplante Party mit dem Titel "Nord-Süd-Dialog" zu finden.

Ein finanzielles Engagement der BW-Bank war damals allerdings von vornherein ausgeschlossen, weil das Geldinstitut zuvor seine Sponsoringausgaben drastisch zurückgefahren hatte. Die BW-Bank will sich zu der Reise ihres Mitarbeiters nicht äußern.

Fragen wirft auch die Finanzierung des "Nord-Süd-Dialogs" selbst auf. Laut Wulff habe es sich dabei um eine Privatveranstaltung seines Duzfreundes Schmidt gehandelt, der auch die Sponsoren akquiriert habe. Ein Schriftverkehr legt allerdings den Verdacht nahe, dass zumindest Wulffs inzwischen geschasster Sprecher Olaf Glaeseker maßgeblich an der Geldbeschaffung beteiligt war. So teilte ein Unternehmen am 14. Oktober 2009 Glaeseker per Mail mit, dass man leider aufgrund der Geschäftssituation "von einem Engagement" absehen müsse. Schmidt erhielt das Schreiben nur in Kopie.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 387 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
uinen_osse 31.12.2011
1. Lol
Zitat von sysopWar der günstige 520.000-Euro-Kredit der BW-Bank eine Art*Dankeschön für Christian Wulff?*Kurz zuvor hatte Niedersachsens damaliger Ministerpräsident*das Geldinstitut*vor Schaden bewahrt - durch die Rettung des Autobauers Porsche.*Der Bundespräsident bestreitet*im SPIEGEL einen Zusammenhang. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,806421,00.html
und igittigitt, ist ja eklig. Was für eine Farce läuft da wieder ab. Und dann wundern sich die "Herrschaften" dass der gemeine Plebs nicht mehr wählen geht ... es wäre zumindest für mich inzwischen unangenehm solchen Leuten noch das Händchen zu geben .... wenn es dazu käme ... was ich nicht hoffe :)
Hinrich7 31.12.2011
2. Eilmeldung
so könnte die Nachricht lauten: der BP Wulff, vormals MP Niedersachsen entschuldigt sich bei Glogowski, bei der Fam. Rau und allen Anderen denen er zugesetzt hat. Selbstredend wird er jedem Häuslebesitzer in echter Notlage Vermittlung eines günstigen Kredites helfen. Darüber hinaus verzichtet er freiwillig auf die Hälfte seiner Bezüge, sowie seiner Pensionsansprüche . So könnte die Meldung lauten, bin gespannt wie sie demnächst ausschaut.
alocasia 31.12.2011
3. Wulff muß bleiben
er ist der ideale Repräsentant unserer Gesellschaft. Jeder schaut auf sich und zu seinem eigenen Vorteil. Da finde ich es gut dass der Bupräs mit leuchtendem Beispiel vorangeht. Einfach mal nicht neidisch sein auf die guten Konditionen sondern seine Leistung würdigen, wie er das alles geschafft hat. :D
mischpot 31.12.2011
4. Vielleicht war das der Grund
weshalb Ihn CDU und FDP auf den Präsidentenstuhl geschoben haben? Politik ist und bleibt ein schmutziges Geschäft. Daher gehört Sie in dieser Form abgeschafft.
Dumb Bunny 31.12.2011
5. Los Amigos
Diese ganze Affäre könnte man auch etwas weniger aufgeregt betrachten. Klar handelt es sich mutmasslich um Amigotum, vielleicht auch um indirekte Korruption. Und es wäre auch wünschenswert, zöge der zweifelhafte Präsident Wulff die angemessenen Konsequenzen. Aber dass ein deutscher Bundespräsident einen Kredit braucht, um ein Haus zu kaufen: In vielen anderen Ländern hätte ein so hoher Amtsträger nicht dieses Problem, sondern sich auf dem Weg dorthin schon die Taschen gefüllt. Eigentlich ein schönes Zeichen dafür, dass dieses Land noch nicht ganz verkommen ist. In diesem Sinne: Einen guten Rutsch!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.