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Entführte Deutsche: Köhler ruft Geiselnehmer im Irak zu Freilassung auf

Dramatischer Appell des Bundespräsidenten an die Entführer der beiden Deutschen im Irak: "Geben Sie die Geiseln ihren Familien zurück", bittet Horst Köhler in einer Videobotschaft. Es sei schon "zu viel unschuldiges Blut vergossen worden".

Berlin - "Ich appelliere an Sie, Frau Krause und Ihren Sohn umgehend freizulassen. In Irak ist schon zu viel unschuldiges Blut vergossen worden. Halten Sie ein! Geben Sie die Geiseln ihren Familien zurück", sagte Köhler. Die Botschaft wurde heute Nachmittag erstmals in der ARD ausgestrahlt und sollte auch im arabischen Raum gesendet werden. Die Videobotschaft wurde dem arabischen Sender al-Dschasira zur Verfügung gestellt.

"Es gibt kein politisches Ziel, das die Entführung oder die Tötung unschuldiger Menschen rechtfertigt. Keine Religion erlaubt ein solches Verhalten", betonte Köhler. Die Video-Botschaft wurde am Rande der Lateinamerika-Reise des Bundespräsidenten aufgenommen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier dankte Köhler für dessen Appell an die Entführer. Es dürfe nichts unversucht gelassen werden, was die Chance auf eine Freilassung der Geiseln erhöhe, sagte Steinmeier heute in Nürnberg vor Journalisten.

"Deshalb bin ich dem Bundespräsidenten ausgesprochen dankbar für seine nachdrücklichen Appell an die Entführer", sagte der Außenminister. "Ich denke, dieser Appell unterstreicht noch einmal, wie sehr uns das Schicksal der beiden Entführten am Herzen liegt." Köhler habe die Videobotschaft auf Bitten der Bundesregierung aufgenommen, sagte eine Sprecherin des Bundespräsidialamtes.

Die beiden entführten Deutschen, eine 61 Jahre alte Frau, die den Geburtsnamen Krause trägt und mit einem irakischen Professor verheiratet ist, sowie ihr 20-jähriger Sohn sind seit dem 6. Februar in der Gewalt ihrer Entführer.

Die beiden Deutschen waren aus ihrem Haus in Bagdad verschleppt worden, als sie und ihr Sohn gerade zur Arbeit gehen wollten. Ein halbes Dutzend Männer war dabei in die Wohnung in einem überwiegend von Sunniten bewohnten Viertel eingedrungen und hatte die Familie in Schach gehalten.

Die Kidnapper hatten sich am vergangenen Samstag erstmals öffentlich gemeldet und mit der Tötung der Geiseln gedroht, sollte die Bundeswehr ihren Afghanistan-Einsatz nicht beenden. Im Auswärtigen Amt in Berlin arbeitet ein Krisenstab rund um die Uhr. Es werde alles unternommen, um den Entführten eine unversehrte Rückkehr zu ihrer Familie zu ermöglichen, hieß es.

Auch bei vorangegangenen Entführungen Deutscher im Irak hatte es von hoher politischer Stelle Appelle an die Täter gegeben. Im Fall der Anfang 2006 verschleppten Leipziger Ingenieure Rene Bräunlich und Thomas Nitschke hatten sich Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier auf al-Dschasira an die Geiselnehmer gewandt. Für die Ende 2005 entführte Archäologin Susanne Osthoff hatte sich Ex-Kanzler Gerhard Schröder in einem Video an die Entführer gerichtet.

hen/dpa/ddp/Reuters/AFP

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