Zugriff in Berlin Vietnamesischer Geheimdienst plante Entführung über Monate

In einer filmreifen Aktion kidnappten Agenten am helllichten Tag in Berlin einen vietnamesischen Ex-Politiker und Manager. Nach SPIEGEL-Informationen begannen die Planungen dafür bereits ein Dreivierteljahr zuvor.

Entführter Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh
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Entführter Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh

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Er geht an einem Sommermorgen mit seiner Freundin im Berliner Tiergarten spazieren, da schlagen die Agenten zu. Sie packen das Liebespaar und drängen es in einen silbernen VW-Bus, der zur vietnamesischen Botschaft in Berlin-Treptow rast.

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Heft 17/2018
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Die skrupellose wie filmreife Entführung des vietnamesischen Geschäftsmanns Trinh Xuan Thanh und seiner Begleiterin im Juli vergangenen Jahres erschütterte die Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam erheblich. Die Tat sei ein "präzedenzloser und eklatanter Verstoß gegen deutsches Recht und gegen das Völkerrecht", erklärte das Auswärtige Amt.

Nach Informationen des SPIEGEL haben die vietnamesischen Behörden die kriminelle Tat von langer Hand geplant und mit den Vorbereitungen offenbar ein Dreivierteljahr zuvor begonnen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Bereits im September 2016 reiste eine Delegation vietnamesischer Polizisten der Fahndungsabteilung C52 nach Prag. Dort wollten sie Quellen aktivieren, um den Aufenthaltsort von Trinh herauszufinden. Dies geht aus einem Bericht des Verbindungsbeamten des Bundeskriminalamts in Tschechien hervor.

Einen Monat später dann reiste eine Delegation des vietnamesischen Ministeriums für Öffentliche Sicherheit mit dem gleichen Ziel nach Deutschland.

Die Entführung des beim vietnamesischen Regime in Ungnade gefallenen Ex-Politikers am 23. Juli 2017 schließlich koordinierte der Vizechef eines vietnamesischen Geheimdienstes, Generalleutnant Duong Minh Hung. Gegen einen der mutmaßlich Beteiligten beginnt am 24. April der Prozess vor dem Berliner Kammergericht.

Die Spur führt auch nach Prag

Nicht nur die vietnamesische Botschaft in Berlin stand nach Informationen des SPIEGEL im Mittelpunkt der Geheimdienstoperation, auch die tschechische Hauptstadt Prag war eine wichtige Basis: Mindestens drei Tatverdächtige kamen aus Prag, der koordinierende Generalleutnant reiste von dort zurück nach Hanoi. In Prag wurden auch zwei Fahrzeuge für die Operation ausgeliehen.

Trinh Xuan Thanh vor Gericht in Hanoi
AFP

Trinh Xuan Thanh vor Gericht in Hanoi

Nachdem Trinh Xuan Thanh auf noch unbekanntem Weg in seine Heimat verbracht wurde, verurteilte ihn ein Gericht Anfang des Jahres in Hanoi wegen Wirtschaftsdelikten zu zweimal lebenslänglich. Die Rechtsanwältin des Entführten, Petra Schlagenhauf, forderte im SPIEGEL die deutschen Behörden auf, sich für die Freilassung ihres Mandanten einzusetzen. "Ein solch ungeheuerlicher Vorgang kann nicht ohne deutliche Reaktion vonseiten der Bundesregierung bleiben."

Inzwischen wurde auch über den Asylantrag des Geschäftsmanns und Ex-Politikers entschieden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schickte den Bescheid am 5. Dezember 2017, gut vier Monate nach der Entführung: Die Asylberechtigung wurde anerkannt.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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tom-pex 21.04.2018
1. Asyl für Verbrecher ?
Der Mann ist kein politischer Flüchtling - auch wenn er sich verständlichher Weise darauf beruft - sondern hat laut Urteil Millionen (EUR) aus ihm als Funktionär anvertrautem Volksvermögen (Steuermitteln) veruntreut und versucht, sich damit ein komfortables Leben im freien Westen zu genehmigen. Sowas wäre auch bei uns strafbar - wofür also die Krokodilstränen ? Dass dieser Verbrechens nun auch noch nachträglich Asyl erhält rechtfertigt ja fast die filmreife Entführung - RECHT (also Auslieferung des Verbrechers) konnte die vietnamesische Regierung ja offenbar zu Recht nicht erwarten..
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