Entlassung aus der Bundeswehr Ex-General Günzel erwägt Klage gegen Struck

Der entlassene Bundeswehrgeneral Günzel wehrt sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus. Er sieht sich als Opfer einer Kampagne und erwägt eine Klage gegen Verteidigungsminister Struck wegen Rufschädigung.


Ex-KSK-Chef Reinhard Günzel: "Treppenwitz der Weltgeschichte"
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Ex-KSK-Chef Reinhard Günzel: "Treppenwitz der Weltgeschichte"

Berlin - "Ich überlege mir, ob ich Schritte einleite, um meinen Ruf wieder herzustellen, der in übler Weise beschädigt worden ist", sagte Günzel der "Bild am Sonntag". "Jedem Hühnerdieb wird rechtliches Gehör gegeben. Aber ein deutscher General wird ohne Anhörung in die Wüste geschickt. Das ist schon bemerkenswert." Zwar sei ihm klar, dass ihn der Minister jederzeit ohne Angaben von Gründen entlassen könne. Doch wehre er sich dagegen, "dass der Minister mich als geistig verwirrten Mann bezeichnet hat".

Günzel sagte weiter: "Es ging Herrn Hohmann in der Tat nicht darum, das jüdische Volk zu verletzen und zu beleidigen, sondern darum, Normalität für das deutsche Volk herzustellen. Das war seine Schussrichtung." Den Vorwurf, er selbst habe sich durch den Brief an Hohmann als Antisemit entlarvt, wies Günzel zurück: "Das ist schon eine üble Kampagne. Ich bin genauso wenig Antisemit wie (die früheren israelischen Ministerpräsidenten) Ben Gurion und Golda Meir."

Er habe als Kommandeur des Bundeswehr-Kommandos Spezialkräfte (KSK) immer die Zusammenarbeit mit den Israelis gefördert, "weil es fantastische Menschen und Soldaten sind", sagte Günzel. "Also, mir zu unterstellen, ich wäre antisemitisch oder rechtsradikal ist geradezu abstrus, der Treppenwitz der Weltgeschichte."

Struck hatte Günzel am vergangenen Dienstag wegen eines Briefs an den CDU-Abgeordneten Martin Hohmann entlassen, in dem der General Hohmann zu dessen als antisemitisch kritisierten Rede gratuliert.



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