Entwicklungshilfe für Afrika Die großen Acht erfüllen ihre Zusagen nicht

22 Milliarden Dollar hatten die G8-Staaten versprochen, nur gut ein Achtel davon ist in Afrika angekommen - so das ernüchternde Ergebnis einer Studie, die von Entwicklungshelfern in Auftrag gegeben wurde. Auch Deutschland liegt weit hinter seinen Zusagen zurück.

Von Martina Schrey


Berlin - Den Zeitpunkt für die Veröffentlichung ihrer Studie haben die Entwicklungshelfer von Data mit Bedacht gewählt: unmittelbar vor dem EU-Ratstreffen, vor dem Ende der deutschen Haushaltsberatungen und wenige Tage vor dem G8-Gipfel. Die 2002 in London gegründete Hilfsorganisation Data - mit vollem Namen "Debt, AIDS, Trade in Africa" - fordert die Bundesregierung auf, 2009 zusätzlich mindestens 750 Millionen Euro für die Armutsbekämpfung in Afrika einzuplanen. "Die deutsche Regierung hat starke Zusagen gemacht", sagt der Vorsitzende von Data in Deutschland, Tobias Kahler. Erfüllt worden seien seit 2005 aber nur zwölf Prozent.

Die Bilanz der Hilfsorganisation Data: Es fehlt noch Geld in Afrika - aber es sind auch Erfolge zu verzeichnen. Zwischen 1999 und 2005 wurden 29 Millionen Kinder zusätzlich eingeschult, 26 Millionen Kinder geimpft, 2,1 Millionen Menschen vor dem Aids-Tod gerettet
REUTERS

Die Bilanz der Hilfsorganisation Data: Es fehlt noch Geld in Afrika - aber es sind auch Erfolge zu verzeichnen. Zwischen 1999 und 2005 wurden 29 Millionen Kinder zusätzlich eingeschult, 26 Millionen Kinder geimpft, 2,1 Millionen Menschen vor dem Aids-Tod gerettet

Allerdings habe Deutschland "in den letzten beiden Jahren deutlich Fahrt aufgenommen", laut Data-Studie stieg die deutsche Entwicklungshilfe für Afrika 2007 um 13 Prozent. Für das laufende Jahr rechnet die Organisation mit einer ähnlichen Steigerung.

"Deutschland muss weiterhin Motor in Sachen Armutsbekämpfung bleiben", appelliert Kahler an die Bundesregierung - und hat dabei vor allem den bevorstehenden Gipfel der acht führenden Industriestaaten in Japan im Blick. Es wird erwartet, dass die Zukunft Afrikas in den Beratungen dort eine wichtige Rolle spielen wird.

Bisher habe laut Data nur Japan das Ziel erreicht, die Entwicklungshilfe im beschlossenen Umfang zu erhöhen. Großbritannien und die USA lägen mit 26 beziehungsweise 15 Prozent immerhin noch über dem Durchschnitt der G8-Länder. Nach Deutschland folgt Kanada mit 10, 8 Prozent. Frankreich sei lediglich mit 6,7 Prozent dabei und die italienische Hilfe seit 2005 sogar leicht zurückgegangen. Russland beteilige sich erst gar nicht an der Aufstockung der Hilfszahlen.

"Wir dürfen nicht aufhören, wir müssen weitermachen", fordert Anke Engelke als prominente Unterstützerin von Data. Engelke, die schon mehrfach Afrika bereiste, hat selbst erlebt, wie ein kleines Mädchen in Tansania durch eine Malaria-Therapie für umgerechnet nur 50 Cent wieder gesund wurde. "Wir müssen was tun, damit die Menschen erst gar nicht krank werden. Imprägnierte Moskitonetze gegen Malaria kosten fünf Euro - und sie retten Leben!"

3,4 Millionen Moskitonetze

Wie Hilfe bereits funktioniert, schildert Gerald Walterfang, Geschäftsführer der kenianischen Hilfsorganisation "Alliance against Maleria". 3,4 Millionen Moskitonetze gegen Malaria konnten seine Mitstreiter 2007 in Kenia verteilen, Unterstützung aus Deutschland und den USA machte es möglich. In Folge sei die Kindersterblichkeit um 44 Prozent gesunken und die Krankenhauseinweisungen um 57 Prozent. "Und damit sparen wir Gelder, die wir stattdessen in die Bildung stecken können."

Es sei schon eine Menge erreicht worden, heißt es, neben aller Kritik, auch im Data-Bericht. Zwischen 1999 und 2005 seien 29 Millionen Kinder zusätzlich eingeschult worden, 26 Millionen Kinder wurden gegen eine Reihe von lebensbedrohlichen Krankheiten geimpft. Und 2,1 Millionen Menschen in Afrika erhielten lebensrettende Aids-Medikamente - 2002 waren es laut Data nur 50.000.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul wertet den Data-Bericht deshalb auch als Unterstützung ihrer Arbeit, "als Ansporn, weiter für steigende Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit zu kämpfen". Für 2008 sei der Haushalt ihres Ministeriums immerhin um 641 Millionen Euro auf 5,135 Milliarden Euro gestiegen. Die öffentlichen Mittel für Entwicklungszusammenarbeit (ODA) lägen 2007 nach bisherigen Berechnungen bei 0,37 Prozent des Bruttonationaleinkommens. Verpflichtet hatte sich die Staaten der EU allerdings, bis 2010 eine ODA-Quote von 0,56 Prozent zu erreichen.



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