Auftritt in Deutschland Tausende Erdogan-Gegner protestieren in Köln

Auf ihren T-Shirts steht "Taksim überall" oder "Mörder Erdogan": In Köln formiert sich der Demonstrationszug gegen den Auftritt des türkischen Premiers. 30.000 Protestler werden erwartet - und genauso viele Anhänger. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft.


Hamburg - Auf Twitter formieren sich die Gegner in diesen Stunden unter #Erdowahn: "Heute knöpfen wir uns #Erdowahn vor und sind in der Überzahl", heißt es dort. Oder: "Erdogan muss zittern, denn wir twittern".

Auf dem Ebertplatz in Köln formieren sich die Gegner ebenfalls: Am Mittag begann in der nördlichen Innenstadt die Protestaktion "Wir sagen Nein zu Erdogan". Mehrere Tausend Gegner von Recep Tayyip Erdogan versammelten sich bereits, um gegen den umstrittenen Auftritt des türkischen Regierungschefs in Köln zu demonstrieren. Die Protestler trugen Transparente mit Aufschriften wie "Tayyip Erdogan - Der Wolf im Schafspelz" oder "Mörder Erdogan".

Viele Gegendemonstranten kauften T-Shirts mit der Aufschrift "Überall Taksim - überall Widerstand", womit sie auf die Proteste gegen die islamisch-konservative Regierung der Türkei auf dem Taksim-Platz in Istanbul anspielten. Andere trugen gelbe Sicherheitshelme mit dem Aufdruck "Soma". Bei dem verheerenden Grubenunglück von Soma waren nach offiziellen Angaben 301 Bergleute ums Leben gekommen.

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Großdemo in Köln:: "Die Menschen trauern, Erdogan macht Propaganda"
Zu der Großdemonstration im linksrheinischen Stadtgebiet werden mehr als 30.000 Teilnehmer aus mehreren europäischen Ländern erwartet, am Nachmittag wollen die Demonstranten durch die Kölner Innenstadt ziehen. Die Demo wurde von der Alevitischen Gemeinde in Deutschland organisiert. Die Gegner werden nach bisherigem Stand auf ebenfalls rund 30.000 Anhänger des Premiers treffen. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort.

Kölner OB nennt Erdogans Besuch eine Provokation

Erdogan will am Nachmittag in der Kölner Lanxess-Arena auf der anderen Rheinseite im Stadtteil Deutz vor 15.000 Zuhörern sprechen. Offizieller Anlass für Erdogans Rede ist das zehnjährige Gründungsjubiläum der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die Erdogans Regierungspartei AKP unterstützt. Beobachter sind sich aber sicher, dass Erdogan vor der türkischen Präsidentschaftswahl im August in Köln um die Stimmen der rund 1,5 Millionen türkischen Wähler in Deutschland kämpfen will.

Erdogan gilt als Favorit für die Wahl, auch wenn er seine Kandidatur noch nicht offiziell erklärt hat. Deutsche Politiker hatten unter anderem den Zeitpunkt der Rede Erdogans nur einen Tag vor der Europawahl in Deutschland kritisiert. Auch wegen des schweren Grubenunglücks im westtürkischen Soma hatten mehrere Politiker dem islamisch-konservativen Ministerpräsidenten einen Verzicht auf die Reise nach Deutschland nahe gelegt.

Bereits am Freitagabend war es zu verbalen Attacken zwischen Gegnern und Anhängern Erdogans gekommen. "Wir mussten die aufgebrachten Gruppen vor einem Restaurant voneinander trennen", sagte ein Sprecher der Polizei. Der türkische Vizeregierungschef Bülent Arinc und der türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu hätten in einem Lokal zu Abend gegessen. Als dies bekannt wurde, versammelten sich spontan 300 Anhänger und Gegner der türkischen Regierung.

Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters nannte den Besuch Erdogans eine "Provokation" und rief am Samstag nochmals beide Lager zur Besonnenheit auf. Im WDR sagte der SPD-Politiker: "Zeigen wir in Köln, dass wir - auch wenn wir unterschiedlicher Auffassung sind - friedlich miteinander umgehen."

lgr/dpa/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
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goldring 24.05.2014
1. diese meine türkischen
- deutsch-türkischen, türkisch -deutschen - Mitbürger, die nicht nur gegen Erdogan, sondern auch für unsere gemeinsamen freiheitlichen Werte antreten, haben meine volle Solidarität.
Zapallar 24.05.2014
2.
Zitat von sysopDPAAuf ihren T-Shirts steht "Taksim überall" oder "Mörder Erdogan": In Köln formiert sich der Demonstrationszug gegen den Auftritt des türkischen Premiers. 30.000 Protestler werden erwartet - und genauso viele Anhänger. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/erdogan-in-koeln-tausende-demonstranten-auf-dem-ebertplatz-a-971453.html
Respekt und Dank an diese unsere türkischen Mitbürger, daß sie sich gegen den Despoten Erdogan stellen und somit mehr Rückgrat beweisen als unsere politische Führungsriege!
güntilein 24.05.2014
3. Erdogan provoziert?
Schon vergessen wie die Bundesdeutschen Politiker vor der Wiedervereinigung in der DDR aufgetreten sind? Das war damals noch nicht mal durch das GG gedeckt.
SohnTuerkischerMigranten 24.05.2014
4. In meinem Umfeld...
sind die meisten eher pro Erdogan. Ein Bericht über Deutsch-Türken, die pro Erdogan sind , wäre eigentlich recht interessant. Bei Vereinen wie milli görus dürfte man fündig werden.
ornitologe 24.05.2014
5. Keine Kunst
die Alawiten und Kurden in Deutschland gegen Erdogan zu mobilisieren. Sie sind aus religiös-ethnischen Grunden ein natürlicher Feind der Erdoganregierung. In der Türkei selbst stellen sie Minderheiten dar, welche von Erdogan z.T. stark unterdrückt werden. Für das Grubenunglück in Soma sind die Betreiber verantwortlich zu machen, allerdings hat Erdogan durch seine unbedachten Äusserungen Öl ins Feuer seiner Gegener gegossen. Hier ein Bild zu malen, nach dem DIE Türken gegen ihren Präsidenten demonstrieren, halte ich für undifferenziert und der realen Situation in der Türkei und Deutschland nicht angemessen.
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