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Erfurt Linke beschließt erstes Parteiprogramm mit großer Mehrheit

Linke-Parteitag in Erfurt: Große Mehrheit für erstes offizielles ProgrammZur Großansicht
dapd

Linke-Parteitag in Erfurt: Große Mehrheit für erstes offizielles Programm

Sie strebt einen radikalen Systemwechsel an, die Auflösung der Nato und das Ende von Kampfeinsätzen der Bundeswehr: Die Linke hat vier Jahre nach der Gründung ihr erstes Grundsatzprogramm beschlossen - mit einer Mehrheit von fast 97 Prozent der Stimmen auf dem Parteitag in Erfurt.

Erfurt - Das Ergebnis fällt klar aus: Dem Programm zufolge sollen die Nato aufgelöst, Banken verstaatlicht, Drogen legalisiert und Bundeswehreinsätze im Ausland beendet werden. Angestrebt wird auch die Überwindung des Kapitalismus und mit dem demokratischen Sozialismus "ein anderes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem".

Fraktions- und Parteispitze hatten eine Zustimmung für das Programm von mindestens 90 Prozent erwartet. Als nächstes befassen sich die rund 70.000 Mitglieder der Linken damit. Das Ergebnis soll Mitte Dezember vorliegen. Auch hier erwartet die Parteispitze breite Zustimmung. Die Programmkommission hatte unter Führung der ehemaligen Vorsitzenden Lothar Bisky und Oskar Lafontaine den Entwurf seit anderthalb Jahren erarbeitet.

Die Linke war 2007 aus westdeutscher WASG und ostdeutscher Linkspartei.PDS entstanden. Bislang hatte sie sich an programmatischen Eckpunkten orientiert. Die Delegierten hatten seit Freitag über den Leitantrag des Parteivorstands debattiert und allen zentralen Kompromissvorschlägen zugestimmt.

"Das ist ein Meilenstein in unserer Geschichte", sagte Parteichef Klaus Ernst vor der Verabschiedung des Textes vor den Delegierten. Die gute Zusammenarbeit der Parteiflügel bei der Erarbeitung des Textes sei "beispielhaft". Die große Anzahl von rund 1400 Änderungsanträgen, über die die Delegierten in Erfurt berieten, zeuge von der guten Debattenkultur der Partei.

Vor der Abstimmung hatte die Linke nach heftiger Kritik ihren umstrittenen Beschluss zur Drogenpolitik korrigiert. Die Delegierten beschlossen am Samstagabend eine zusätzliche Textpassage, derzufolge die Abgabe von Drogen nur für den Fall legalisiert werden solle, dass dies in kontrollierter Weise geschehe. In dem ursprünglichen Text hatte es lediglich geheißen, dass der Konsum aller Drogen entkriminalisiert und langfristig legalisiert werden solle. Damit betrifft die Forderung auch harte Drogen wie Heroin oder Kokain.

Gysi fordert Ende der Personaldebatte

Offiziell wurde die Debatte über die umstrittene Führungsspitze mit Klaus Ernst und Gesine Lötzsch in Erfurt nicht geführt. Bereits am Samstag hatte der Fraktionsvorsitzende der Linken, Gregor Gysi, in einer mitreißenden, knapp einstündigen Rede gefordert, die Personalquerelen sollten der Vergangenheit angehören. "Wir sind verpflichtet, unsere Selbstbeschäftigung ab Montag einzustellen", sagte Gysi und fügte hinzu: "Wir sind verpflichtet, 90 Prozent unserer Zeit darauf zu verwenden, Politik zu machen."

In den vergangenen Monaten waren Lötzsch und Ernst parteiintern massiv in die Kritik geraten. Debattiert wurden unter anderem der Kommunismusbegriff und die Haltung der Partei zu Israel.

Das nun verabschiedete Papier gilt als Kompromiss zwischen Reformern und Fundamentalisten innerhalb der Partei. Die Zustimmung zum Grundsatzprogramm nach monatelangen Querelen und etlichen Misserfolgen (Wahlpleiten in Berlin, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz) soll ein Signal der Geschlossenheit für die Linke sein, die auch in Umfragen kriselt.

Die stellvertretende Linke-Parteivorsitzende Sahra Wagenknecht hat sich "unglaublich froh" über die breite Zustimmung für das Parteiprogramm gezeigt. "Es zeigt, welche große Einigkeit wir hier gefunden haben", sagte sie. Vor einem Jahr hätten sich noch alle Sorgen gemacht, ob es wirklich gelingen könne, gemeinsame Positionen finden und festhalten zu können. Dies sei aber nun gelungen. Sie habe mit einer breiten Zustimmung gerechnet. "Aber so eindeutig, wie es jetzt ausgefallen ist, das ist für mich eine sehr positive Überraschung gewesen."

wit/dpa/dapd/AFP

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insgesamt 17 Beiträge
garfield 23.10.2011
Tja, liebe Schreiberlinge. Was nun? Greifen wir in die Schublade "Parteitag spaltet die Partei" oder passt jetzt besser "Abstimmungsverhalten wie zu DDR-Zeiten". Wie der Parteitag der LINKEn dann hätte [...]
Zitat von sysopSie strebt einen radikalen Systemwechsel an, die Auflösung der Nato und das ende von Kampfeinsätzen der Bundeswehr: Die Linke hat vier Jahre nach der Gründung ihr erstes Grundsatzprogramm beschlossen - mit einer Mehrheit von fast 97 Prozent der Stimmen auf dem Parteitag in Erfurt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,793442,00.html
Tja, liebe Schreiberlinge. Was nun? Greifen wir in die Schublade "Parteitag spaltet die Partei" oder passt jetzt besser "Abstimmungsverhalten wie zu DDR-Zeiten". Wie der Parteitag der LINKEn dann hätte ablaufen müssen, damit keins dieser beiden Schwarz-Weiß-Echos in den Medien rauskommt, würde mich mal interessieren. Versteht sich von selbst, dass die Formulierungen bei einem Parteitag der Etablierten dann analog SO lauten würden: "Partei zeigt frischen Wind mit lebendigen Diskussionen" bzw. "Vom Parteitag geht ein klares Signal der Geschlossenheit aus". Aber so ist das. Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe.
cerberus99 23.10.2011
... und ab Montag geht der Streit los, wer in Zukunft die Partei, die sich selbst "Linke" nennt, führen soll. Dann sind die Formelkompromisse, die alle Knackpunkte ja nur notdürftig übertünchen, wertlos. Weil es dann [...]
Zitat von sysopSie strebt einen radikalen Systemwechsel an, die Auflösung der Nato und das ende von Kampfeinsätzen der Bundeswehr: Die Linke hat vier Jahre nach der Gründung ihr erstes Grundsatzprogramm beschlossen - mit einer Mehrheit von fast 97 Prozent der Stimmen auf dem Parteitag in Erfurt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,793442,00.html
... und ab Montag geht der Streit los, wer in Zukunft die Partei, die sich selbst "Linke" nennt, führen soll. Dann sind die Formelkompromisse, die alle Knackpunkte ja nur notdürftig übertünchen, wertlos. Weil es dann um die Wurst geht. Es hat sich nicht wirklich was geändert: Diese Partei zerlegt sich selbst. Gut so.
Klaus.G 23.10.2011
Programm ist das eine, was nachher gemacht wird eine andere Sache. Beschluß zur Drogenpolitik bezieht sich auf die Verabreichung von Drogen unter ärztlicher Aufsicht, da ist einiges Mißverstanden worden. Die Linke ist aber [...]
Programm ist das eine, was nachher gemacht wird eine andere Sache. Beschluß zur Drogenpolitik bezieht sich auf die Verabreichung von Drogen unter ärztlicher Aufsicht, da ist einiges Mißverstanden worden. Die Linke ist aber ansonsten die Partei die die Interessen der Arbeitnehmer und Arbeitslosen vertritt. Und DASS ist entscheidend. Die Entschärfung von Hartz IV ist dringend notwendig. Ich weis es denn ich bin als Dipl.-Kfm. mit 52 selbst ein Opfer dieser menschenverachtenden Gesetzgebung. Ich denke die Linke hat gute Chancen jetzt wieder mehr Wähler zu gewinnen, ganz sicher!!
hochdiefaust 23.10.2011
Es ist für Deutschland wichtig, das eine Partei etwas gegen diesen schwarz-gelb-rosa-grünen Einheitsbrei entgegensetzt. Es braucht unbedingt eine starke Bewegung gegen die Finanzlobby mit ihren gesponserten bürgerlichen Parteien, [...]
Es ist für Deutschland wichtig, das eine Partei etwas gegen diesen schwarz-gelb-rosa-grünen Einheitsbrei entgegensetzt. Es braucht unbedingt eine starke Bewegung gegen die Finanzlobby mit ihren gesponserten bürgerlichen Parteien, es braucht eine starke Antikriegspartei und Deutschland braucht unbedingt eine Partei, die die Umverteilung von unten nach oben, die die schwarz-gelb-rosa-güne Einheitspartei in den letzten 20 Jahren betrieben hat, endlich umkehrt. Man muß wieder von seiner Arbeit leben können und die vorhersehbare massenhafte Altersarmut, die zwingend mit den heutigen Gesetzen bei sehr vielen "kleinen" Leuten eintreten wird, muß unbedingt verhindert werden.
achimberlin1961 23.10.2011
gleich kommen wieder die Stimmen die uns vor Sozialismus und Kommunismus warnen ! dieses Teufelswerk !!! wer will denn schon eine Staatsbank die nur Kredite vergibt oder nur Investitionen in reale Werte tätigt ? keine [...]
gleich kommen wieder die Stimmen die uns vor Sozialismus und Kommunismus warnen ! dieses Teufelswerk !!! wer will denn schon eine Staatsbank die nur Kredite vergibt oder nur Investitionen in reale Werte tätigt ? keine Spekulationen - da fehlt doch das Salz in der Suppe ! stellen Sie sich vor es gäbe nur noch eine Krankenkasse (gesamt Einkommen wird berechnet) und Sie bräuchten nur noch 10 % Ihres Einkommens zahlen - oooh wie langweilig - ich möchte mir lieber eine unter Hunderten aussuchen können. oder noch schlimmer eine Einheitssteuer für alle ohne Schlupflöcher ? brrrrrr - die ersten sollen schon die Koffer packen ? wenn die Bundeswehr keine Kampfeinsätze mehr bestreitet ,könnte man Sie ja eigentlich auch auflösen und dafür lieber ein paar Tausend Polizisten und Zöllner einstellen ? aber keine Angst, nichts davon wird passieren, solange das Kapital an der Macht ist.
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Die Linke - Aufstieg und Krise
dpa
16. Juni 2007: Die Linke entsteht auf dem Gründungsparteitag in Berlin. Die ostdeutsche Linkspartei.PDS verschmilzt mit der westdeutschen Wahlalternative Arbeit & Soziale Gerechtigkeit (WASG), die auch aus Politikern besteht, die von der SPD enttäuscht sind. Gleichberechtigte Vorsitzende werden Oskar Lafontaine von der WASG und Lothar Bisky von der PDS.





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