Ermittlungen gegen Ex-Sprecher Was wusste Wulff?

Christian Wulffs engster Vertrauter Olaf Glaeseker ist wegen Korruptionsverdacht ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Der Bundespräsident will mit den heiklen Aktivitäten nichts zu tun gehabt haben. Doch neue Anschuldigungen gegen seinen Ex-Sprecher werfen Fragen auf.

Präsidentenpaar Wulff, Ex-Sprecher Glaeseker: Urlaub bei Freunden
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Präsidentenpaar Wulff, Ex-Sprecher Glaeseker: Urlaub bei Freunden

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Berlin - Malerisch schmiegt sich das Haus aus hellem Naturstein mit rotem Ziegeldach an den saftig grünen Hügel mitten im Unesco-Biosphären-Reservat "Parque Natural de Montseny", 80 Kilometer nordöstlich von Barcelona am Fuße der Pyrenäen. Auf 280 Quadratmetern mischt sich rustikaler Finca-Charme mit "modern-mediterranem Ambiente", wie es auf der Homepage heißt, der Blick vom Pool ist traumhaft. Auf Wunsch gibt es Live Cooking, Housekeeping oder Massage. Bis zu 2400 Euro kostet eine Woche im spanischen Paradies. Normalerweise.

Für Olaf Glaeseker machte Hausherr Manfred Schmidt im Oktober 2008 offenbar eine Ausnahme. Denn Glaeseker durfte offenbar kostenlos ausspannen. Und das wird nun zum Problem, nicht nur für den Urlauber und seinen Gastgeber - sondern auch für Bundespräsident Christian Wulff.

Denn die Einladung zum Gratisurlaub erfolgte womöglich nicht aus reiner Großzügigkeit, sondern weil Wulffs Vertrauter dem schillernden Eventmanager Schmidt als Gegenleistung tatkräftig bei der Organisation eines Wirtschaftstreffens geholfen haben soll. Glaeseker war seinerzeit Wulffs Sprecher, ein enger Vertrauter des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten. Als Staatsbedienstetem war es ihm genau wie Wulff verboten, Geschenke mit Amtsbezug anzunehmen. Dieser Anfangsverdacht aber besteht nun, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Bestechung und Bestechlichkeit, durchsuchte Häuser und Büros von Glaeseker und Schmidt. Doch die entscheidende Frage, die in diesem Zusammenhang im Raum steht, ist: Was wusste Wulff?

Unbezahlte Rechnung

Es geht um den sogenannten Nord-Süd-Dialog. Das klingt wenig glamourös, doch dahinter verbargen sich Promi-Aufmärsche mit Größen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Partymacher Schmidt hat die Veranstaltungen ins Leben gerufen, drei Mal fanden sie in den Jahren 2007 bis 2009 statt - unter der Schirmherrschaft von Wulff und seinem damaligen Amtskollegen Günther Oettinger aus Baden-Württemberg. Schmidt gehört zum schillernden Freundeskreis Wulffs, der ihm in den vergangenen Wochen so viel Ärger bereitet hat. Am Tag der Wahl des Bundespräsidenten schmiss Schmidt in Berlin eine Luxusparty zu dessen Ehren.

Schon früh kam im Zuge der Kreditaffäre der Vorwurf auf, Wulffs Staatskanzlei könnte seinerzeit bei der Finanzierung und Sponsorensuche für den Nord-Süd-Dialog, der Eventmanager Schmidt satte Gewinne eingebracht haben soll, mitgeholfen haben. Wulff hat das mehrfach zurückweisen lassen, es habe sich um eine Privatveranstaltung gehandelt, Finanzierung und Sponsorensuche seien allein Sache des Veranstalters gewesen.

Daran kommen allerdings immer mehr Zweifel auf. Zuletzt hatten bereits mehrere Unternehmen erklärt, nicht von Veranstalter Schmidt sondern aus der Staatskanzlei mit Informationen zu dem Ereignis versorgt worden zu sein. Am Freitag nun bestätigte die Landesregierung einen Bericht der "Neuen Presse", nach dem Wulffs Sprecher Glaeseker im Vorfeld des Nord-Süd-Dialogs im Dezember 2009 die Medizinisch-Technische Hochschule Hannover (MHH) um Unterstützung bei der Veranstaltung gebeten habe. 44 Studierende halfen schließlich an der Garderobe aus.

Wulffs Behauptung ist also jedenfalls objektiv falsch. Denn sein Sprecher half damit nicht nur aktiv bei der Organisation, die Landesregierung war sogar an der Finanzierung der Veranstaltung beteiligt. Denn bei der MHH handelt es sich um einen Landesbetrieb und als solcher stellte sie im Anschluss eine Rechnung über 5245 Euro. Die Staatskanzlei lehnte die Begleichung aber ab. Jetzt soll die Rechnung nachträglich an Schmidt geschickt werden. "Wenn Schmidt nicht zahlt, muss Glaeseker zahlen", sagte Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) am Freitag im Landtag. "Die Staatskanzlei zahlt in jedem Fall nicht."

"Ziemlich lebensfremd"

War Wulff das Engagement der MHH bekannt? Das Bundespräsidialamt wollte mit Verweis auf das Ermittlungsverfahren gegen Glaeseker auf Anfrage keine Stellungnahme zu dem Vorgang abgeben. In Hannover erklärte Möllring auf eine entsprechende Frage der Opposition, es sei doch "ziemlich lebensfremd" zu glauben, der Ministerpräsident habe sich damals mit dem Garderobenpersonal beschäftigt.

Lebensfremd erscheint es möglicherweise aber auch, dass Wulff - unabhängig von der Frage des Garderobenpersonals - wirklich nichts von den Aktivitäten seines Vertrauten Glaesekers im Zusammenhang mit dem Nord-Süd-Dialog geahnt haben will. Mancher jedenfalls findet es schwer vorstellbar, dass Glaeseker hinter Wulffs Rücken sein eigenes Ding machte. Schließlich galten die beiden als unzertrennliches Team mit besonderem Vertrauensverhältnis, seinen "siamesischen Zwilling" hat Wulff Glaeseker einmal genannt. Wulff hatte seinen Sprecher aus Hannover auch mit ins Schloss Bellevue genommen, sich kurz vor Weihnachten aber nach Ausbruch der Kreditaffäre von ihm getrennt. Eine offizielle Begründung dafür gibt es bis heute nicht, doch wurde unwidersprochen die Vermutung verbreitet, Glaeseker habe hingeworfen, weil auch er in den Sog der Affäre zu geraten drohte.

Tatsächlich waren dem Präsidialamt kurz vor Glaesekers Demission zahlreiche Fragen zu dessen Urlaubsaufenthalten in den Anwesen Schmidts zugegangen. So soll er nicht nur kostenlos auf dessen Finca zu Gast gewesen sein, sondern auch in einer Wohnung in Barcelona und im südfranzösischen Banyuls-sur-Mer. Wulff will von diesen Urlauben seines Vertrauten keine Kenntnis gehabt haben und habe auch selbst "keine Erinnerung", je als Ministerpräsident von seinem Freund Schmidt Geschenke angenommen zu haben.

Glaeseker will sich vorerst nicht persönlich zu den Vorwürfen äußern. Er meldete sich inzwischen aber bei der Landesregierung, nachdem er zuvor wochenlang abgetaucht und nicht erreichbar war. In einem Schreiben, das Finanzminister Möllring im Landtag verlas, begründete er dies mit einer "zwischenzeitlichen Erkrankung". Glaesekers Anwalt, der Berliner Jurist Guido Frings, teilte mit, er werde nach Akteneinsicht "den Vorwürfen im Detail entgegentreten und diese entkräften". Schnell dürfte das nicht gehen: Die Staatsanwaltschaft Hannover geht nicht davon aus, dass die am Donnerstag beschlagnahmten Dokumente und Computer schon in der nächsten Woche ausgewertet sein werden.

Finanzminister Möllring, schon unter Wulff in diesem Amt und für seine klaren Worte bekannt, hat sein Urteil schon gefällt. Auf Wulffs Ex-Sprecher Glaeseker angesprochen erklärte er: "Der hat uns beschissen."

Mit Material von dapd

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Seite 1
spargel_tarzan 20.01.2012
1. ja, ja der wulff...
Zitat von sysopChristian Wulffs engster Vertrauter*Olaf Glaeseker*ist wegen Korruptionsverdacht*ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Der Bundespräsident will mit den heiklen Aktivitäten nichts zu tun gehabt haben.*Doch neue Vorwürfe gegen seinen Ex-Sprecher werfen Fragen auf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,810338,00.html
die 3 affen in einer person, nichts sehen, nichts sagen, nichts hören, das kann er den leuten erzählen , die sich die hose mit der kneifzange anziehen.
turo 20.01.2012
2.
Wenn ich heimlich absahne, erzähle ich doch das nicht meinem Chef!
marny 20.01.2012
3. Zwickmühle für Wulff !
Zitat von sysopChristian Wulffs engster Vertrauter*Olaf Glaeseker*ist wegen Korruptionsverdacht*ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Der Bundespräsident will mit den heiklen Aktivitäten nichts zu tun gehabt haben.*Doch neue Vorwürfe gegen seinen Ex-Sprecher werfen Fragen auf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,810338,00.html
so blind kann er sich nun nicht noch einmal verkaufen ! Und wenn, dann brauchen wir ihn nicht als BP - der sollte nämlich ein Mindestmass Hirn haben !
unixv 20.01.2012
4. Was wusste Wulff?
Na, ist doch jedem klar, nichts! Als er noch andere wegen gleicher Vergehen anschwärzen konnte stand der Gute als Ankläger in der ersten Reihe, jetzt erleben wir, wie erbärmlich er wirklich ist! Der Herr Wulf sollte wirklich gehen und uns nicht weiter zur Last fallen. Versuchen sie es mal mit arbeiten, Herr Wulf!
rehabilitant 20.01.2012
5. Wie lange noch?
Zitat von sysopChristian Wulffs engster Vertrauter*Olaf Glaeseker*ist wegen Korruptionsverdacht*ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Der Bundespräsident will mit den heiklen Aktivitäten nichts zu tun gehabt haben.*Doch neue Vorwürfe gegen seinen Ex-Sprecher werfen Fragen auf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,810338,00.html
Ein Bundespräsident im Korruptionssumpf. Gegen Sie endlich, Herr wulff.
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