Backhaus und die Backpfeife: Der Kiefer unverletzt, die Zähne fest

Von und Roman Lehberger

Agrarpolitiker Till Backhaus: Ein Minister, ein Land, ein Jawort Fotos
DPA

Hat Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus einen Rentner geschlagen oder ist er selbst Opfer einer Attacke geworden? Die Ermittlungen gehen nur schleppend voran - es gibt noch viele Ungereimtheiten und Widersprüche.

Hamburg - Rolf L. saß auf der Terrasse, als er plötzlich das Geschrei zweier Männer hörte. Einer brüllte: "Mein Name ist Dr. Backhaus, bleiben Sie hier, wir holen jetzt die Polizei!" Der 50-Jährige lief daraufhin hinaus aus dem Garten und sah einen Fahrradfahrer, vor einem schwarzen Auto stehend. Mit der linken Hand gestikulierte der Mann, mit der rechten hielt er sein Rad samt Kinderanhänger fest. Dann rollte der Wagen langsam davon.

Die Aussage des Angestellten Rolf L. könnte von erheblicher Bedeutung für die Ermittlungsverfahren sein, von denen Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus, 54, derzeit belastet ist: Der Rentner Bernd S., 69, wirft dem SPD-Politiker vor, ihm am Sonntagmittag vor knapp zwei Wochen während eines Streits auf offener Straße einen Faustschlag ins Gesicht versetzt zu haben. Backhaus bestreitet das und will seinerseits von S. am Knie verletzt worden sein.

Rolf L. ist einer der wenigen unbeteiligten Zeugen der Eskalation in Elmenhorst bei Rostock. Von den Aussagen der Begleiterinnen beider Streithähne erwarten sich die Ermittler nicht allzu viel. Und was L.s Version der Wahrheit besonders relevant macht: Der Anwohner widerspricht mit seinen Erinnerungen gleich beiden Kontrahenten. Zum einen hat er keinen Faustschlag des Ministers gesehen, zum anderen ebenfalls nicht beobachtet, wie Bernd S. mit seinem Mercedes-Cabrio den Politiker verletzt haben könnte.

Kratzer auf dem linken Unterarm

Auch die gerichtsmedizinischen Gutachten scheinen die dramatischen Darstellungen der Widersacher nur eingeschränkt zu bestätigen. So konnte ein Professor der Universität Rostock bei Bernd S. zwar Kratzer auf dem linken Unterarm feststellen. Anzeichen für einen wuchtigen Hieb auf den Kiefer, wie ihn S. dem Minister vorwirft, fanden sich jedoch keine: Die Haut war unverletzt, die Zähne saßen fest.

Und Backhaus, dessen Anwalt wenige Tage nach dem Vorfall erklärt hatte, sein Mandant habe "nach vorläufiger ärztlicher Einschätzung" einen Meniskus-Teilabriss erlitten, scheint sich inzwischen wieder einer ganz guten Gesundheit erfreuen zu können. Der Rechtsmediziner stellte lediglich eine Schwellung des linken Knies fest, die er auf eine Prellung oder Verdrehung zurückführte.

Wahrscheinlicher ist es daher, dass es wohl wirklich nur zu einem Handgemenge zwischen den Männern gekommen ist, wie ein Oberkommissar bereits kurz nach dem Vorfall protokolliert hatte. Demnach war S. mit seinem schwarzen Mercedes SLK 200 an dem radelnden Backhaus angeblich zu dicht vorübergefahren, was dieser ihn sogleich lautstark hatte wissen lassen. S. wendete daraufhin seinen Wagen, um den Politiker zur Rede zu stellen.

Gerangel zwischen Männern

Und so kam es um kurz nach zwölf Uhr mittags auf dem Driftenweg zu einem Gerangel zwischen Männern in den besten Jahren. Backhaus will nach dem Hemd des Rentners gegriffen haben, während dieser angibt, dass ihm mit der geballten rechten Faust ins Gesicht geschlagen worden sei. Dadurch sei sein Kopf zurückgeschleudert worden, und er sei kurzzeitig betäubt gewesen, heißt es in der Strafanzeige gegen den Minister. Bernd S. wird in der Sache von dem Rechtsanwalt und letzten DDR-Innenminister Peter Michael Diestel vertreten.

Die Behörden wiederum bieten inzwischen fast alles auf, was der Wahrheitsfindung dienen könnte. Die Ermittlungen führt - eher unüblich bei Streitigkeiten im Straßenverkehr - der Staatsschutz der Rostocker Polizei. Und selbst vor teuren und aufwendigen DNA-Untersuchungen schrecken die Beamten nicht zurück. Während in vielen Fällen lange auf die Resultate solcher Analysen gewartet werden muss, lagen sie im Fall Backhaus bereits nach sechs Tagen vor. Besonders aussagekräftig waren sie dennoch nicht.

Weiterer Ärger droht dem Minister an der Heimatfront, es geht um einen Audi Q7, den er privat nutzt. In einem Schreiben der Audi Bank an Backhaus vom 10. Juni 2013 wird der Minister "letztmalig" aufgefordert, einen noch offenen Betrag von 13.567 Euro zu zahlen. Andernfalls, so die Bank in dem Schreiben, ergebe "sich der Verdacht der Fahrzeugunterschlagung, zumindest aber der unbefugten Ingebrauchnahme". Backhaus selbst will sich dazu offiziell nicht äußern. Sein Anwalt teilt lediglich mit, die Nutzung des Autos sei Gegenstand eines Rechtsstreits mit einer ehemaligen Lebensgefährtin und damit eine "reine Privatangelegenheit" des Ministers.

"Plötzlich gab es einen Schlag"

Politisch heikler als der Ausgang der diversen juristischen Dispute könnte für Backhaus allerdings der Umgang mit selbigen werden. Die Opposition moniert inzwischen einen Anruf des Politikers beim Rostocker Generalstaatsanwalt, mit dem möglicherweise Druck auf die Ermittler in der Fahrrad-Affäre ausgeübt werden sollte. Der Politiker erklärt hingegen, es sei ihm in dem Telefonat lediglich um eine faire Öffentlichkeitsarbeit der Behörden gegangen.

Denn auch mit der Presse scheint Till Backhaus gegenwärtig Probleme zu haben. Die "Bild"-Zeitung hatte einen Tag nach der Konfrontation von einem Unfall des Ministers berichtet und ihn mit den Worten zitiert: "Plötzlich gab es einen Schlag, ich fiel mit dem Rad um. Mehr weiß ich nicht." Inzwischen will Backhaus das nie gesagt haben.

Wie findet man den richtigen Coach?

Für Forscher und Hochschulmitarbeiter gibt es speziell qualifizierte Coaches, die selbst meist einen wissenschaftlichen Hintergrund haben und die Forschungslandschaft in Deutschland sowie die Herausforderungen ihrer Klienten sehr gut kennen.

In eigenen Netzwerken sind solche Fachleute gut zu finden. Etwa unter www.coachingnetz-wissenschaft.de sind rund 20 Experten wie Dr. Monika Klinkhammer oder Dr. Boris Schmidt zusammengeschlossen, die auf Basis transparenter Qualitätskriterien arbeiten. Unter www.wissenschaftscoaching.de haben sich ebenfalls rund 20 Coaches vernetzt, unter ihnen Dr. Eike Hebecker. Ihr Schwerpunkt ist hochschuldidaktische Beratung. Zudem gibt es weitere Coaches, die auf Wissenschaftler spezialisiert sind, wie etwa Bettina Schreyögg in Hamburg: www.bettina-schreyoegg.de.

Professionelle Coaches haben eine mindestens anderthalb- oder zweijährige Ausbildung zum Coach abgeschlossen, die von einem anerkannten Verband wie der Deutschen Gesellschaft für Supervision zertifiziert wurde: www.dgsv.de.

Externe Berater können bei Bedarf individuell in Anspruch genommen werden. Ein Coaching läuft in der Regel über einen längeren Zeitraum mit sechs bis acht Sitzungen von jeweils 90 Minuten. Eine Sitzung kostet rund 200 Euro und wird vom Coachee privat finanziert. Mitunter übernehmen Hochschulen einen Teil der Kosten. Das erste Kennenlerngespräch ist bei seriösen Coaches jedoch üblicherweise unverbindlich und kostenfrei.

Bei hochschulinternen Begleitern trägt die Uni oder Fachhochschule in der Regel alle Kosten. Überdies verfügen viele Hochschulen über eigene Coachingpools, ein Netzwerk von internen und externen Beratern, mit denen die Hochschule gute Erfahrungen gemacht hat und deshalb regelmäßig zusammenarbeitet. Die Kostenübernahme ist unterschiedlich.


Mehr zu dem Thema sehen Sie am Sonntag um 22.05 Uhr im SPIEGEL TV Magazin auf RTL.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Zeuge Rolf L
rkinfo 18.08.2013
sah nur relativ unproblematische Vorgänge. "Mein Name ist Dr. Backhaus, bleiben Sie hier, wir holen jetzt die Polizei!" ... damit ist doch dass der Rentner die Ursache war. Wahrscheinlich gab es den Fahrfelder bei Dr. Backhaus aber damit keine Verletzung beim Rentner. Der denkt sich das nur aus ...
2.
Top-Experte 18.08.2013
Zitat von sysopZitat - Bernd S. wird in der Sache von dem Rechtsanwalt und letzten DDR-Innenminister Peter Michael Diestel vertreten. -Zitat Na, da brauchen wir ja keine Angst haben. Da wird die Wahrheit schonungslos ans Licht kommen, dank H. Distel.
Ein Rechtsanwalt ist kein Staatsanwalt! Ein Rechtsanwalt vertritt immer *rein* die Interessen seines Mandaten und nicht die Wahrheit.
3. Wenn alte Männer streiten
mc_fly_junior 18.08.2013
Klar hat der Rentner den Backhaus etwas eng überholt. Das wird schon stimmen. Danach haben die alten Herrn etwas gerangelt. Jeder wollte vor seiner Dame nicht als Trottel dastehen. Der Backhaus hat, ausgestattet mit gewaltigem Selbstvertrauen, irgendwann was mit Polizei gerufen. An der Stelle kommt jetzt erst der unbeteiligte Zeuge dazu. Da kann der dann auch nicht mehr viel gesehen haben. Am Ende viel Lärm um nichts. Wenn alte Männer streiten ist Sommerloch. Am Ende ist es nur peinlich für den Backhaus, der sich sowieso schon ohne Ende lächerlich macht mit seiner 30 Jahre jüngeren Frau. Die haben bestimmt echt viel gemeinsam. Aber das ist wieder ein anderes Thema.
4. StVO § 3
mrdude 18.08.2013
Zitat von sysopHat Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus einen Rentner geschlagen oder ist er selbst Opfer einer Attacke geworden? Die Ermittlungen gehen nur schleppend voran - es gibt noch viele Ungereimtheiten und Widersprüche. Ermittlungen gegen Minister Backhaus: Hat er zugeschlagen? - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ermittlungen-gegen-minister-backhaus-hat-er-zugeschlagen-a-916959.html)
"(2a) Wer ein Fahrzeug führt, muss sich gegenüber Kindern, hilfsbedürftigen und älteren Menschen, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft, so verhalten, dass eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. "
5. Wessirentner
mrdude 18.08.2013
der sich mit seinem Benzer wie im wilden Osten aufführt. Wenn einem Auto auf dieser "Straße" Fahrradfahrer (und dann noch mit Kinderänhänger) entgegen kommen hat man sofort abzubremsen und in Schrittgeschwindigkeit die Fahrt fortzusetzen. Aber das kapieren manche Autofahrer ja nicht: "Hier ist Siebzich erlaubt...neee - isses nämlich nur dann, wenn man keine anderen gefährdet.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Mecklenburg-Vorpommern
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 19 Kommentare
  • Zur Startseite

Sonntag, 18.08.2013, 22.05 - 23.05 Uhr, RTL

  • SPIEGEL TV
    Rumänen, Bulgaren, Tschetschenen - Der neue Treck gen Westen
    Deutsches Kindergeld für Haus in der Heimat - Lücken im Gesetz
    Backhaus Backpfeife und ein Audi - Bizarres aus Meck-Pomm
Fotostrecke
Politiker auf Sommertour: Lächeln, winken, Kühe streicheln